Bredstedt : Die müden Muskeln wieder fit machen

Fitness-Programm auf der Terrasse: Pfleger und Küchenkräfte haben dabei  sichtlich Spaß. Foto: Ulrike Lutz-Hötten
Fitness-Programm auf der Terrasse: Pfleger und Küchenkräfte haben dabei sichtlich Spaß. Foto: Ulrike Lutz-Hötten

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19. April 2009, 06:35 Uhr

Bredstedt | "Tu was für Deine Gesundheit!" Wie oft hört und liest man diesen Satz, und jeder weiß es auch selbst: Bewusste Ernährung und viel Bewegung sind die besten Garanten für ein langes, gesundes Leben. Wenn da nur nicht der "innere Schweinehund" wäre. Müde und abgespannt vom Tageswerk nach Hause kommen - und dann noch Joggen oder im Fitness-Studio schwitzen? Dass das viel verlangt ist, wissen auch die Mitarbeiter der Krankenkassen. "Wir drehen jetzt einfach einmal den Spieß um", verkündet Bezirks geschäftsführer Jens Spottock. Statt Sport am Feierabend zu propagieren, geht die "Barmer Husum" mit einem Präventions-Angebot in den Betrieb. Für sie ein Modellversuch in Nordfriesland, der - zeigt er Erfolg - Zukunft haben könnte.
Fitness-Training fürs Personal
Der Impuls dazu ging von den Senator-Senioreneinrichtungen aus. In zwei ihrer insgesamt 15 Wohnanlagen in Schleswig-Holstein ist das Projekt nun gestartet worden, in einer im Süden des Bundeslandes und in einer im Norden - nämlich in Bredstedt. Einmal pro Woche legt das Personal eine halbe Stunde Fitness-Training ein. Für die Krankenschwestern, Pfleger und Mitarbeiter der Küche ist die sportliche Pause völlig kostenfrei. Der Arbeitgeber übernimmt die 20 Prozent der Kosten, die normalerweise der Versicherte bezahlen müsste, und er "spendiert" noch obendrein die Arbeitszeit.
Mit der Begeisterung auch Kollegen anstecken
"Eine tolle Sache", strahlt Rosamunde Baumgartner, die Einrichtungsleiterin in Bredstedt. Sie geht mit gutem Beispiel voran und turnt vorbildlich bei den Übungen mit. "Es soll aber auch Spaß machen", fordert sie bei der ersten Übungseinheit die Physiotherapeutin, Christine Dethlefsen, zu einem lockeren Unterrichts-Stil auf und bringt "ihre Leute" gleich mit kessen Sprüchen zum Lachen. Ihr liegt viel daran, dass die Teilnehmer bei der Stange bleiben und durch ihre Begeisterung noch weitere Kollegen zum Mitmachen bewegen. "Gerade in der Pflege ist eine richtige Hebe- und Tragetechnik wichtig", weiß die gelernte Krankenschwester. Und: Beanspruchte Muskeln müssen gelockert und ein Gegengleich geschaffen werden. Beides wird ihnen die Therapeutin beibringen. Die Aktion läuft bis Mitte Juni.
"Wir versuchen, zu motivieren."
"Dies ist als Anschub gedacht", betont Jens Spottock, und er hofft, dass der anfängliche Enthusiasmus nicht verpufft. "Wir versuchen, zu motivieren. Wenn die Teilnehmer merken, dass ihnen das Training gut tut, dann werden sie auch nach der Probe-Phase dran bleiben."

Kleiner Neben-Effekt dieser zehnwöchigen Sonder-Aktion: Die Bewohner der Seniorenwohnanlage an der Parkstraße haben kostenloses "Kino" mit Wiedererkennungs-Effekt direkt am Haus. Wer würde schließlich nicht verschmitzt in sich hineingrinsen, wenn Heimleiterin und Küchenchef, beides keine Kostverächter, die Schwerkraft der Erde durch graziöse Gymnastik Lügen strafen?

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