Tourismus auf Eiderstedt : „Die Vorzeige-LTO im Land“

Eiderstedter Urlaubsidyll schlechthin: Blick auf den Leuchtturm von Westerhever vom Strand von St. Peter-Ording aus.
Eiderstedter Urlaubsidyll schlechthin: Blick auf den Leuchtturm von Westerhever vom Strand von St. Peter-Ording aus.

Die Lokale Tourismus-Organisation St. Peter-Ording/Eiderstedt stellt sich mit ihrem Tourismusentwicklungs-Konzept für die Zukunft auf.

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28. Juni 2018, 11:00 Uhr

Garding | Vor zehn Jahren hatte es noch überhaupt nicht danach ausgesehen, dass sich St. Peter-Ording und die übrigen Eiderstedter Gemeinden auf touristischem Gebiet je zusammenraufen würden. Doch nach vielen Gesprächen und harter Arbeit können die Verantwortlichen nun stolz auf sich sein, die Lokale Tourismus-Organisation St. Peter-Ording/Eiderstedt (LTO) ist eine der größten und wettbewerbsstärksten Marketingorganisationen im Schleswig-Holstein Tourismus und die mit 21.000 Betten kapazitätsstärkste LTO auf dem Festland. Um auch in Zukunft erfolgreich tätig sein zu können, hat der Verbund jetzt ein Tourismusentwicklungs-Konzept (TEK) aufstellen lassen. Der 2015 gegründeten LTO gehören neben St. Peter-Ording alle Gemeinden im Amt Eiderstedt, außer Oldenswort, sowie Tönning und Friedrichstadt an. Das Konzept wurde vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT), Kiel, erstellt.

Zur Vorstellung des fast 100 Seiten starken Heftes fanden sich zahlreiche Beteiligte, darunter Bürgermeister und Gemeinde- sowie Stadtvertreter, ferner Vertreter von Vereinen und Verbänden, im Gardinger Veranstaltungszentrum ein. „Es ist uns gelungen, zu einem wirklichen Miteinander zu kommen und die gesamte Region zu betrachten“, sagte St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier in seiner Begrüßung. „Das Tourismusentwicklungs-Konzept ist kein End-, sondern ein Zwischenpunkt, der aber von besonderer Wichtigkeit ist“, betonte er. „Das Papier wurde bereits dem Wirtschaftsministerium übergeben und hat dort großes Lob geerntet.“ Er sei mehr als zufrieden mit alledem, was zusammengetragen worden sei, und dankte besonders den Bürgermeistern für ihre Mitarbeit.

Projektleiter Kai Ziesemer vom NIT erläuterte die Struktur, die Ziele und die wichtigsten Eckdaten. „Dieses Konzept ist wichtig, weil für die Tourismus-Entwicklung dicke Bretter zu bohren sind.“ Es gelte dabei planungsrechtliche und finanzielle Erfordernisse zu beachten. Ebenso müsse man sich immer wieder abstimmen. Dieses Konzept ordne Projekte von allen Ebenen in den größeren Kontext ein.

Und so beinhaltet das Heft nicht nur eine Beschreibung der Ausgangslage der Region mit den Stärken und Schwächen, sondern auch die Entwicklungsstrategie 2030 mit einer Beschreibung der Zukunftsfelder. Und Letzteres sei noch nicht einmal vom Ministerium gefordert worden, so Ziesemer.

Im Einzelnen werden unter dem Stichwort „Zukunftsfelder“ die Themen „Demographischer Wandel vor Ort“, Tourismuspolitik- und förderung, Nachhaltigkeit, „Gäste-Quellmärkte, Motive“ sowie Tourismusmarketing und Vertrieb behandelt. So fordert das Konzept unter dem letzten Stichwort die Entwicklung der technischen Infrastruktur (Stichwort Breitband), Intensivierung der Online-Aktivität sowie Professionalisierung des Online-Marketings. Oder unter dem Stichwort Tourismusförderung heißt es: Kurzfristig muss die LTO ihre Verhandlungsposition bei der Fördermittelbeantragung stärken, grundsätzlich stärker auf eine Rentabililtät achten, um gegebenenfalls privatwirtschaftliche Finanzierungen zu ermöglichen, und langfristig eine stärkere Unabhängigkeit von Fördermitteln zu suchen.

Mit Blick auf dieses Thema gab Ziesemer auch zu bedenken, dass angesichts von Brexit, Zöllen und einer Neubewertung der bedürftigen Regionen durch die EU es die Frage sei, ob nach 2020, dem Ende der jetzigen Förderperiode, von der EU noch Geld für touristische Projekte in Deutschland fließen werde. Vorstellbar sei ja durchaus, dass mehrere Gemeinden ein Projekt in einer anderen Gemeinde mitfinanzieren, von dem sie profitieren.

Doch das ist nicht alles, was das Konzept zu bieten hat. Schon beim ersten Durchblättern wird klar, dass es nicht nur Impulse für den Tourismus in Eiderstedt gibt, sondern insgesamt für die Entwicklung der Region. So haben im Anhang alle beteiligten Gemeinden und Städte unter anderem neben statistischen Angaben ihre eigene Entwicklungsvorstellungen im Tourismus festgehalten.

Letztlich wird der Tourismus die Zukunft Eiderstedts auch maßgeblich beeinflussen. Das machte Ziesemer mit einigen interessanten Zahlen deutlich, von denen das TEK übrigens viele zu bieten hat: So wurden 2016 in Eiderstedt und St. Peter-Ording 3,2 Millionen Übernachtungen und 1,9 Millionen Tagesgäste gezählt. Mit einem Anteil von 28 beziehungsweise 40 Prozent daran habe Eiderstedt einen maßgeblichen Anteil, so Ziesemer. Der Tourismus generiere einen Bruttoumsatz von 312 Millionen Euro auf der Halbinsel, 36 Prozent des Volkseinkommens stammen aus dem Tourismus. Es werden damit 6530 Vollzeitstellen geschaffen. Die LTO habe also viel Potenzial, sie sei die Vorzeige-LTO im Schleswig-Holstein Tourismus. „Es kann und muss weitergehen im Tourismus auf Eiderstedt“, lautete Ziesemers abschließendes Fazit.

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