Wolf auf dem Vormarsch : Die Rückkehr eines Raubtiers

Der Wolf  (Canis Lupus Lupus) ist wieder auf dem Vormarsch.
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Der Wolf (Canis Lupus Lupus) ist wieder auf dem Vormarsch.

Wann kommt der Wolf auch nach Nordfriesland? Das wollten Jäger und Schafhalter im Kreis von Schleswig-Holsteins Wolfsbetreuer Jens Matzen wissen – und noch mehr.

shz.de von
29. März 2017, 13:00 Uhr

„Ganz sicher wolfsfrei ist nur Helgoland“, machte Jens Matzen deutlich – „aber die Tiere werden im ganzen Land mehr“. Der Wolfsbetreuer Schleswig-Holsteins war auf Einladung der Kreisjägerschaft in die Reußenköge gekommen, um über den „Wolf in Schleswig-Holstein“ zu sprechen. Zahlreiche Interessierte – darunter Jäger und Schäfer – folgten in der Koogshalle den Ausführungen Matzens und weiterer Referenten.

„Dem Wolf eilt ein schlechter Ruf voraus, er ist ein Raubtier. Und genau deshalb war er in Deutschland ausgerottet. Jetzt ist er wieder da – und wenn er kein Wild findet, bedient er sich bei den Nutztieren.“ Mit diesen Worten hatte Jochen Muxfeldt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kreisjägerschaft in das Thema eingeführt. Rund 500 Tiere zähle man derzeit in der Bundesrepublik. „Und es werden mehr. Ich möchte wissen, wie viele Wölfe in unserem Land leben können.“ Dazu erhielt die Versammlung anschließend Informationen. Dabei brachten die Redner auch befürchtete Schäden und Maßnahmen, die zum Schutz vor dem Raubtier ergriffen werden, zur Sprache.

Erstmals sei 2007 ein Wolf im Land nachgewiesen worden, so Matzen: „Da wurde in der Nähe von Eutin einer überfahren.“ Heute sei der Kreis Herzogtum Lauenburg als Wolfsgebiet ausgewiesen. Bislang beobachte man hauptsächlich durchziehende Tiere, aber noch keine Paarbildung. „Einzelne Wölfe sind heute hier und morgen da – wir sind für jede Meldung dankbar“, sagte der Experte. Aus einem einzelnen Pfotenabdruck könne man aber niemals schließen, ob er von einem Wolf oder einem Hund stamme. Eine Verwechslung mit einem Wolfshund sei leicht möglich. „Der Wolf steht unter Schutz, die Tötung eines Tieres ist eine Straftat“, warnte Matzen. Am Schutzstatus werde derzeit nicht gerührt – sicher sei nur, dass die Zahl ansteige.

„Wir haben das Wolfs-Management seit 2015 gestärkt“, berichtete Yvette Krummheuer vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). So habe man bisher an sieben Standorten Herdenschutzpakete (Zäune etc.) bereitgestellt. Rund 60 Personen stünden als Wolfsbetreuer bereit. Zu deren Aufgaben gehöre es, Nutztierhalter zu beraten, Rissgutachten zu erstellen und Wildkameras zu betreuen. Im vergangenen Jahr habe man 55 Risse von Nutztieren registriert, drei davon seien sicher auf einen Wolf zurückzuführen. „Wenn die Fälle eindeutig geklärt sind“, so Krummheuer, sei eine Schadensregulierung durch das LLUR möglich.

„Ich bin ganz sicher, dass der Wolf auch hierher kommt“, sagte Thomas Kühl vom Bauernverband Nordfriesland. Angesichts der immer häufigeren Wolfsmeldungen stelle sich für ihn nicht die Frage, ob das Tier gejagt werden dürfe, sondern lediglich, von welchem Zeitpunkt an. Anstatt eine emotionale Willkommenskultur für den Wolf zu schaffen, „muss man sich fragen, ob unsere Landschaft überhaupt für das Tier geeignet ist“. Kühl will die Verantwortung nicht nur bei den Wolfsbetreuern sehen, sondern auch bei den Jägern. Sein Verband lehne es – nicht zuletzt wegen des hohen Bestandes an Schafen – entschieden ab, das Tier an der Westküste zu etablieren.

Ähnlich argumentierte auch Janine Bruser vom Landesverband der Schleswig-Holsteinischen Schafzüchter. Die rund 200.000 Schafe an der Westküste seien mit Blick auf die Begrasung der Deiche für den Küstenschutz unerlässlich. Eine Einzäunung der Deiche zum Schutz vor Wölfen hätte einen immens hohen Arbeitsaufwand und extreme Kosten zur Folge – und sei letztlich nicht möglich, so Bruser.

Edda Riedel vom Beratungsring für Schafhalter machte anschließend verschiedene betriebswirtschaftliche Berechnungen für die Züchter auf.

„Eine Einzäunung der Schafe an der Westküste ist nicht möglich“, zog Schleswig-Holsteins Wolfsbetreuer als Fazit. Wenn das Raubtier komme, müsse man zuerst versuchen, es zu vergrämen. „Wenn das unmöglich und ein Abschuss des Wolfes unerlässlich ist, sollte dafür aus Sicherheitsgründen kein einheimischer Jäger verantwortlich sein“, warnte Jens Matzen die Waidmänner vor möglichen Repressalien aus der Bevölkerung.

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