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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 19:33 Uhr

Nordsee-Museum : Die Rückkehr der Bodenproben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Raffael Rheinsberg hat Relikte vom Bau des Eidersperrwerks künstlerisch veredelt. Der Museumsverbund Nordfriesland erwägt jetzt den Ankauf seiner Arbeit. Im Interview erzählt der Künstler, wie er auf die Idee gekommen ist, diese Installation zu kreieren.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 08:00 Uhr

Raffael Rheinsberg (Jg. 1943) ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler aus Schleswig-Holstein. Schon in den 1970er-Jahren brach er mit den traditionellen Grenzen von Malerei, Bildhauerei und Grafik. Seine Installationen brachten ihm weltweite Aufmerksamkeit. 1997 entstand eine Arbeit mit dem Titel „Die Dinge der endlichen Ewigkeit“. Die besteht aus Bohrproben, die beim Bau der Eidersperrwerks genommen wurden und ist zur Zeit im Nordsee-Museum zu sehen. Der Museumsverbund Nordfriesland möchte sie gern in Husum behalten.

 

Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Installation, und was hat es damit auf sich?

In den 1970er/1980er-Jahren prägte sich der Begriff „Spurensuche“ in der Kunst, und in dieser Kategorie fand ich mich ebenfalls wieder. Dabei verstehe ich mich eigentlich mehr als Spurensicherer. Die Installation entstand durch die Anordnung der in profanen Einmach- oder Weckgläsern aufbewahrten Bodenproben. Die sind gemacht worden, um den Untergrund der Eider zu prüfen, damit das gewaltige Bauwerk des Eider-Sperrwerks die richtigen Fundamente bekommt. Sie wurden so wie Akten 30 Jahre aufbewahrt und sollten danach vernichtet werden. Als ich davon hörte, war es für mich selbstverständlich, diese wundersamen Dinge aus den Tiefen der Eider und des Meeres sichtbar zu machen.

 

Der Titel ist ja etwas rätselhaft. Was verstehen Sie unter „endlicher Ewigkeit“ und was sind deren Dinge?

Alles, was so in der Erde steckt, vermittelt mir ein Bild der Ewigkeit. Hier sind diese ewigen Dinge aus ihrer Namenlosigkeit hervorgeholt worden, und ich sehe, dass auch die Ewigkeit endlich ist. Aber in meiner Installation bekommen sie ein neues Leben, das durch die Wahrnehmung dieser winzigen Spuren hilft zu verstehen, dass auch im Geringsten die Möglichkeit zu etwas ganz Großem liegen kann. Schließlich halfen sie, ein großes Bauwerk zu errichten.

Sie haben sich früh von den klassischen Feldern der Bildenden Kunst abgewandt. Warum?

Jede Zeit hat ihre eigenes Kunstverständnis. Ich wollte, ganz im Sinne von Duchamp oder Schwitters, die Kunst vom Sockel holen und zeigen, dass gerade in den aussortierten und weggeworfenen Alltags-Gegenständen sehr viel Wahrnehmungsmöglichkeiten stecken, und die Wahrnehmung ist nun mal das wichtigste Element, um künstlerische Arbeit und die Kunst überhaupt zu verstehen.

 

Warum sehen Sie sich nicht als Spurensicherer?

Ich habe eigentlich immer das Gefühl, dass die Dinge mich finden. Ich zeige sie auf, mache sie sichtbar. Es gibt einen sehr schönen Ausspruch von Kafka: „Wer sucht, wird nicht finden, wer nicht sucht, wird gefunden.“

Das Thema Ökologie ist Ihnen wichtig . Finden Sie die Kunst heute oft zu weichgespült und unpolitisch?

Der Beginn meiner künstlerischen Arbeit lag in den 1970er-Jahren. Das war der große Beginn der Auseinandersetzungen mit unserer Umwelt und den politischen Entscheidungen. Ich erinnere an meine Arbeiten in Kiel „Es waren einmal Bäume“, an die Aktionen mit den eingeteerten Fischen oder „Die Straße der toten Igel“, an meine Ausstellung in der Kieler Kunsthalle „Zivilisierte Landschaften“ und so weiter, aber das Thema ist längst nicht abgeschlossen: Auch heute arbeiten viele Künstler mit diesem so wichtigen Thema, wie die gerade laufende Ausstellung mit vielen internationalen Künstlern im Museum für Neue Kunst in Freiburg zeigt.

 

Der Museumsverbund Nordfriesland hat die Absicht, Ihre Arbeit anzukaufen. Warum ist Husum für „Die Dinge der endlichen Ewigkeit“ ein idealer Standort?

Das Museum zeigt in ausgezeichneter Weise die Geschichte Nordfrieslands, den Deichbau und die Wartung, die Tierwelt und das Leben der Menschen. Direkt über meiner Installation befindet sich ein großes Modell des Eider-Sperrwerks. Für mich ist das eine Rückführung an seinen ursprünglichen Ort. Es gibt keinen besseren Platz „Die Dinge der endlichen Ewigkeit“ als dieses Museum.

 

>Zu Rheinsbergs Installation gibt es jetzt auch eine Vorzugsgabe. Dabei handelt es sich um 15 zertifizierte Gläser mit Bodenproben, die einzeln verkauft werden. Der Erlös fließt in die Anschaffung des Werks. Näheres im Nordsee-Museum, Telefon 04841/2545.

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