Inspiriert : Die Stormsche Landschaft und das Bild im Kopf

Friedel Anderson (Bube)
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Friedel Anderson (Bube)

Im Oktober 2007 trafen sich elf Norddeutsche Realisten, um auf den Spuren Theodor Storms zu malen. Friedel Anderson und Ulf Petermann waren dabei. Die Ergebnisse sind ab Sonntag im Nordsee-Museum zu sehen.

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12. Juni 2008, 10:39 Uhr

Husum | Es gibt noch immer Leute, die Theodor Storm - wie Hermann Löns - für einen Heimatdichter halten. Friedel Anderson zählt nicht dazu. Schon als Jugendlicher hat der in Itzehoe lebende Maler die Werke des Husumers gelesen und schätzen gelernt. Und so kam die Gelegenheit, sich an der Seite der Norddeutschen Realisten künstlerisch auf dessen Spuren zu begeben, gerade recht.
Ein Hauch von Heimweh
Auch Andersons Schobüller Kollege Ulf Petermann wirkte an dieser "Hommage" der Kulturstiftung des Kreises Rendsburg-Eckernförde mit. Gemeinsam gingen beide ans Werk, schlugen aber bei der Umsetzung recht unterschiedliche Wege ein. So nahm sich Anderson noch einmal die Bücher des Dichters vor, suchte und fand vor allem in der Novelle "Aquis Submersus" reizvolle Motive - so auch den Marktplatz.
Hinzu kam eine zweite, persönliche Ebene: In Halebüll wohnt Andersons Galerist Hans-Heinrich Lüth, und in Hockensbüll betreibt das Ehepaar Frerks den gleichnamigen historischen Krug, in den schon Theodor Storm eingekehrte. Anderson tut es heute noch: "Ich habe vielfältige Beziehungen nach Nordfriesland", räumt der Künstler ein, "menschliche, landschaftliche und kulturelle." Und um ein Haar wäre er hier sogar einmal sesshaft geworden. Aber das ist eine andere Geschichte. Geblieben ist ein Hauch von Heimweh, wenn er - mit Heine gesprochen - nicht nur nächtlings an Nordfriesland denkt.
"Ich lebe in seiner Landschaft"

Ulf Petermann dagegen nahm das Treffen mit den Kollegen wie das Thema sportlich: "Im Gegensatz zu Friedel male ich nicht gern allein", sagt er. "Deshalb freue ich mich immer über Möglichkeiten, mit Kollegen zu arbeiten, mich auszutauschen." Und zu Storm: "Ich lebe in seiner Landschaft. Deshalb habe ich mich auch nicht noch einmal intensiv mit ihm und seinem Werk befasst, sondern beides darin wiederzuentdecken versucht."

"Die Herausforderung besteht darin, die Bilder, die du beim Lesen hast, zu finden", sagt Anderson. "Du hast ja immer Bilder in dir - tausende, abertausende, und dann gibt es diese seltenen Momente, in denen plötzlich eines real wird oder du zumindest seine Aura spürst." Dafür könne vieles Ausschlag geben: die Tages- und die Jahreszeit, das Licht - "und manchmal auch alles zusammen." Die Sonne habe sich gerade beim Malen des Wochenmarktes nur selten gezeigt, und doch wirke gerade dieses in ihm nach: "Da muss ich noch mal ran", sagt Anderson.
"...ist mir, als betröge ich"
Anders als für Petermann, dessen eigentliche Mal-Arbeit später im Atelier beginnt, ist Friedel Anderson bekennender Pleinair-Maler, auch wenn es ihm zusehends schwerer fällt, "all die Maluntensilien durch die Gegend zu schleppen. Aber die Frische des Augenblicks lässt sich vor dem Motiv nun einmal am besten einfangen. Wenn ich das später nachhole, ist mir immer ein bisschen so, als betröge ich."

Ulf Petermann geht anders vor, beschränkt sich unter freiem Himmel meist auf Skizzen, die er später - in seinem Halebüller Atelier - in zum Teil viel größere Formate umsetzt. Derzeit beschäftigen ihn vor allem Dünen. "Da musst du die Karten auf den Tisch legen", sagt er, weil der Grat zum Kitsch oft ausgesprochen schmal sei. "Das ist, als wenn du Klavier spielst. Da reicht es auch nicht, einfach nur in die Tasten zu hauen."
Wahrhaftigkeit der Inspiration
Wohl auch deshalb reizt Petermann bei Symposien die Beschäftigung mit den Kollegen. "Man profitiert voneinander, nimmt Strömungen und Tendenzen auf." Überhaupt kreisten die Gespräche fast ausschließlich um Malerei. Und in einem Punkt sind sich Petermann und Anderson einig: "Es geht nicht um die abbildhafte Wiedergabe von Realität, sondern um die Wahrhaftigkeit der Inspiration" - um das Bild im Kopf eben.

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