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Wasserrohrbrüche in Husum : Die Versorgung hat höchste Priorität

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz GmbH sieht trotz der jüngsten Wasserrohrbrüche keinen Grund zur Panik. Es werde alles unternommen, um die Versorgung sicherzustellen, sagt Norbert Jungjohann im Interview.

Rohrleitungbrüche waren in Husum zuletzt keine Seltenheit. Die Stadtwerke Husum Netz GmbH hat daraufhin für die Osterhusumer Straße umfangreiche Sanierungsarbeiten angekündigt (wir berichteten). Wie das Unternehmen sein Leitungsnetz wartet und ob es anders aussähe, wenn die Stadtwerke noch eine hundertprozentige Tochter der Stadt wären, dazu äußert sich Netz-Geschäftsführer Norbert Jungjohann im Interview.

 

Herr Jungjohann, schon wieder ein Rohrbruch. Wird das jetzt zum Dauerproblem?

In den vergangenen zehn Jahren hatten wir pro Jahr im Durchschnitt vier Störungen im Trinkwassernetz, so auch 2014. In diesem Jahr verzeichneten wir am vergangenen Mittwoch den fünften, drei davon betrafen Hauptleitungen. Wenn nichts mehr kommt, liegen wir also im langjährigen Mittel. Dennoch tauschen wir ältere Leitungen sukzessive aus, um die Störungshäufigkeit zu minimieren und die Trinkwasserversorgung langfristig auf hohem Niveau zu erhalten. Dafür gibt es eine Instandhaltungs-Strategie. Schadhafte Stellen reparieren wir sofort, wie Sie ja auch am vergangenen Mittwoch gesehen haben. Nach zwei Stunden war die Wasserversorgung wieder hergestellt.


Wie alt ist das Wasserleitungsnetz? Und wie regelmäßig wird es gewartet?
Wir haben ein gesundes Verhältnis von neuen und älteren Rohrleitungen. Von den 282 Kilometern, die wir betreiben, bestehen heute rund 82 Prozent aus hochwertigen Kunststoffrohren, die auch flexibler auf Bodenbewegungen reagieren. Seit den 1980er-Jahren bauen wir Zement- und Gussrohre sukzessive aus. Im Vergleich mit Ballungsräumen wie Berlin oder Hamburg sind die älteren Leitungen im Husumer Netz – die frühen Rohre hier stammen aus den 1960er-Jahren – sogar verhältnismäßig jung. Dort gibt es noch etliche sogenannte Graugussleitungen aus Eisen, die bis in die 1920er-Jahre zurückdatieren. Und Störungen haben vielschichtige Ursachen. Das Zusammenspiel von Material, Materialstärke, Witterung, Beanspruchung und der vorherrschenden Umgebungsbedingungen ist entscheidend dafür.

.  .  .  und die Wartung?
Alle beweglichen Teile des Wassernetzes werden regelmäßig kontrolliert – optisch und funktionell. Pumpen, Filteranlagen und andere Anlagenteile unterliegen festgelegten Wartungszyklen. Hierbei werden Verschleißteile turnusmäßig ersetzt, um kein Risiko einzugehen. Die verlegten Rohre selber lassen sich nicht direkt warten. Für sensible Teilstrecken haben wir vor einem Jahr angefangen, über ein elektro-akustisches Verfahren den Zustand dieser Abschnitte zu beobachten und zu analysieren. Aktuell sind wir dabei, ein Konzept für den zielgerichteten Einsatz eines solchen Verfahrens zu entwickeln.

