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Ein Fest für alle : Die Suche nach Glück in der Fremde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Weltflüchtlingstag feierten in Husum Einheimische und Asylbewerber zusammen, um sich kennenzulernen. Im Rathaus wird eine Ausstellung von Pro Asyl gezeigt.

Sie stehen auf einem überfüllten Boot, das im Binnenhafen liegt und blicken angstvoll in alle Himmelsrichtungen: Die Bronzeskulpturen von Flüchtlingen, gestaltet von dem dänischen Künstlers Jens Galschiøt, waren eine eindrucksvolle und berührende Kunst-Aktion zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, an den auch in Nordfrieslands Kreisstadt erinnert wurde: mit einem Fest für Einheimische und Flüchtlinge. Initiator war in Kooperation mit dem Diakonischen Werk der „Runde Tisch Husum“, ein Zusammenschluss von Haupt- und Ehrenamtlichen, die die Situation von Asylbewerbern verbessern möchten.

Zuvor war im Rathaus eine Sonderausstellung von „Pro Asyl“ zum Thema „Asyl ist Menschenrecht“ von Siavash Nassir eröffnet worden. In seiner Rede zitierte der Iraner aus einem vor gut 60 Jahren verfassten Gedicht aus seiner Heimat: „Die ihr fröhlich und lachend am Ufer sitzt, gerade jetzt verliert ein Mensch sein Leben in der See – ihr dort, die ihr am Ufer euch ergötzt, Brot auf dem Tisch, den Körper schön gekleidet, jemand im Wasser ruft euch an um Hilfe.“ Die Menschen, die nach Europa flüchteten, hätten oft eine ideal verzerrte Vorstellung, weiß Nassir. Sie bräuchten viel Zeit, um all das Neue und Unbekannte zu begreifen. Dies sei mit vielen Qualen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, aber auch mit Glücksgefühlen und Erfolgserlebnissen verbunden.

Der 17-jährige Mustafa, der nicht mehr spricht, oder Quabir, der im Schlaf wild um sich schlägt – ihr tragisches Schicksal wird auf Tafeln in der Ausstellung lebendig. Aber auch um Ursachen für Flucht geht es. So könnte die Europäische Union mit einer anderen Fischereipolitik einiges bewirken. Doch solange europäische Trawler in die internationalen Hoheitsgewässer armer Länder eindringen, haben einheimische Fischer an der Küste Westafrikas kaum noch einen Verdienst.

Und auf einmal war Mohamed Abdal Kamil da und hielt ein selbst geschriebenes Plakat hoch: „We love Husum“ stand darauf zu lesen. „Aus Somalia komme“, sagte er und strahlte über das ganze Gesicht. Im Gespräch mit Bürgermeister Uwe Schmitz und Urte Andresen, Migrationsfachkraft für Husum und das Umland beim Diakonischen Werk, ergänzte er: „Ich fühle mich sehr wohl und freue mich, dass ich hier sein darf.“ Vor sieben Monaten ist der 25-Jährige in Husum angekommen und nimmt eifrig am Sprachunterricht teil. „In einem Jahr möchte ich gut Deutsch sprechen.“

Für Uwe Schmitz entsprach diese Begegnung dem, was er sich vor dem Fest gewünscht hatte. „Egal, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe oder welchen Glaubens – sie alle sind in Husum herzlich willkommen. Heute geht es darum, miteinander zu reden und miteinander zu feiern.“ Dies unterstrich auch Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Magaard: „Offene Gesellschaft darf nicht zu einem Schlagwort verkommen, sondern muss gelebt und in die Tat umgesetzt werden.“

Zu den zahlreich erschienenen Besuchern gehörten auch Christa Formeseyn und Anneline Kleeberg vom Netzwerk „Asylbetreuung Nordstrand“. Bisher leben rund 50 Asylsuchende auf der Halbinsel, berichtete Formeseyn. Mitgebracht hatten die engagierten Frauen einige Flüchtlinge aus Eritrea. „Von ihnen können wir viel lernen“, ist Kleeberg überzeugt. „Sie haben eine traumatische Flucht hinter sich und strahlen trotzdem eine unbändige Lebensfreude aus.“ Mit Musik und Tanz begeisterten die neuen Nordstrander die Gäste am Weltflüchtlingstag. Dabei stellten Hadish und Samiel das von ihnen aus Restholz und dem Drahtzug einer Fahrradhandbremse selbst gebaute afrikanische Musikinstrument Krar vor. Seit zwei Jahren wohnen die Männer aus Eritrea auf Nordstrand. Wie es für sie weitergeht, steht noch nicht fest. Doch sie haben Menschen an ihrer Seite, die sie nicht allein lassen.

Die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ bleibt noch bis zum 3. Juli im Rathaus.

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