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Zurück in Struckum : „Die Prioritäten verändern sich“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach 14 Monaten auf dem Atlantik ist die Struckumer Familie Paukert wieder zu Hause – und von 15 Quadratmetern zurück auf 118. „Die Herausforderung ist es jetzt, dem Alltagstrott nicht wieder zu erliegen“, sagen sie.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Als die Paukerts im Oktober mit ihrem Segelboot wieder in Gelting-Mole festmachten, dachten sie noch, dass sie jetzt wieder ganz einfach da weitermachen könnten, wo sie mehr als ein Jahr zuvor aufgehört hatten. Das Auto holen, nach Struckum fahren, wieder in ihr Haus ziehen und zurück in den Alltag übergehen. Doch ganz so einfach war es nicht – schon mit dem Auto fing es an. Nach der langen Standzeit musste das erst einmal für 14 Tage in die Werkstatt. Und die Familie blieb vorerst auf dem Boot wohnen. „Ich bin nur einmal losgefahren, um fünf Matratzen zu kaufen und die Anmeldung an der Schule zu regeln“, erzählt Carsten Paukert.

Auf der „Namastee“ hatten er, seine Frau Monika und die vier bis acht Jahre alten Töchter Emma, Frida und Hanna bereits die vergangenen 14 Monate verbracht und den Atlantik bereist, sich komplett aus Deutschland abgemeldet. Von der Nordsee aus ging es durch den Ärmelkanal in Richtung Kanarische Inseln, weiter zu den Kapverden und über die Azoren zurück nach Deutschland. 7600 Seemeilen – mehr als 14.000 Kilometer – waren sie unterwegs und lebten während der gesamten Zeit auf dem neun Meter langen und 3,25 Meter breiten Boot. Auf 15 Quadratmetern mit zwei Kojen.

Eines wurde ihnen deswegen sehr schnell bewusst, als sie zurück in ihrem 118 Quadratmeter großen Haus in Struckum waren: „So viel Platz braucht kein Mensch“, sagt Monika Paukert. Vor ihrer Abreise hatten die Ärztin und der Sozialpädagoge, die beide im Niebüller Krankenhaus arbeiten, fast alle Möbel verkauft. Nur die ihnen zu dem Zeitpunkt wichtigsten Dinge hatten sie in Kartons verpackt, das Haus vermietet. „Da wird einem erst einmal die Relation von Größe bewusst“, sagt Carsten Paukert. Bis heute stehen nur die nötigsten Möbel wieder im Haus, einzelne Kartons im Flur sind noch immer verschlossen. „Wir genießen es, dass es jetzt so leer ist. So soll es bleiben.“

Als die Familie wieder zu Hause war und die zuvor gepackten Kisten so langsam wieder zusammensammelte, merkte sie erst, wie wenig sie einige der Sachen im Alltag zu Hause wirklich brauchte. „Wir haben dann erst einmal noch weiter aussortiert“, sagt Monika Paukert. „Es relativiert sich ziemlich schnell, was einem wichtig ist, wenn man mit wenig auskommen muss.“

Das Leben an Bord war für die Familie kein Urlaub, sagt sie – sondern Alltag. Das Zusammenleben auf so engem Raum funktionierte aber dennoch erstaunlich gut. Und auch die Gewöhnung der Kinder an das Leben an Land ging entsprechend schnell, als sie zurück waren. „Wir waren keine Stunde zu Hause, da waren die Kinder schon zu ihren Freunden verschwunden“, sagt Carsten Paukert. Jetzt heißt es statt des Bordunterrichts durch Mutter Monika wieder Schule und Kindergarten, und auch die Elternzeit ist beendet und die Berufstätigen sind zurück am Arbeitsplatz – um für die nächste Reise zu sparen.

Manchmal allerdings merke man den Kindern noch an, dass sie auch ein anderes Leben kennen, als das mit fließend Wasser, grenzenloser Stromnutzung und drei Mülltonnen vor der Haustür. „Wenn ich Joghurt in kleinen Bechern kaufe oder unnötig Licht brennt, muss ich mir schon mal etwas anhören“, sagt Carsten Paukert. Nicht selten fänden die Eltern alle Mädchen morgens in einem Bett liegen, weil sie es inzwischen so gewohnt sind. „Außerdem ist ihre Selbstsicherheit deutlich gewachsen“, sagt der Familienvater. „Und sie haben gemerkt, dass Sprache und Herkunft keine Barrieren sind, um mit anderen Kindern zu spielen.“

Man lerne vieles schnell wieder schätzen – die Sauberkeit, Pünktlichkeit und Organisation. „Aber man ändert sein Verhalten, macht sich um viele Dinge mehr Gedanken“, sagt der 42-Jährige. „Die Herausforderung ist, dem Alltagstrott nicht wieder zu erliegen.“ Man reduziere sich jetzt mehr auf das Wesentliche – vor allem auf Lebensqualität.

Die Reise ist somit auch noch nicht beendet. „Wir werden sie auf jeden Fall fortsetzen“, sagt Monika Paukert. „Spätestens, wenn die Kinder nicht mehr in der Schule sind.“ Und dann könnte auch ihr ursprünglicher Plan wieder ganz aktuell werden: Mit dem Segelboot um die Welt.

Die Reiseberichte der Familie Paukert gibt es

online unter: www.sy-namastee.de

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