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Husumer Nachrichten

24. August 2017 | 01:41 Uhr

Südermarsch : Die Seeadler sind zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ende 2016 fällten Unbekannte eine Pappel, auf der ein Seeadler-Paar brütete. Nun beobachtet der Gebietsbetreuer einen neuen Ansiedlungsversuch.

Nach der Herbstbalz im Jahr 2015 begann ein Paar des streng geschützten Seeadlers in der Südermarsch mit dem Bau eines Horstes. Das Nest in einer alten Pappel weckte bei Naturfreunden große Erwartungen, denn die Südermarsch hätte im Frühjahr 2016 Kinderstube für kleine Adler sein können. Doch Ende November setzte ein immer noch unbekannter Täter vor den Türen Husums der Ausbreitung des deutschen Wappenvogels ein Ende. Der hohe Nistbaum, der sehr unzugänglich in einem kleinen Wäldchen lag, wurde laienhaft abgesägt. Glück für den Täter, obwohl die Pappel in die falsche Richtung fiel, schien er nicht verletzt worden zu sein.

Immer wieder wurden seither Adler in der Südermarsch von Gebietsbetreuer Jens Hartwig beobachtet. Und seit Herbst vergangenen Jahres haben sie auch wieder einen neuen Horst errichtet. Doch das Pärchen scheint viel, Pech zu haben. Der starke Sturm am zweiten Weihnachtsfeiertag hat fast die Hälfte des Nestes vom Baum heruntergefegt, berichtet Hartwig. Und dann kam Silvester: Natürlich hätten die Bewohner der Südermarsch das Recht, Knaller und Raketen zu zünden, doch Hartwig wundert sich schon, warum Fremde aus weit entfernten Gegenden in unmittelbarer Nähe des Adlernestes Raketen haben aufsteigen lassen. „Beweisen kann man nichts, aber seltsam ist das schon“, sagt der Gebietsbetreuer.

Mittlerweile scheint sich das Pärchen aber doch wieder zu einem neuen Ansiedelungsversuch entschlossen zu haben. Zumindest beobachtet Hartwig seit längerem regelmäßig das Paar in der Südermarsch. Oftmals allerdings sei auch nur ein Vogel zu sehen. Bürgermeister Karl-Jochen Maas hat von den mächtigen Vögeln bislang nichts bemerkt, wie er auf Anfrage sagte. Vielmehr hätte ein Gutachten ergeben, dass in der Südermarsch keine Seeadler heimisch seien.

Volker Latendorf von der Projektgruppe Seeadlerschutz erklärt dies damit, dass für Gutachten ein Beobachtungszeitraum von drei Jahren gelte. Ob die Motivation des Nestzerstörers aus dem November eventuell mit dem Bau von Windkraftanlagen zusammenhängen könnte, hält Latendorf dort für nicht plausibel. Zwar dürfen in einem Umkreis von drei Kilometern um einen Seeadlerhorst keine Windkraftanlagen gebaut werden und in einem Radius von sechs Kilometern nur nach besonderer Prüfung, doch das glaube er sei nicht das Motiv gewesen. Latendorf und Hartwig vermuten übereinstimmend, dass der Horst zerstört wurde, weil der Adler als Konkurrent gesehen werde, da er auch Jagd auf Niederwild mache.

Der Seeadler, der eine Spannweite von bis zu 2,44 Metern erreichen kann, ernährt sich während der Brutzeit vor allem von Fischen und Wasservögeln, auch Aas wird gern genommen, lebende Säuger spielen meist nur eine untergeordnete Rolle. Fische werden häufig selbst erbeutet, Seeadler fressen jedoch auch tote und halb verweste Fische. In Schleswig-Holstein bilden Fische 73 Prozent und Wasservögel 24 Prozent der Beute. Die übrigen drei Prozent sind Säuger, vor allem Kaninchen und Feldhasen. Die am häufigsten erbeuteten Wasservögel sind Blässhühner (56 Prozent), Graugänse (zehn Prozent) und Stockenten (sechs Prozent).

Übrigens glaubt der Seeadlerexperte nicht, dass es sich bei dem Täter aus der Südermarsch um einen Schafzüchter handeln könnte, der sich um seine Lämmer sorgt. Denn denen, so sagt er, sei bekannt, dass die Seeadler zwar gern tote Lämmer fressen, aber ganz selten lebende Tiere töten.

Gebietsbetreuer Hartwig ist zuversichtlich, dass sich das vom Pech verfolgte Adlerpaar der Südermarsch in diesem Jahr doch noch fortpflanzen wird. Denn seit vier Tagen sei es sehr häufig im Gebiet zu sehen. Und Hartwig, der von Beruf Polizeibeamter ist, kündigt schon mal an, verstärkt den Horst zu beobachten. „Der ist übrigens etwas ganz Besonderes, denn von Mildstedt aus kann man ihn mit einem Spektiv (Fernglas) gut beobachten. Andere Adlerhorste hingegen liegen meist so versteckt, dass sie kaum zu finden sind.“

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erstellt am 05.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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