St. Peter-Ording : Die Letzten ihrer Art

Für das „Benen-Diken“ könnte es die letzte Saison an diesem Standort sein.
Für das „Benen-Diken“ könnte es die letzte Saison an diesem Standort sein.

Sie sind fast ausgestorben – die letzten „echten“ Kneipen. In St. Peter-Ording gibt es noch zwei von ihnen. Eine davon ist das „Benen-Diken“.

shz.de von
06. Juli 2018, 15:00 Uhr

Sie sind die letzten beiden Saurier im Dorf und haben mittlerweile Kultcharakter: Das „Thalamegus“ und die Gastwirtschaft „Benen-Diken“ trotzen dem Kneipen-Sterben wacker. In einer Mini-Serie stellen wir die zwei letzten „echten Kneipen“ St. Peter-Ordings vor. Heute sind wir zu Gast bei Wirt Hermann Becker in der Jeverstube „Benen-Diken“ in der Badallee 29.

Seit 30 Jahren führen der gelernte Maschinenbauer und seine Frau Christina „Tina“ Schmidt-Becker die Gastwirtschaft und haben täglich ab 17 Uhr geöffnet. Die Frühschicht übernimmt Hermann, ab 21 Uhr übergibt der Gastwirt das Zepter an seine Frau. Die waschechte Gastronomin aus Berlin steht hier oft bis in die frühen Morgenstunden hinterm Tresen. „Wir haben auch viele Gäste, die selbst in der Gastronomie arbeiten und dann noch auf einen Absacker hierher kommen“, sagt Hermann Becker.

1989 eröffnete das Ehepaar die Gastwirtschaft, in der es täglich bis 22 Uhr warme Speisen gibt. Von Anfang an mit dabei: Koch Bernd Prick, der jede Woche eine Wanne voller Labskaus kocht. „Das ist der Renner hier“, verrät Becker. Das liege daran, dass sie das Gericht traditionell aus gepökelter Rinderbrust herstellen. Dazu gibt es Spiegelei, Rote Beete, Gewürzgurke, Matjesfilet und anschließend einen Köm, denn: „Der Fisch muss ja schwimmen“, so Becker. „Currywurst brauch’ ich hier gar nicht anbieten“, so der Wirt. „Wir können hier ja nicht 8,50 Euro dafür nehmen, so wie es in so manch anderen Läden gang und gäbe ist.“ Im „Benen-Diken“ bekomme man Königsberger Klopse, Rouladen oder Tafelspitz.

Überhaupt wundere sich der gebürtige Kölner über die „Touristenfallen“, die die alten Gastwirtschaften in St. Peter-Ording nach und nach ersetzt haben. Und auch Ferienwohnungen seien hier in der Badallee aus dem Boden geschossen. „Früher gab es hier in der Straße neun andere Geschäfte, jetzt ist sie komplett tot. Hier wird so viel fremdes Geld in den Ort getragen, das treibt die Preise in die Höhe.“

Hermann Becker und seine Frau müssen es wissen. Die Pacht für das Gebäude, in dem die Gastwirtschaft und sie selbst ansässig sind, wurde nicht verlängert. Das Haus wurde verkauft. Im nächsten Jahr müssen sie raus. „Wir setzen natürlich alles daran, zu bleiben, zehn Jahre können wir gut noch machen.“ Sollte das nicht klappen, so habe man schon ein Objekt ins Auge gefasst. Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Dann ziehen wir eben mit dem ganzen Inventar einmal über die Straße.“ Seinen Stammgästen habe er schon Bescheid gesagt.

Das „Benen-Diken“ wirkt, insbesondere im Vergleich zu den anderen Gaststätten in dem Urlaubsort, wie aus der Zeit gefallen. Die ausladenden Tische mit Eckbänken sind urgemütlich. An den Wänden hängen Fischköpfe, und der Holztresen wirkt gewaltig. Wenn Hermann Becker nachmittags um fünf, jetzt zur Weltmeisterschaft schon um 15.30 Uhr, die Tür aufschließt, dann kommen schon die ersten Gäste, um ihr Feierabendbier zu trinken. „Der Tresen ist immer zuerst voll“, sagt Becker.

Das war nicht immer so. Als das Ehepaar die Kneipe 1989 eröffnete, da blieb die Kundschaft zunächst aus. „Das, was wir uns hier geschaffen haben, haben wir uns hart erarbeitet, das kriegt man nicht geschenkt.“ Sieben Tage die Woche ist während der Saison geöffnet. Sommerurlaub ist da nicht drin. Doch für ihre Gäste würden sie das gerne machen. „Wir reden noch mit den Gästen, dafür kommen sie her. Wir kennen hier fast jeden mit Namen, und deshalb kommen die Leute auch wieder – Touristen und Einheimische, jung und alt“, erklärt Becker.

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