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Neues Einkaufszentrum für Husum : Die Villa Fabelhaft wird geopfert

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einmütigkeit im Umwelt- und Planungsausschuss: Das Haus Großstraße 19 in Husum soll dem neuen Shopping-Center weichen. Viele Zuhörer waren damit nicht einverstanden.

Das öffentliche Interesse war groß: Rund 60 Zuschauer verfolgten die Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses, bei der es um Sein oder Nichtsein für die Villa Fabelhaft ging. Das Gebäude Großstraße 19 soll nach dem Willen der Planer und der Verwaltung dem Einkaufszentrum weichen, das auf dem Gelände des früheren Hertie-Kaufhauses entstehen soll (wir berichteten). Und das gefällt nicht allen Bürgern. Wobei sich als Zuhörerschaft in der Hauptsache die Kritiker gesammelt hatten.

An deren Einstellung konnte auch der lebhafte Vortrag von Diplom-Ingenieur Ekkehard Voss vom Hamburger Büro NPS Tchoban Voss, das für die Architektur der Anlage verantwortlich zeichnet, nicht viel ändern. Der ging noch einmal auf die Eckdaten des Shopping-Centers und dessen nunmehr konkretere Außenansichten in Großstraße, Schlossstraße und am Quickmarkt ein und wies auf die Probleme hin, die Fassade der Villa Fabelhaft – „und mehr würde vom Gebäude nicht übrig bleiben“ – in das Konstrukt des Neubaus zu integrieren. Der fällt im Übrigen niedriger aus als die lichte Höhe der Villa und passt sich damit wesentlich besser an die angrenzende Schwan-Apotheke an als die Brandmauer des derzeitigen Hauses Großstraße 19. Voss versprach, als Reminiszenz die in der Frontseite der Villa eingelassene Steinrosette in die neue Fassade einzulassen – „als Erinnerung“.

Auch Bauamtschef Rudolf Hölscher brach noch einmal eine Lanze für den Abriss und wies darauf hin, dass das Gebäude zwar als Bestandteil des Bau-Ensembles auf dieser Seite der Großstraße unter Denkmalschutz gestellt sei, nicht jedoch als einzelnes Haus. „Die Diskussion um den Denkmalschutz ist nur ein Aspekt unter vielen“, sagte Hölscher. Vorrangig ginge es um die Stärkung der Innenstadt und eines zukunftsfähigen Miteinanders von Stadt und Handel. „Am Bau des Einkaufszentrums hängt die gesamte weitere Entwicklung der Innenstadt: die Verbesserung des Stellplatzangebotes, die Aufwertung von Quickmarkt und Schlossstraße, eine neue Linienführung mit Rundlauf zwischen Groß- und Schlossstraße – und da das nur mit dem Abriss zu erreichen ist, empfehlen wir diesen auch.“

Zumindest die Politiker hatte diese Botschaft erreicht: „Alte Bausubstanz zu erhalten ist ja an und für sich nicht falsch. Aber dieses Haus ist brutal neben die Apotheke gesetzt worden. Wenn wir jetzt alles lassen, wie es ist, wird es nicht besser, sondern schlechter“, so Wolfgang Finger (WGH). Das fand auch Hans-Christian Hinrichs (SPD). Und freute sich über die geplante Übernahme der Rosette. Martin Kindl führte aus, dass auch die CDU die Fassade gern erhalten hätte. „Aber es gibt eben architektonische Zwänge, die das Projekt in Frage stellen würden, und das wäre inakzeptabel.“ Für Husum sei das Einkaufszentrum eine der besten Chancen der vergangenen Jahre. „Und das war für uns entscheidend bei der Abwägung.“

Danach ließ Frank Hofeditz (Grüne), der in Vertretung von Ulf von Hielmcrone (SPD) die Sitzung leitete, die Bürger zu Wort kommen. Wobei sich Dr. Dörte Nicolaisen als Mitglied der Interessengemeinschaft Baupflege nicht nur über den geplanten Abriss der Villa aufregte, sondern besonders das Erscheinungsbild des Centers in der Schlossstraße monierte: „Das Torhaus ist acht Meter hoch, das Parkhaus jedoch elf Meter, und das auf einer Länge von 40 Metern. Das ist ein gewaltiger Eingriff ins Stadtbild!“ Siegfried Schulze-Kölln beklagte die „Erinnerungskultur“ mittels der Rosette als „pietätlos“ und wollte den Bau Großstraße 19 gleich ganz stehen lassen und ein Wohnhaus daraus machen. Michael Graf schlug vor, hinter der zu erhaltenden Fassade ein Treppenhaus einzurichten, um das Problem der unterschiedlichen Geschosshöhen zu umgehen. Architekt Bernhard Nehls empfand die Villa als „Kostbarkeit“, deren Integration für „geschickte Planer kein Problem“ sei. Heidi Marzinzik wies darauf hin, dass das Problem unterschiedlicher Etagenhöhen auch im Modehaus C. J. Schmidt gelöst worden sei. Renate Ahrensfeld brachte eine Verblendung und damit ein „Versteck“ der Fassade ins Spiel. Und Stadtführer Burkhard Kantel wies darauf hin, welch immense Bedeutung die alten Fassaden als Touristen-Attraktion hätten.

Mit all diesen Argumenten hätten sich die Politiker ausgiebig beschäftigt, versicherte Horst Bauer (SPD) den Kritikern. Und betonte noch einmal, dass das Haus nur im Rahmen eines Ensembles geschützt sei. „Wir bekommen da aber ein neues und im Übergang zur Apotheke viel besser gestaltetes Ensemble, das der Innenstadt gut tun wird.“ Das fand auch Frank Hofeditz. Und Hauke Hinrichsen (SSW) brachte es auf den Punkt: „Es ist schade, dass das Haus weg muss. Aber wenn wegen dessen Erhaltung gar nichts mehr geht und das alte Ensemble bleibt, haben wir verloren.“

Bei der Abstimmung votierten die Ausschussmitglieder dann einmütig für den Verwaltungsvorschlag, der den Abriss der Villa Fabelhaft vorsieht.

 

 

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erstellt am 16.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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