Wechsel in der Jugendherberge Tönning : Die Natur lag ihnen stets am Herzen

Der neue Jugendherbergsvater Jan-Philip Fiege (l.) mit seinen Vorgängern Rita und Jochen Jessen.
Der neue Jugendherbergsvater Jan-Philip Fiege (l.) mit seinen Vorgängern Rita und Jochen Jessen.

Rita und Jochen Jessen machten die Jugendherberge Tönning zu einem Standort für Umweltbildung, jetzt gehen sie in den Ruhestand.

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20. Juni 2018, 09:00 Uhr

Eine 33-jährige Ära ging feierlich zu Ende: Die Tönninger Herbergseltern Rita (61) und Jochen Jessen (64) wurden von der Vorsitzenden des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), Landesverband Nordmark, Angela Braasch-Eggert, in den Ruhestand entlassen. Noch bis August arbeiten sie ihren Nachfolger Jan-Philip Fiege ein.

Mit 133 Betten sei in Tönning 1985 begonnen worden, berichtete Braasch-Eggert weiter. Im Jahr 2000 kamen 79 weitere dazu. Großen Anteil an der Weiterentwicklung, wie beispielsweise mit der Nationalpark-Partnerschaft oder mit der Umwelt-Jugendherberge als Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit, hätten die scheidenden Herbergseltern gehabt. Das Haus genieße bundesweit einen guten Ruf als eines von zwei Häusern, in denen ökologisches Lernen gefördert wird. „Ihr habt Herbergseltern nicht nur als Beruf, sondern als Berufung gelebt. Im Namen aller Verbandsmitglieder sagen wir danke für das große Engagement“, so Braasch-Eggert. Kehrten beispielsweise ausländische Gäste ein, so habe Rita Jessen sich immer etwas Besonderes einfallen lassen, seien es landestypische Dekorationen oder Speisen. Ohnehin sei sie für die gute Küche bekannt. Hochachtung zollte die Landesvorsitzende dem beruflichen Werdegang beider. Denn schließlich seien auch diese eine ideale Vorbereitung für die Aufgaben in der Tönninger Einrichtung gewesen. Rita Jessen war gelernte Bankkauffrau und arbeitete bis zum Wechsel in die Jugendherberge in einer Husumer Bank. Dann machte sie quasi nebenbei eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin, die sie mit dem Meistertitel abschloss. Jochen Jessen ist studierter Realschullehrer. Während seiner Wartezeit auf eine Stelle – in den 1980er Jahren gab es einen Lehrerüberschuss – absolvierte er eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker. Nebenbei engagierte er sich als zertifizierter Fußballtrainer und verzichtete später auf eine Karriere in diesem Bereich. Auch im Bundes- sowie Landesvorstand der Jugendherbergswerk sei Jessen 17 Jahre aktiv gewesen. „33 Jahre sind ein halbes Leben. Wir haben tolle Menschen kennengelernt. Die Umweltpädagogik war uns sehr wichtig. Ein Dank gilt dem Nationalparkamt und der Stadt Tönning für die Unterstützung“, so Jochen Jessen.

Die Landesvorsitzende freute sich aber auch, dass es in der Jugendherberge mit einem jungen, dynamischen Mann an der Spitze nahtlos weitergeht. Der gebürtige Lüneburger Jan-Philip Fiege hatte sich beworben, weil ihm das Konzept der Einrichtung gefallen habe. Seine Erfahrungen als Herbergsvater-Springer landesweit seien ihm zugute gekommen. Fiege habe ein Studium zum Realschullehrer (Mathematik und Sport) absolviert, eine Ausbildung in der System-Gastronomie abgeschlossen, war Sportler des Jahres der Stadt Lüneburg und spielte in der Eishockey Regionalliga Nordost. „Die Fußstapfen sind riesig, aber ich fühle mich hier in Tönning schon zuhause“, so Fiege.

Großes Lob zollte Tönnings Stadt-Chefin Dorothe Klömmer den Ruheständlern für deren Engagement. „Sie haben es geschafft, den Gästen gerecht zu werden und ihnen auch die schöne Stadt näherzubringen“, sagte sie. Matthias Kundy, Fachbereich Bildung der Nationalparkverwaltung, erklärte: „Im Jahr ihrer Einstellung 1985 wurde auch der Nationalpark Wattenmeer gegründet. Dank ihnen ist die Jugendherberge ein professioneller Standort für Umweltbildung geworden. Seit 1993 finden die Nationalpark-Seminare hier statt.“

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