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Einweihung in Friedrichstadt : Die Middelbrüch besteht den Härtetest

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mehr als 100 Gäste eröffneten nach anderthalb Jahren Bauzeit mit Bürgermeister Eggert Vogt die neue Brücke. Die Einweihung wurde zu einem richtigen kleinen Volksfest. Der Neubau kostete knapp 170.000 Euro.

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erstellt am 16.Mär.2015 | 15:00 Uhr

Schon vor dem offiziellen Beginn war kaum noch ein Durchkommen zwischen Marktplatz und Mittelburggraben in Friedrichstadt. Wie sehr die Bewohner ihre Middelbrüch vermisst hatten, zeigte sich dort. Mehr als 100 Gäste waren gekommen, um nicht nur nach anderthalb Jahren die neue Brücke wieder zu eröffnen,sondern auch, um einem Friedrichstädter besonders zu danken. Gerhard Utermark hat die Holzkonstruktion nämlich unentgeltlich gebaut, seine Arbeitszeit seiner Heimatstadt geschenkt.

Das hob Bürgermeister Eggert Vogt auch hervor, als er noch einmal kurz auf den Werdegang der Middelbrüch einging. Vogt winkte Utermark zu sich, überreichte ihm eine Haushaltsschere und schnitt gemeinsam mit dem Tischler die rot-weißen-Absperrbänder durch.

Dabei hatte Utermark selbst eigentlich auch noch einige Worte an die Friedrichstädter richten wollen und sich besonders bei den Freiwilligen bedanken wollen, die ihn bei der Arbeit in seiner Werkstatt unterstützt hatten.

Zunächst hatte die neue Middelbrüch gleich ihren Härtetest zu bestehen. Denn: Mann, Frau, Kind und Hund bewegten sich in einer dichten Traube über die Holzkonstruktion, die wegen ihrer dicken Beläge vom Bürgermeister zurecht bereits als „absolut panzertauglich“ bezeichnet worden war.

Die Einweihung wurde zu einem richtigen kleinen Volksfest, schließlich hatten die Fraktionen der Stadtvertretung für das leibliche Wohl gesorgt. Doch bereits nach einer Stunde hatte sich die Versammlung aufgelöst. Es lag, wie das Stadtoberhaupt betonte, mit Sicherheit nicht an der Stimmung, der schneidende Wind war daran schuld. Auch im Pavillon bei der Essensausgabe hatte neben der Bedienung niemand mehr Windschutz gefunden.

Im Oktober 2013 tobte der Orkan Christian über das Land und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Auch in Friedrichstadt. Dort hatte er eine mächtige Weide umgeworfen, deren Wurzelballen die alte Middelbrüch aus ihren Lagern hob und das Bauwerk in sich verdrehte.

Lange Diskussionen folgten, ob eine Reparatur sinnvoll und finanziell tragbar sei. Dann schließlich signalisierte das Land, dass es der Stadt bei der Finanzierung einer neuen Brücke finanziell unter die Arme greifen will.

Zunächst wurde aber lange debattiert, ob die älteste Brücke der Stadt wieder im alten Stil, oder aber als moderne Stahlkonstruktion errichtet werden soll. Die Mehrheit des Stadtrats sprach sich für eine Holzkonstruktion aus, da diese einfach zu Friedrichstadt gehört. Allerdings hatte wohl niemand mit einer Kostenexplosion gerechnet. Denn von anfänglich angedachten knapp 60.000 Euro für eine Reparatur und 80.000 Euro für einen Neubau wurden schließlich knapp 170.000 Euro. Und dies, obwohl der Friedrichstädter Tischler Gerhard Utermark die Holzarbeiten kostenlos ausführte. Gezahlt werden mussten jedoch die Materialien, der Statiker und freilich die Ramm- und Pflasterarbeiten. Wenn schon eine neue Brücke, dann sollte sie auch gleich für Jahrzehnte sicher sein.

Daher wurden für die Grachtenschiffe sogenannte Abweiser-Dalben in den Mittelburggraben gerammt und ab der Wasseroberfläche in Holz ausgeführt. Sollte ein Grachtenschiffer einmal die Brücke mit seinem Ausflugsschiff rammen, dann sollte sie diese Karambolage schadlos überstehen.

Die Middelbrüch kann nach Aussage des Bürgermeisters unbesorgt für die Friedrichstädter Lampiontage freigegeben werden. Denn mehr Menschen als am Einweihungstag werden laut Egbert Vogt dann auch nicht über die neue Holzkonstruktion spazieren.

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