Konzert in der Scheune : Die Schwingungen stimmen

Ein temperamentvolles Trio:  (v.  l.) Joja Wendt, Rolf Claussen und Stefan Gwildis.
Ein temperamentvolles Trio: (v. l.) Joja Wendt, Rolf Claussen und Stefan Gwildis.

Die Musiker Stefan Gwildis, Rolf Claussen und Joja Wendt kennen sich „von der Straße“ und haben auch als Söhne Hamburgs ihre Fans. Demnächst spielen sie auf Nordstrand.

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22. Juli 2014, 15:00 Uhr

Sie sind auf großen Bühnen zu Hause, aber alle drei mögen auch das „kleine Format“. Nicht zuletzt deshalb waren Stefan Gwildis, aber auch Drei Söhne Hamburgs im Freizeithaus des Theodor-Schäfer-Berufsbildungwerkes in Husum zu Gast. Jetzt gehen Gwildis, Joja Wendt und Rolf Claussen noch einen Schritt weiter. Auf Einladung der Konzertagentur Gofi machen sie sich reif für die Insel: Am Montag, 18. August, kommt das Dreigestirn aus Hamburg zum Scheunen-Konzert nach Nordstrand. Los geht’s um 20 Uhr auf Hof Meyer (Osterkoog 68). Im Interview erzählt Stefan Gwildis über die Anfänge und die Zusammenarbeit.

Ihre Fans wissen es, aber alle die es noch werden wollen, vielleicht nicht: Wie sind Drei Söhne Hamburgs entstanden – also als Band? Man hört, ein Mann soll für die Gründung eine wichtige Rolle gespielt haben – als ostfriesische Hebamme sozusagen . . . ?

Ja, da war Otto Waalkes Schuld. Mit dem arbeitet Joja ja schon seit vielen Jahren zusammen und hat für einige seiner Filme die Musik geschrieben. Otto hat uns auf einer Geburtstagsfeier als Söhne Hamburgs bezeichnet. Das fanden wir gut. Aber ich würde mich – ehrlich gesagt – sehr freuen, wenn es auch die Söhne Husums gäbe oder die Töchter Kölns – mit all ihren wunderbaren Eigenheiten.

Haben Sie am Anfang ein bisschen nach Mannheim und auf Eure Namensvetter um Xavier Neidoo geschielt?

Eigentlich nicht. Es geht ja um unsere Stadt – um Hamburg.

Der Titel der „Ältesten Boy Group Deutschlands“ ist ja schon an Santiano vergeben. Was macht die Zusammenarbeit mit Drei Söhnen Hamburgs aus Ihrer Sicht so fruchtbar?

Die unterschiedliche Herangehensweise: Joja als Meister der Tasten, Rolf als Künstler der Improvisation und ich als Sänger von der Hafenkante – das geht gut zusammen. Joja ist unheimlich schnell. Wir kennen uns ja noch von der Straße. Und da haben wir schon gesagt: Wir machen mal was zusammen. Dass das heute – 30 Jahre später – endlich klappt, ist natürlich super.

Sie Drei kennen sich ja tatsächlich schon sehr lange, und Ihre Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Ist das ein Vorteil oder manchmal sogar eher hinderlich?

In der Musik ist das gut. Da geht es ja immer auch um Schwingungen und gegenseitiges Vertrauen. Wenn Rolf anrufen und vorschlagen würde, lass uns heute Abend mal was zusammen machen, das würde klappen. Auf den Fußball übertragen, könnte man sagen: Wir kennen unsere Laufwege. Aber man entdeckt sich auch immer wieder neu – selbst im Zusammenspiel mit den alten Recken. Man kommt alle paar Jahre zusammen und guckt, wo man gerade steht. Das macht ja unseren Job so toll. Er erspart so manche Therapie und macht obendrein noch anderen Leuten Freude.

Und die Botschaft? Was hat Hamburg, was andere Städte nicht haben – wenn man mal von der noch immer unfertigen Philharmonie und vom Elbtunnel absieht?

Das sind ja schon zwei wichtige Punkte. Hamburg hat diesen speziellen Charme des Unperfekten – und diesen Strom, über den man sich in die weite Welt denken kann. Das macht es aus. Das findest du in anderen Städten nicht. Es gibt eine spezielle Hamburger Art der Meditation: Poller hocken, Schiffe gucken, Schnauze halten.

Der verstorbene Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt, dass er Kunstfiguren wie Hagenbuch und Ditz Atrops auch deshalb erfunden hat, weil er dann Dinge tun und aussprechen kann, die er als Kabarettist für sich behalten müsste. Bieten die Söhne Hamburgs auch so ein Ventil?

Ja, das ist tatsächlich so. Zweideutigkeit, Ironie, Satire – das lass ich sonst so nicht zu. Bei den Söhnen Hamburgs darf ich auch mal einen Scheißhaufen spielen. – Wo Sie ihn gerade erwähnen. Hüsch habe ich sehr gemocht. Der hat seine Konzerte oft mit Sätzen wie „Gott mit Euch“ beendet. Und obwohl – oder vielleicht gerade, weil er kein Priester war, habe ich ihm geglaubt.

Sie haben als Straßenmusiker angefangen und von der Pike auf gelernt, dass man sich auf dem Weg von Erfolg zu Erfolg auch den einen oder anderen Umweg leisten muss. Sind Ihre gemeinsamen Konzerte auch so eine Art Selbst-Erdung, um sich immer wieder zu hinterfragen und nicht in Routine zu verfallen?

Auf jeden Fall. Die Erdung besteht in der Durchmischung. Ich möchte nicht immer nur in den dicken Hallen spielen. So eine Tour von Muschel zu Muschel hat auch ihren Reiz. Da ist man ganz nah dran an den Menschen. Das haben wir uns erhalten. Es ist einfach toll, die Leute ansehen und manchmal sogar aktiv einbeziehen zu können. Dass die Leute wie im Fernsehen zum „Schwenkmaterial“ degradiert werden, das darf nicht sein. Wir freuen uns jedenfalls auf die Insel-Tour.

>Karten gibt es exklusiv im Kunden-Center der Husumer Nachrichten am Markt 23 (Telefon 04841/89652362).

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