Nun sind Sie ja im Gegensatz zur Stadtwerke-Abwasserentsorgung kein kostenrechnender Betrieb, der die Gebühren ausschließlich in den Erhalt und die Pflege seiner Netze re-investiert, sondern der Gewinne ausschüttet. Beeinflusst das in irgendeiner Weise die Qualität des Rohrleitungsnetzes?
Nein! Als GmbH sollten wir natürlich wirtschaftlich arbeiten und auch Gewinne erzielen, um langfristig die Zukunft der Stadtwerke Husum sichern und in eine weiterhin hohe Versorgungsqualität investieren zu können. Gleichwohl tragen wir die Begriffe „Stadt“ und „Husum“ mit in unserem Unternehmensnamen. Beiden fühlen wir uns verpflichtet. Oberste Priorität hat eine sichere Versorgung der Bürger mit Energie und Trinkwasser zu fairen Preisen und der Erhalt einer hohen Lebensqualität durch eine zukunftsfähige Gestaltung der Energie- und Wasserversorgung. Das haben wir auch explizit in unserer neuen Strategie 2012 verankert. Wichtig ist uns auch, ökologisch wie ökonomisch nachhaltig zu agieren. Dies ist uns speziell mit Wasser ein großes Anliegen. Das sehen auch unsere Anteilseigner – ob Stadt oder Eon-Hanse – so.

 

Nun wurde Wasser ja noch nicht privatisiert. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Welche Folgen hätte ein solcher Schritt für die Zukunft unseres Wasserleitungsnetzes?
Wir bestehen im Wettbewerb bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit durch intakte Energienetze und eine effiziente Führung des Netzbetriebs. Mit der Liberalisierung des Gas- und Strommarktes haben wir auf diesen Gebieten tiefgreifende Erfahrungen gesammelt. Netzentgelte für die Durchleitung der Energie werden von staatlichen Regulierungsbehörden festgelegt. Und für die Netzentgeltberechnung werden wir an den effizientesten Betreibern vergleichbarer Netzstruktur gemessen. Dieses sehr strukturierte Herangehen und das Optimieren des Qualitätsstandards bei geringsten Kosten haben wir auch auf unsere Wassernetze übertragen.

 

Und was wird mit dem Wasser?

Zuletzt wollte die EU den Betrieb von Trinkwasserversorgungen über Verfahren zur Ausschreibung von Konzessionen im Rahmen der Dienstleistungsrichtlinie ändern. Diese ist am europaweiten Bürgerbegehren „right2water“ gescheitert. Jeder 61. Bundesbürger hatte sich daran beteiligt. Auch ich fände es richtig, wenn die Trinkwasserversorgung in kommunaler Hand bliebe. Wasser ist keine Ware. Es zählt für mich zur Daseinsvorsorge.

Hat die Kooperation mit einem privaten Energieversorgungspartner zu Mehrkosten innerhalb des Unternehmens und für die Kunden geführt? Müsste zum Beispiel die Trennung von Netz und Vertrieb auch sein, wenn die Stadtwerke eine hundertprozentige Tochter der Stadt wäre?
Im Energiewirtschaftsgesetz ist die Trennung von Netz und Vertrieb festgeschrieben – und zwar völlig unabhängig von der Struktur der Anteilseigner. Kundenstammdaten müssen zweifach geführt werden – in getrennten IT-Systemen. Ab einer bestimmten Anzahl von Kunden ist eine gesellschaftliche Trennung der Netz- und Vertriebsgesellschaft vorgeschrieben. Unter 100  000 Kunden entscheiden die Unternehmen, wie sie das Unbundling (die Unabhängigkeit zwischen verschiedenen Geschäftsfeldern innerhalb eines Unternehmens, Anm. d. Red.) realisieren wollen. Unbundling ist also unabhängig davon, ob wir 100 Prozent kommunal wären oder einen privatwirtschaftlichen Anteilseigner mit im Boot haben. Was die Mehrkosten angeht, so gehe ich – geschätzt– davon aus, dass eine eigene Netzgesellschaft nicht teurer ist als eine Trennung. Allerdings ist letztere eine sehr transparente und saubere Lösung.

Wie stehen Sie zu Überlegungen, die Stadtwerke zurückzukaufen?
Politische Äußerungen überlasse ich gern den Politikern unserer Stadt.


 

 

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erstellt am 11.Apr.2015 | 16:00 Uhr

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