Die Natur und Husum gewinnen

Bürgermeister Klaus Hinrichs, Verbandsgeschäftsführer Lutz Jacobs und Vorsteher Peter Lorenzen begutachten die Mühlenau. Foto: hem
Bürgermeister Klaus Hinrichs, Verbandsgeschäftsführer Lutz Jacobs und Vorsteher Peter Lorenzen begutachten die Mühlenau. Foto: hem

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03. November 2010, 07:26 Uhr

Mildstedt | Ein scharfer Südwestwind zieht über die Köpfe, Gummistiefel und dicke Jacken sind Pflicht. Kein gemütlicher Morgen, als sich die Truppe um 9 Uhr an der Hübbrüch-Brücke in Marsch setzt. Auf dem Programm steht die Abnahme der Renaturierungsmaßnahme entlang der Mühlenau. "Im Zuge der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sollten die Defizite in der Husumer Mühlenau auf einer Länge von rund 700 Meter abgebaut werden", beschreibt der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Husumer Mühlenau, Lutz Jacobs, die Arbeiten.

Bereits der Blick von der Brücke aus lässt ein idyllisches Meandertal erkennen, doch geht es zunächst per Fahrzeug "in die Wildnis". In der Gemarkung Mildstedtfeld sind zunächst kleine sportliche Disziplinen zu erledigen, so müssen ein Hecktor überklettert und unter Strom stehende Stacheldrahtzäune unterkrochen werden. Dann wird schnell deutlich: Das Einzugsgebiet ist recht groß, rund 4300 Hektar.

Bürgermeister Klaus Hinrichs strahlt zufrieden, immerhin ist er gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins Naturerlebnisraum Mühlenau/Mildstedter Tannen und die Natur liegt ihm sehr am Herzen. Da erfreut es den Gemeinde-Chef natürlich besonders, dass im Zuge der Umgestaltungsmaßnahmen so genannte Bermen (Wasserbremser) eingebaut wurden, zudem eine Abflachung der Böschungen, eine strukturelle Aufwertung begradigter Abschnitte und eine neue Altarmgestaltung mit einer Verlängerung der Wasserläufe vorgenommen wurde.

"Insgesamt wurden 3000 Kubikmeter Boden bewegt, die im unmittelbaren Bereich auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht sind", verdeutlicht Verbandsvorsteher Peter Lorenzen. Und die Kosten? "Die gesamte Maßnahme einschließlich der Planungen belief sich auf rund 28 000 Euro", rechnet er vor, "die reinen Baukosten betrugen 22 000 Euro." 90 Prozent sind EU- und Landesmittel, den Rest trägt der Verband. "Und in Letzteren bringt sich die Gemeinde zu 50 Prozent ein", sagt Lorenzen. Sehr zufrieden sind alle Beteiligten mit den Arbeiten der Firma "Peters & Söhne" aus Nordermeldorf in Dithmarschen. Die Arbeiten wurden zuvor öffentlich ausgeschrieben. Übereinstimmend verärgert zeigt sich das Gremium aber über die Tatsache, dass die Planung anderthalb Jahre in Anspruch genommen hat, die eigentlichen Arbeiten aber zügig in nur zwei Wochen erledigt werden konnten. Die Planung sieht weitere Abschnitte in Richtung Süderholz vor. Verantwortlich für die Planungen war das Ingenieurbüro Thomas Holtz.

Auf einen wichtigen Aspekt weist der Verbandsvorsteher während der Begehung hin: "Das, was wir an Boden rausgenommen haben, haben wir an Stauraum neu geschaffen. Die Stadt Husum hat durch die Maßnahmen echte Vorteile." So können durch die vorhandenen und zur Überflutung geeigneten Flächen große Wassermassen vor den Toren der Kreisstadt abgefangen werden. Und verändern wird sich der Ufersaum ganz von alleine, wie Geschäftsführer Jacobs deutlich macht: "In fünf Jahren wird man das Gewässer nicht mehr sehen können, dann werden hier überall Erlen stehen."

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