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Neues Buch über altes Husum : Die Suche nach dem Bild im Bild

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In diesem Monat erscheint ein neues Buch von Rüdiger Articus und Thomas Friedrichsen zum Thema „Husum. Die Arbeitswelt in alten Fotografien“. Die Fotos stammen aus den Privatsammlungen der beiden Stadtgeschichtler.

„Ich bin in einer Apotheke aus dem Jahr 1656 aufgewachsen“, sagt Rüdiger Articus. „Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder du wirst Apotheker oder Archäologe.“ Dass er sich für die Archäologie entschieden hat, dürfte auch damit zusammenhängen, dass Articus (68) schon im zarten Alter von sieben Jahren beherzt nach Eimer und Schaufel griff und den Garten der Schwan-Apotheke umgrub. Und damit nicht genug: Sein früher Forschungsdrang beförderte alte Scherben zu Tage. Braucht es noch deutlichere Vorzeichen für die spätere Berufswahl?

Wenngleich Articus von 1979 bis 2013 als Museumspädagoge für das Helms-Museum in Hamburg-Harburg weiter schürfte (und das manchmal auch nur im übertragenen Sinne), blieb der gebürtige Husumer seiner Heimatstadt verbunden. Vor allem deren Historie zieht ihn bis heute in den Bann. Genau wie Einzelhandelskaufmann Thomas Friedrichsen, der sich ebenfalls von Kindesbeinen an für Stadtgeschichte interessierte und hierzu – wie Articus – ein ganzes Bildarchiv zusammentrug. Was lag also näher, als sich für die Sache zusammenzutun. Diese Sache hat 120 Seiten und ist ab 17. Februar im Buchhandel erhältlich. Titel: „Husum – die Arbeitswelt in alten Fotografien“.

„Bei unseren Recherchen haben wir immer einen Heidenspaß gehabt“, bekennen die Autoren beim Pressetermin in der Redaktion unserer Zeitung. Und das glaubt man ihnen aufs Wort. Wie aufgeregte Schuljungen gehen sie die Fahnen ihres Buches durch, schwelgen über die Qualität alter Fotos oder die Details, die darauf zu entdecken sind und erinnern sich an so manche Recherche, bei der sie nicht mehr als eine Hausnummer hatten.

„Die meisten Husum-Bildbände zeigen nur Fassaden“, sagt der 68-Jährige, dessen besondere Liebe der Geschichte des Tabakrauchens und der Tonpfeifen gilt. „Darunter steht dann: ,die Großstraße anno 18-hundert-schieß-mich-tot‘. Unsere Idee war eine andere. Wir wollten Menschen und eine belebte Stadt zeigen.“ Als Archäologe schaue man ganz genau hin, versuche immer auch, das Bild im Bild zu entdecken. Dazu bot das Thema „Arbeit“ reichlich Gelegenheit. Beim einen oder anderen Bierchen durchforsteten die beiden Männer ihre Sammlungen. Bei der Gestaltung des Buch lagen ihnen die Beschreibungen besonders am Herzen. Rüdiger Articus zeigt auf ein Foto der Großstraße und fragt: „Fällt Ihnen da irgendetwas auf?“ Die Erklärung folgt auf dem Fuß: „Dieser Fußabtreter da ist heute immer noch vor der alten Post zu finden“, geht Thomas Friedrichsen dazwischen und strahlt.

Viele der Fotos in ihrem Buch stammen aus Privatbesitz und wurden noch nie gezeigt. Das gilt auch für Gebäude mit der Hausnummer 4 und dem Holzschuh im Fenster. Es handelt sich um das Scharfrichterhaus, das zeitweilig Sitz der 1904 gegründeten Holzschuhwarenfabrik und Holzsägerei von Bernhard Thordsen war und im Osterende steht.

Es ist diese Mischung, die Articus’ und Friedrichsens Buch zu einem echten Schmöker macht. Da trifft ein Pferdefuhrwerk vor der Marienkirche auf einen der ersten motorgetriebenen Autobusse, hat der Husumer Wochenmarkt jahreszeitlich bedingte ganz unterschiedliche Waren-Schwerpunkte, bejubeln Husums Kicker unweit ihres damaligen Stadions – vor dem damaligen Vereinsheim, der mittlerweile abgerissenen Gaststätte Friedrichsberg – ihren 4:3-Erfolg über den Fußball-Club Preußen von 1909. Charme entfaltet das Buch aber auch durch seine ironischen Kommentare: „Folterkammer oder Friseursalon?“, fragen sich Articus und Friedrichsen beim Blick auf ein Foto, das den 1998 gegründeten Salon von Carla und Arnold Reintjes auf der Neustadt Nummer 1 zeigt.

„Wir hätten noch viel mehr Material, auch viele Farbfotos gehabt“, sprühen Articus und Friedrichsen schon wieder Funken. Und tatsächlich arbeiten sie bereits an einem Folgeband. Arbeitstitel: „Husum – ganz bunt“? Wer dazu noch Fotos beitragen kann, findet bei den beiden Freizeit-Stadtgeschichtlern immer ein offenes Ohr.

>„Husum. Die Arbeitswelt in alten Fotografien“ erscheint im Sutton-Verlag, München (ISBN 978-3-95400-650-2).

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erstellt am 06.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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