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Seltene Schreitvögel im Norden : Die Moor-Kraniche sind zurück

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Naturschützer hoffen auf eine zweite erfolgreiche Kranich-Brut im Ahrenviölfelder Westermoor. Die imposanten Vögel fühlen sich in dem 68 Hektar großen Naturschutzgebiet offensichtlich wohl, denn sie sind wiedergekommen.

Große Freude in Ahrenviölfeld bei Dieter Petersen. Der Gebietsbetreuer des Ahrenviölfelder Westermoors hat „sein“ Kranichpaar wieder begrüßen können. Nicht wie im Vorjahr erst im März, sondern bereits Mitte Februar. Diese imposanten Vögel, die auch die Lufthansa in ihrem Firmenlogo trägt, werden schon seit jeher von den Menschen bewundert. In der ägyptischen Mythologie etwa galt der Kranich als Sonnenvogel. Er wurde sowohl als Opfergabe für die Götter, aber auch als Speisevogel genutzt. Davon wissen die beiden Ahrenviölfelder „Neubürger“ natürlich nichts, aber sie haben im Vorjahr das erste Mal für Nachwuchs gesorgt, so dass Petersen guter Hoffnung ist, dass es auch in diesem Jahr mit der Küken-Aufzucht klappen könnte.

Im Frühsommer 2014 wurden die Kraniche mit zwei Jungen beobachtet, doch im Sommer waren sie verschwunden. Dafür wurde ein in dem Gebiet gesichteter Marderhund verantwortlich gemacht. Zur Freude aller Naturfreunde tauchte dann aber das Kranichpaar Ende August mit einem Jungvogel wieder auf.

Kraniche nehmen das ganze Jahr über sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung auf. Sie besteht aus Kleinsäugern, Reptilien, kleinen Fischen, Fröschen, Schnecken, Würmern, Insekten und deren Larven. Sie beinhaltet auch Mais-, Gersten-, Weizen- und Haferkörner, Sonnenblumenkerne, Beeren, Eicheln, Gemüse, Kartoffeln, Pflanzenwurzeln, -sprossen und Halme. Haben die Jungvögel das Alter von mehreren Wochen erreicht, bereichern auch größere Tiere wie Mäuse das Speiseangebot.

Mit etwas Glück sind die Kraniche nicht nur in dem von einem Wanderweg durchzogenen Naturschutzgebiet von etwa 68 Hektar Größe zu sehen. In einem weiten Bogen führt die K 69 um das Gebiet. Direkt neben der Straße sind die Tiere dann auf Wiesen und Weiden zu sehen, wo sie mit weitgreifenden Schritten große Bereiche ablaufen. Sie lesen auf Gräsern und Kräutern sitzende Insekten gezielt und ruckartig mit dem Schnabel ab und legen Würmer und Larven durch Wühlbewegungen frei. Dazu stechen sie mit fast geschlossenem Schnabel in pflanzenfreie Stellen des Erdreichs. Im Boden öffnen sie den Schnabel leicht und bewegen ihn seitlich. Auf Saatflächen lesen Kraniche zuerst an der Oberfläche liegende Getreidekörner ab. Durch Wühlen wird zusätzlich weiteres Saatgut freigelegt. Maiskörner werden auch vom Kolben gefressen. Wirbeltiere werden mit dem Schnabel regelrecht erdolcht.

Das Ahrenviölfelder Westermoor liegt in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge . In der Niederung der Arlau ist es von einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Fläche umgeben. Bereits 1966 wurde es unter Naturschutz gestellt. Die vielen Renaturierungsmaßnahmen zeigen ganz allmählich Erfolg. Durch die Wiedervernässung des Moores haben sich die Lebensräume für Tiere und Pflanzen verändert. Im vergangenen Jahr allerdings, so Gebietsbetreuer Dieter Petersen, sei der Wasserstand im trockenen Sommer um 40 Zentimeter gefallen. Doch im Winter seien durch die vielen Niederschläge die höchsten Pegelstände seit 1987 gemessen worden.

Das Moor, berichtet Petersen, werde von ungewöhnlich vielen Menschen besucht. Es biete dafür auch ideale Voraussetzungen. Im nördlichen Teil sei eine Spundwand gesetzt worden, so dass es nun in etwa einer Stunde zu Fuß oder aber mit dem Fahrrad umrundet werden könne. Auch ein Weg quer durch das Gebiet sei sehr reizvoll. Petersens Traum: Mitten im Moor am Weg möchte er einmal einen kleinen Aussichtsturm errichten, so dass die ganze offene Moorlandschaft in Augenschein genommen werden kann. Der ehemalige Landwirtschaftsberater ist der Meinung, dass die Natur viel besser geschützt werden kann, wenn die Menschen Zugang zu ihr haben und wissen, was es zu schützen gilt. Der 70-jährige Petersen kontrolliert regelmäßig die Wasserstände und hofft, dass eventuell die Bingo-Umweltlotterie oder eine Stiftung den kleinen Aussichtsturm finanzieren.

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erstellt am 27.Mär.2015 | 07:00 Uhr

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