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Deutsche Meisterschaft in Wester-Ohrstedt : Die wahren Meister im Schafehüten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schäfer Wolfgang Albertsen aus Ahrenviöl organisierte in Wester-Ohrstedt die diesjährige Deutsche Meisterschaft der Hütehunde. Der Titel ging am Ende nach Nordrhein-Westfalen.

Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt fand am Wochenende in Wester-Ohrstedt die Deutsche Meisterschaft der Hütehunde statt. Nur ein kleines Schild wies interessierten Besuchern den Weg zum Trial in Bremsburg, einem idyllisch ganz im Osten der Gemeinde gelegenen Ortsteil. Eine Koppel ohne jeden Komfort diente den zumeist von weither mit Wohnmobilen und Anhängern angereisten Meisterschaftsanwärtern als Campingplatz. Auf matschige Wege und widrige Witterung zeigten sich die rund zwei Dutzend Männer und Frauen aber bestens vorbereitet, schließlich nahmen sie im Laufe des Jahres schon an diversen Outdoor-Wettbewerben teil, um sich und ihre Border Collies für den finalen Wettbewerb um den begehrten Meistertitel zu qualifizieren. Man weiß also, was einen erwartet.

Die meisten Teilnehmer gingen gleich mit mehreren Hunden an den Start. Wer nicht zufällig gerade selbst dran war, machte es sich bei dem zumeist schönen Wetter am Rande des Parcours auf Campingstühlen gemütlich. Man begutachtete gemeinsam mit den treuen Vierbeinern die Arbeit der Mitstreiter, applaudierte bei gelungenen Aktionen und litt hörbar mit, wenn etwas schief ging. Jedem war klar, dass selbst der kleinste Fehler zum Punktabzug führen konnte – und der Meistertitel damit in weite Ferne rückte. Doch die Konkurrenz erwies sich als absolut hochrangig, denn zu dieser Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland (ABCD) kommen stets nur die Besten.

Auch für unwissende Zuschauer war es faszinierend zu sehen, wie die Spitzenhunde mit den Schafen und ihren menschlichen Partnern zusammenarbeiteten, wie sie die kurzen, präzisen Signale unverzüglich gehorsam befolgten. Daher war das Beste an dieser ländlichen Location der grandiose Weitblick: Auch ohne Fernglas konnte man den Hunden dabei zusehen, wie sie beim „Outrun“ nur durch Pfiffe gesteuert eine Handvoll Schafe aus weiter Distanz heranholten und durch das „Fetchgate“ in gerade Linie auf den Hundeführer zu und um ihn herum trieben. Eine weitere Disziplin bestand im Wegtreiben und Quertreiben der Schafherde durch die „Drivegates“, außerdem sollten die Hunde einzelne markierte Tiere abtrennen können und schließlich die ganze Gruppe sorgfältig einpferchen.

Knappe englische Befehle wie „Lie down“ (Mach Platz!) sowie „Come by“ oder „Away“ für das Umkreisen der Schafe von der rechten oder linken Seite hallten über die Platz, immer unter der strengen Beobachtung des Wertungsrichters Colin Gordon. Der Mann aus Wales verfolgte das Geschehen auf dem Feld von einem erhöhten Jurywagen aus. Er hatte zu bewerten, wie die Hunde sich der Herde annähern und wie die Schafe darauf reagieren. Ein gut ausgebildeter Hütehund muss die Schafe von Anfang an unter Kontrolle haben, Ruhe ausstrahlen und die Herde souverän führen. Border Collie können das besonders gut und gelten daher als ideale Hütehunde.

Eine letzte große Herausforderung gab es dann am Sonntag, 11. Oktober, für die Teams, die sich zuvor in den Läufen an den beiden Vortagen für das Finale qualifiziert hatten: In der Endausscheidung sollten die Hunde mitten im Parcours zurückschauen, eine zweite Schafgruppe heranholen und mit ihnen weiterarbeiten. Eine schwierige Aufgabe, bei der es auf das perfekte Zusammenspiel zwischen Hund, Mensch und Herde ankommt. Dabei gab es für Landwirt und Schäfer Wolfgang Albertsen aus Ahrenviöl, der die Veranstaltung organisiert hatte und in diesem Jahr zum letzten Mal mit seinem Hund „Jess“ ins Rennen ging, eine echte Überraschung: „Keiner meiner persönlichen Favoriten hat es ins Finale geschafft. Ich kann bis jetzt noch nicht abschätzen, wer diesen Wettkampf gewinnen wird“, staunte der versierte Kenner der Szene noch gut eine Stunde vor der geplanten Siegerehrung. Den Titel sicherten sich am Ende „Gismo“ an der Seite der erfahrenen Züchterin Viola Hebeler aus Reichshof im Bergischen Land (NRW) auf dem ersten Platz sowie auf Platz zwei und drei Eckhard Sievers mit seinen Hunden „Joe“ und „Sid“. Der Polizeibeamte und Hobbylandwirt aus Meggerdorf im Kreis Schleswig-Flensburg züchtet im Nebenerwerb Texelschafe. Schon oft konnte er sich mit seinen talentierten Border Collies bei Wettbewerben ganz vorne platzieren. Die nächste Deutsche Meisterschaft findet im Juli 2016 im Schwarzwald statt.

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