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Serie „Herzensangelegenheiten“ : Die Seele der Besucher berühren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Alix Paulsen hat ihre Sammlung zur Grundlage eines Museums gemacht – und führt die Gäste am liebsten selbst durch das Weihnachtshaus in Husum. Neben einer Dauerschau organisiert sie auch Sonderausstellungen.

In loser Folge stellen wir in dieser Serie Menschen vor, die sich für etwas besonders engagieren, weil das Thema für sie zu einer echten Herzensangelegenheit geworden ist.

 

Eigentlich begann alles mit einer interessanten Immobilie: Das Nachbargrundstück neben dem Gebäude der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft stand zum Verkauf – und mit ihm ein aus der Gründerzeit stammendes Haus auf der Ecke Westerende/Nordbahnhofstraße. Und schon nach der ersten Besichtigung war das Verleger-Ehepaar Ingwert und Alix Paulsen fasziniert von dem, was es sah. „Schöne Fliesenböden, attraktive Heizkörper und Stuckelemente machten das Gebäude zu einem Juwel. Glücklicherweise waren keine baulichen Veränderungen vorgenommen worden, so dass der Originalzustand des Hauses aus dem Jahre 1892 weitestgehend erhalten geblieben ist“, erzählt Alix Paulsen. So war schnell der Entschluss gefasst, das Haus auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Alles lief auf ein Museum hinaus – und das war eine große Aufgabe. Gute Handwerker halfen bei der Umsetzung, die Schätze des 19. Jahrhunderts in diesem Haus wieder wirkungsvoll in Szene zu setzen“, berichtet die Unternehmerin.

Da passte es gut, dass sie vor mehr als 30 Jahren eine Sammlung von weihnachtlichen Objekten begonnen hatte. Alle ihre Adventskalender aus Kindertagen besäße sie noch, erzählt sie. Lange Zeit standen die Kisten und Kasten in den Tiefen des Verlagslagers. Doch nun bekam ihr Inhalt eine ganz neue Wertigkeit. Allerdings wollte sie nicht nur eine Sammlung zusammengewürfelter Objekte ausstellen, sondern Volkskunst in ihrer Entstehung zeigen.Und so war die Idee für das Weihnachtshaus geboren.

Während der Arbeiten am Haus ersteigerte ihr Ehemann eine Ladeneinrichtung aus dem Jahr 1890, die das Kernstück im Eingangsbereich des Museums werden sollte und heute als Museumskasse und -shop dient. Sie stammte aus einer ehemaligen Seifensiederei in Burg bei Magdeburg – und sorgte bei Alix Paulsen für Begeisterung: „Das war wirklich eine Riesenfreude, dass wir die bekommen haben.“

Im Oktober 2008 war es endlich soweit: Das Museum wurde eröffnet. „Ein Teil des Hauses beherbergt eine Dauerschau, dazu kommen noch zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr“, so Alix Paulsen. Themen für diese seien reichlich vorhanden. Lebendigkeit ziehe sich als roter Faden durch die gesamte Museumsgestaltung: „Wichtig sind für mich die Stimmigkeit und die Geschichten hinter den Objekten, wobei ich stets die zeitliche Zuordnung im Auge behalte. Ich habe ein gutes Gefühl dafür und für das Material und kann sehr schnell etwas zur Technik der Herstellung der Exponate sagen. Dabei ist das Datum der Fertigung eines Objektes genauso wichtig wie der Herstellungsort.“ Sie sei von der Volkskunde fasziniert: „Wir sind hier im Haus natürlich besonders von der Kulturgeschichte der Weihnachtszeit und des Weihnachtsfestes in Deutschland umgeben.“ Wobei das Thema die Besucher auch im Sommer fessele. Und es sei ihr ein großes Anliegen, die Führungen im Hause zum großen Teil selbst durchzuführen. „So finde ich schnell Zugang zu den Menschen. Jeder denkt beim Thema Weihnachten sofort an seine Kindheit, an Gebräuche, Gerüche, an Back- und Naschwerk der Mütter und Großmütter, an liebevoll geschmückte Weihnachtsbäume und Kerzenstimmung.“ Sie sehe ihre Aufgabe darin, den Besuch im Weihnachtshaus zu einem Erlebnis zu machen und Besucher dazu zu bringen, Fragen zu stellen, ihre eigenen Objekte der Erinnerung zu beschreiben und zu erzählen, was sie einst geschenkt bekamen und was dann über die Jahre wieder verloren gegangen ist. Für sie, so sagt Alix Paulsen, sei es die schönste Aufgabe, Besucher „nicht nur herum-, sondern heranzuführen“ an längst Vergessenes. „Und den Austausch zwischen den Generationen zu fördern und dabei deutlich zu machen, was möglicherweise verloren gehen kann.“

„Ich stelle häufig fest, dass die familiäre Wärme fehlt. Aber durch die Gespräche bei den Führungen entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Und mit dem Material hier“ – sie zeigt lächelnd in die Runde – „kann man Stimmung aufbauen. Kinder schauen mit großen Augen, Erwachsene erinnern sich an längst Vergangenes. Und ich bin froh, die Geschichten zu den Ausstellungsobjekten erzählen zu können.“ Für sie sei es immer wieder ein Erlebnis, ihre Zuhörer zu berühren und „eine Faser ihrer Seele“ anzusprechen.

Am Ende erzählt sie dann noch von den kleinen Besuchern, die erst am Museumseingang behaupten, den Weihnachtsmann gäbe es überhaupt nicht – und dann ganz still würden, wenn sie vor dem großen Tisch des Weihnachtsmannes ständen. „Bin gleich zurück“, ist auf dem Schild dort zu lesen, was seine Wirkung nicht verfehle. „So manches Kind dreht sich dann um und blickt erwartungsvoll zur Tür“, sagt Alix Paulsen lachend.

 

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