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Husum und der Schnee : Die Mär von der weißen Weihnacht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Früher gab es viel mehr Schnee zum Fest? Weit gefehlt, sagt der Meteorologe Lars Rohwer mit Blick auf die Statistik für Husum und Umgebung. Nur zwischen 1950 und 1970 sei es so gewesen.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 18:16 Uhr

„Um es gleich vorwegzunehmen: Dass es früher deutlich mehr weiße Weihnachten gab, stimmt so nicht für unsere Region“, sagt Lars Rohwer von www.husumwetter.de. Nur rund um die 1960er Jahre habe Petrus häufiger ein komplett weißes Fest beschert, wo die ganzen Feiertage über Schnee auf dem nordfriesischen Festland lag. „In den vergangenen 20 Jahren gab es im Schnitt nur alle sieben Jahre richtig weiße Weihnachten, dagegen waren die Feiertage von 1951 bis 1970 im Mittel alle fünf Jahre weiß. Und sogar alle zwei Jahre war in diesem Zeitraum der zweite Weihnachtsfeiertag verschneit“, so Rohwer. Ein komplett grünes Weihnachtsfest habe es damals kaum gegeben. „Und blickt man noch weiter zurück, stellt man fest, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Schnitt nur alle 20 Jahre weiße Pracht über die Feiertage hinweg zu bewundern war.“ Rohwers Bilanz: „Vor den 1960er Jahren und danach war und ist ein weißes Weihnachtsfest also die Ausnahme.“

Beim weißen Fest sei also kein Trend zu erkennen. Das sei bei der Statistik der Schneetage jedoch ganz anders – deren Zahl sei eindeutig rückläufig, so der Meteorologe weiter. Während es von 1891 bis 1980 im Mittel rund 30 Schneetage im Jahr gab, wurde in den vergangenen 30 Jahren nur noch an rund 20 Tagen im Jahr Schnee in Nordfriesland gemessen. Aber auch hier seien – statistisch natürlich durch die Schneekatastrophe von 1978/79 verstärkt – in den 1960er und 70er Jahren ungewöhnlich viele Tage mit Schnee zu verzeichnen gewesen. „Wenn es mal schneit, hat sich die mittlere Schneehöhe in den letzten 100 Jahren aber kaum verändert“, sagt Rohwer.

„Der Rückgang bei den Schneetagen passt aber zum Anstieg der Temperaturen um 1,3 bis 1,4 Grad in den vergangenen 30 Jahren“, erläutert Rohwer. Vorher – von 1891 bis 1973 – sei es in Husum nur um rund 0,1 Grad wärmer geworden. Das zeige klar, dass der Temperaturanstieg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe. „Die höchste in der Storm-Stadt von 1891 bis 1973 erreichte mittlere Temperatur lag übrigens bei 9,69 Grad im Jahr 1914.“

Husumwetter.de hat die Schnee-Situation zu Weihnachten mit Hilfe der Daten der Stationen des Deutschen Wetterdienstes in Husum (1891 bis 1974, in jenem Jahr wurde sie geschlossen), St. Peter-Ording und Leck (beide 1951 bis 2014) untersucht und geprüft, ob es im jeweiligen Jahr weiße Weihnachten (vom 24. bis 26. Dezember durchgängig messbaren Schnee), einen weißen 24. Dezember, einen weißen 25. Dezember oder einen weißen 26. Dezember gab. Zusätzlich wurde die Temperaturentwicklung und die Anzahl der Schneetage im gesamten Jahr analysiert.

Mit Blick auf die Feiertage 2015 kann Rohwer den Husumern wieder keine Hoffnung auf weiße Weihnachten machen: „Nachdem erst einmal verbreitet zweistellige Temperaturen erreicht werden, fallen die Werte zum Weihnachtsfest zumindest leicht ab.“ Die Wahrscheinlichkeit für eine Sturmböe sei am Heiligen Abend jedoch deutlich höher als für eine Schneeflocke. Immerhin soll es im Laufe des Weihnachtsfestes dann noch weiter abkühlen.

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