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Stippvisite in Husum : Die Ministerin kam, sah – und staunte

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Besuch in einem Vorzeige-Gymnasium: Schleswig Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst riss in der Theodor-Storm-Schule ein straffes Programm ab – am Ende war sie restlos begeistert.

Zwischendurch blickte die Schulleiterin immer mal wieder auf ihre Armbanduhr: Wird die Zeit reichen, dem Gast aus Kiel in Ruhe all die Vorzüge ihres Gymnasiums zu zeigen? Hin und wieder mahnte Sibylle Karschin denn auch ihre beflissentlich referierenden Lehrkräfte unauffällig zur Eile – wohlwissend, dass Schleswig-Holsteins neue Bildungsministerin ja noch kurz in vier repräsentative Unterrichtsstunden „platzen“ sollte.

Der Vormittag in der Theodor-Storm-Schule (TSS) hatte so ein bisschen was von Akkord: Die Gastgeber um Karschin und ihre Stellvertreterin, Oberstufen-Leiterin Susanne Malinowski, zogen mit Britta Ernst und Gefolge – darunter Dr. Annette de la Motte, die für Nordfriesland zuständige Schulaufsichtsbeamtin – im Sauseschritt durch das Husumer Vorzeige-Gymnasium. Gleichwohl blieb immer genügend Zeit für tiefgreifendere Gespräche mit den handelnden Personen: Schüler und Pädagogen waren so gut vorbereitet, dass sie bei der Ministerin spontan den einen oder anderen Aha-Effekt hervorriefen und am Ende bleibenden Eindruck hinterließen.

Die Ernst hatte Spaß. Und das auch gleich von Anfang an, wie ihrer Reaktion nach der musikalischen Begrüßung durch die Bigband der TSS zu entnehmen war: „So einen schönen Start in den Arbeitstag habe ich selten!“ Als der letzte Ton des dritten Stückes – „I Want You Back“ von The Jackson Five – verklungen war, trat Bigband-Leiter und Lehrer Jan Hahn mit einem persönlichen Wunsch an die Ministerin heran: „Der Musik-Unterricht in der Schule hat es schwer, auch bedingt durch den Zeitgeist. Bitte schützen und fördern Sie dieses Fach!“ Das versprach die 53-Jährige, ohnehin beeindruckt von den Ausführungen von Musikzweig-Leiter Jens Wielert und Hahn selbst. Wenn eine Schule den Slogan „Hier spielt die Musik!“ für sich in Anspruch nehmen kann, dann ist es die TSS in Husum. „Das jahrgangsübergreifende Miteinander ist deutlich zu spüren“, stellte Karschin fest.

Nach einem kleinen Blick durchs „Fenster zum Nationalpark“ im Eingangsbereich ging es weiter zur Bisstrothek, für die sich mehr als 100 Eltern ins Zeug legen. „Ein wichtiger Faktor bei der Einführung von G 8“, erklärte die Schulleiterin. Der Übergang vom Thema Turbo-Abi zum Schulgarten war nahtlos. AG-Leiterin Ann-Kathrin Siemen gab Einblick in die botanischen Abläufe und die Schülerinnen Ida Maria Schlein und Ira Sachau boten Ernst ein Tablett mit garteneigenen Erzeugnissen an, von dem sie sich ein Gastgeschenk nehmen durfte – die Ministerin entschied sich für den „Winterschlager“, ein Glas Apfelmarmelade. Tierisch wurde es dann bei der Terrarien-AG, über die deren Leiter Marcus Wenzel aufklärte. Und die Schülerinnen Hanna Damrau, Sarah Grahm und Ira Sachau hielten eine Bartagame und zwei Kornnattern auf ihren Armen. Es dauerte nicht lange, und die rote Ministerin traute sich, mit einer der ungiftigen Schlangen aus Nordamerika auf Tuchfühlung zu gehen.

In der Lernwerkstatt lauschte sie gebannt den Worten der Pädagoginnen Sünje Petersen und Nicole Mews, die mit ihren Schülern Thorge Binge und Corinna Oesau Rede und Antwort standen. Da ging es unter anderem um das Prädikat SHiB (Schule inklusive Begabtenförderung), die in die MINT-AG (Mathematik – Informatik – Natur – Technik) mündende Kooperation mit 17 hochmotivierten Grundschülern der Klaus-Groth-Schule und das Prinzip der Denkschule, in der sich unterforderte Schüler anspruchsvollere Aufgaben vornehmen können. „Ich finde es wirklich toll, was Ihr hier auf die Beine stellt“, lobte Ernst.

In der Biologie-Sammlung führte Lehrer Dr. Jesko Oestergaard mit seinen Schützlingen André Lorenzen, Anna Steinkamp und Jonna Laß in die entsprechenden Projekte ein – wie die Entwicklung einer speziellen Biogasanlage oder ein neues Verfahren zur Beschleunigung der Datenverarbeitung.

Ernst-Vorgängerin Wara Wende hatte sich nach einer Kabinetts-Sitzung im Multimar Wattforum in Tönning vorgenommen, sich einmal eine Nationalpark-Schule anzuschauen, und sich daraufhin in der TSS angesagt. Diesen Besuch hatte sie dann kurzfristig abgesagt. Der neue, zur Wiedergutmachung abgemachte Termin war ebenfalls geplatzt, diesmal wegen einer Sondersitzung des Landtags zum Fall Wende. So gesehen, löste ihre Nachfolgerin jetzt eine alte Bringschuld ein.

Als Bindeglied des Nationalparkamtes zur TSS fungiert Evelyn Schollenberger, die Ernst einiges an Wissen und schriftlichem Info-Material mitgab. Aber auch einen Austernfischer aus Stoff. „Ich bin ja ein großer Vogelfan“, freute sich die Beschenkte: „Aus Island habe ich mir einen Papageientaucher mitgebracht – die beiden werden sich gut verstehen.“ Sinja Großmann und Lina Kolbe erklärten, was es heißt, unter Anleitung von Biologie-Lehrerin Silke Westphal Junior-Ranger zu werden. Fenna Kaste und Theresa Belz beeindruckten den Gast ebenso mit Muschel-Experimenten wie die Mitschüler Enno Krüger und Rasmus Fridriszik, die Versuche mit Strandkrabben und Seesternen machen. „Alles sehr spannend – ich habe viel gelernt“, fasste die Ministerin zusammen.

Nach dem Rundgang schnupperte Ernst noch jeweils für rund zehn Minuten in den Chemie-, Kunst-, Philosophie und Sprachunterricht hinein. Und setzte sich mit der Schulleiterin zum Abschlussgespräch zusammen. „Ich habe mich gefreut, dass wir unserem Gast die große Vielfalt unserer Arbeit zeigen konnten“, bilanzierte Karschin. Schüler, Eltern und Lehrer hätten das auf beeindruckende Weise gemacht. „Das hat die Ministerin auch noch einmal ausdrücklich bestätigt.“

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erstellt am 07.Nov.2014 | 07:30 Uhr

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