Schädlinge in Husum : Die Rattenfänger von Husum

Am Containerplatz werden Ratten vermutet: Friedrichsens Mitarbeiter Christopher Lauch legt eine Köder-Box aus.
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Am Containerplatz werden Ratten vermutet: Friedrichsens Mitarbeiter Christopher Lauch legt eine Köder-Box aus.

Die Fluten im Umland verdrängen die Schädlinge in die Stadt und sorgen bei den Bekämpfern für Mehrarbeit.

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10. Januar 2018, 11:57 Uhr

Schon seit längerem steigt die Zahl der Ratten in der Stadt, beobachtet der Husumer Schädlingsbekämpfer Ernst Friedrichsen. Das hat mehrere Gründe, wie er auf Anfrage unserer Zeitung erläutert. Aktuell verdrängen die Überschwemmungen im Umland die Tiere in die Siedlungen. Bislang hatten sie auf den Maisfeldern ihre Nahrung gefunden. Doch das Wasser hat ihre unterirdischen Tunnel geflutet, obwohl sie die Eingänge mit Siphon-ähnlichen Konstruktionen geschützt hatten.

Friedrichsen zählt auf, was die Ratten anzieht. Sie warten in der Kanalisation auf die Essensreste, die ihnen Menschen ins Klo schütten. Früher ertranken Ratten in den Kanälen im Regenwasser, das aber längst vom Schmutzwasser getrennt durch eigene Leitungssysteme abgeführt wird.

Friedrichsen nennt weitere Gründe: Müllbehälter, die offen stehen. Komposthaufen, die nicht mit Draht gegen Eindringlinge gesichert sind. Füttern von Haustieren im Freien. Sogar die Winter-Fütterung von Vögeln nimmt er aufs Korn. Vogelfutter ist im privaten Umfeld einer der häufigsten Gründe für den Befall, betont der Experte. „Ratten klettern sogar die Pfosten hoch, auf denen die Vogelhäuser stehen – oder sie seilen sich von oben zu den Futterkugeln ab.“ Die Plätze sauber halten, lautet sein Rat.

Auch im Familienleben der Tiere kennt sich der Schädlingsbekämpfer gut aus. Nach drei Monaten ist die Ratte geschlechtsreif und bekommt im Schnitt 400 Nachkommen. „Wenn sie es gut hat, lebt sie ein bis zwei Jahre lang, ist aber enorm stressempfindlich und daher ständig auf der Hut.“ Sie frisst alles – in der Not auch die eigenen Familienmitglieder.

In den 80-er Jahren wurden jeden Herbst flächendeckend Hauseigentümer unter Androhung von Strafe verpflichtet, Gift auszulegen, auch dann, wenn weit und breit keine Tiere in Sicht waren. Daher gelte heute, wie Husums Ordnungsamtsleiter Malte Hansen bekräftigt, dass Ratten nur noch gezielt auf befallenen Grundstücken bekämpft werden. Parallel gehe eine Nachricht an die Stadtwerke, damit die in ihrem Abwassernetz bei der Lokalisation unterstützen können. Verstärkten Befall habe es während der Bauphasen im Gebiet Kronenburg gegeben. Dort seien die Ratten in benachbarte Straßenzüge verscheucht worden, wo die Eigentümer um die Mithilfe bei der Bekämpfung gebeten werden mussten. Mitten in der Stadt sind vor allem die Aue und der Hafen belastet, ergänzt Ernst Friedrichsen. Generell könne die Ratte aber auch einfach durch jede Terrassentür in die Wohnung huschen.

Die EU setze laut Friedrichsen immer mehr auf die Bekämpfung der Ursachen, die zum Befall führen: Aufklärung der Menschen statt Gifteinsatz gegen die Tiere. Im Handel, etwa in Baumärkten, gebe es so gut wie kein Rattengift mehr. Im Ernstfall muss der Profi ran.

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