Ortstermin Husum : Die Umweltfrevler vom Norderschlag

Fassungslos stehen Thomas Leißner und Karl-Friedrich Bumb (im Hintergrund) vor einem der zahlreichen Abfallberge im Schockedahler Weg. Foto: Peters
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Fassungslos stehen Thomas Leißner und Karl-Friedrich Bumb (im Hintergrund) vor einem der zahlreichen Abfallberge im Schockedahler Weg. Foto: Peters

Karl-Friedrich Bumb und Thomas Leißner trauten ihren Augen kaum: Bei einem Ortstermin im Schockedahler Weg stolperten der Mann aus dem Ordnungsamt und der Bauhof-Chef alle paar Meter über illegal entsorgten Gartenabfall. Gleich neben dem vermüllten Bahngelände liegt ein Baugebiet.

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16. Oktober 2009, 04:21 Uhr

Husum | Hundehalter nutzen den Streifen gerne, um Gassi zu gehen. Pendler mit Drahtesel bevorzugen die Schotterpiste, um zwischen Rödemis und Mildstedt Zeit zu sparen. Und dabei springt manch ein Vierbeiner im Dunstkreis von Herrchen oder Frauchen schon mal einen Radler an, den gerade die Sorge umtreibt, dass sich auf dieser Strecke leicht die Kette vom Ritzel lösen könnte. Auch Spaziergänger genießen die Stille im Schockedahler Weg, ganz ohne Hintergedanken.
Saftiges Bußgeld

Von einigen Bewohnern des benachbarten Baugebiets Norderschlag kann man das allerdings nicht behaupten. Sie missbrauchen die Abgeschiedenheit für private Zwecke, kippen ihre Gartenabfälle einfach in die Botanik. Und das nicht zu knapp. Da bekommt der Name Grüner Weg, der dort bis zur Eingemeindung von Schobüll Gültigkeit hatte, eine ganz neue, negative Bedeutung. Die Zustände sind derart alarmierend, dass die Stadt jetzt nach einem Ortstermin mit unserer Zeitung gegen die Umweltsünder mobil macht. "Wir werden stichprobenartige Kontrollen vornehmen", kündigt Ordnungsamts-Mitarbeiter Karl-Friedrich Bumb an. Sollte ein Verursacher ermittelt werden, droht ihm nicht nur die Übernahme der Entsorgungskosten, sondern auch ein saftiges Bußgeld. Paragraf 61 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes erlaubt in diesem Fall Strafen in Höhe von bis zu 50 000 Euro.

Bumb und Thomas Leißner, Leiter des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt Husum (KSH), schütteln beim Rundgang immer wieder die Köpfe. Alle Nase lang stolpern die beiden in der östlichen Hälfte des Weges - dort, wo die Norderschlag-Grundstücke angrenzen - über wilde Müllkippen der pflanzlichen Art. Da reiht sich ein Haufen mit Rasenschnitt und Buschwerk an den nächsten. Dazwischen faulen Fallobst und Topfblumen vor sich hin. Am deutlichsten hebt sich das illegal entsorgte Grüngut von der Umgebung an den drei Durchgängen zum Wohngebiet ab, das überwiegend zwischen 1995 und 1998 entstanden ist - mit einem zweiten Bauabschnitt, mit dem im Jahr 2000 begonnen wurde. Auch die Reste jener Dornenhecke, die eindeutig nur vom gegenüberliegenden Haus stammen können, belegen, mit welcher Dreistigkeit hier Umweltfrevel betrieben wird: Der Abfall, der zum Teil noch im blauen Sack steckt, scheint so schwer zu sein, dass jeder Meter zu viel tunlichst zu vermeiden ist.
Schaumstoff und Zement

Wenn sie schon mal da sind, werfen die städtischen Beobachter bei ihrer Expedition gleich einen Blick hinter den Wall auf der dem Norderschlag abgewandten Seite des Weges. Sein geschultes Auge verrät Leißner schnell, dass dort unten - auf den längst verwilderten Bahnschienen - einiges im Argen liegt. Allein drei weggeworfene Fahrräder sind auf einer Länge von rund 500 Metern schon von oben zu erkennen. Der KSH-Chef und Bumb wagen den halsbrecherischen Abstieg. Dann stehen sie auf den seit 1993 nicht mehr befahrenen Gleisen zwischen Husum und Mildstedt, die zur alten Strecke nach Rendsburg gehören. Die führte über Erfde und Fockbeck und wurde seit den siebziger Jahren in mehreren Abschnitten stillgelegt. Ein Teil davon ist noch in Betrieb und an die Nord-Ostsee-Bahn als Abstellgleis vermietet. Leißner zeigt auf die Brücke unter der Bundesstraße 5 - auf jene Stelle am Boden, wo man einst den im April vergangenen Jahres gestohlenen Bauhof-Tresor wiederfand.

Der Safe ist längst geborgen, doch auch so liegt hier eine Menge Krempel herum, der rein gar nichts mehr mit Kompostabfällen zu tun hat. Die Bandbreite reicht vom alten Holzgestell für den Garten über Schaumstoff-Reste bis hin zum hart gewordenen Sack Zement aus den Anfängen des Norderschlags. Bauschutt, wohin das Auge reicht. "Das ist die reinste Deponie", sagt Leißner. Und Bumb kann nur wiederholen, was er schon auf der Böschung mehrfach festgestellt hat: "Diese Mengen habe ich nicht erwartet. Das sind gleich mehrere Lkw-Ladungen."
Eindeutig unzulässig

Angesichts der Müllberge, die sich auf dem Gelände der Deutschen Bahn (DB) auftun, hat der Mann vom Ordnungsamt erst einmal Kontakt zu den zuständigen Stellen aufgenommen. Bei einer Abfallmenge von mehr als fünf Kubikmetern sei der Kreis Nordfriesland dafür zuständig, den Eigentümer des Grundstücks zu informieren. Unabhängig von dem kurzfristigen Ortstermin mit der Wasserwirtschafts-Abteilung des Kreises, warnte Bumb auch die DB Netz AG schon einmal vor: "Da ist man aus allen Wolken gefallen."

Die Verantwortlichen sind sensibilisiert. Die Bewohner des Norderschlags, die sich die illegale Entsorgung ihres Haus- und Gartenmülls in den vergangenen Jahren als Gewohnheitsrecht herausgenommen haben, stehen ab sofort unter besonderer Beobachtung. Die umweltbewussten Anwohner unter ihnen bringen ihr Grüngut schon seit Jahren zum KSH in die Siemensstraße oder zum Luruper Weg nach Mildstedt - wie es sich gehört. Allen anderen reden Bumb und Leißner noch einmal ins Gewissen: "Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eindeutig unzulässig."

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