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Kunst in Friedrichstadt : Die Kulturnacht übertrifft sich selbst

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein herausragendes Programm lockte viele Besucher an die 21 Stationen der 17. Friedrichstädter Kulturnacht. Viele Künstler waren in diesem Jahr zum ersten Mal dabei.

Deutliche Worte und viel Beifall für Ministerin Anke Spoorendonk: Anlässlich der Eröffnung der 17. Friedrichstädter Kulturnacht ging die Justiz-, Kultur- und Europaministerin auch auf die aktuelle politische Lage in der Bundesrepublik ein. „Mitmenschlichkeit ist heute mehr denn je gefordert. Wenn Nazis gegen Flüchtlinge angehen, dann brauchen wir Zeichen, die dagegenhalten.“

Zur Eröffnung der Kulturnacht, die mit ihrem Programm alle Vorveranstaltungen überbot, hätte kein besserer Ort als die seit zwölf Jahren als Kultur- und Gedenkstätte genutzte Ehemalige Synagoge gewählt werden können. Die Ministerin war frühzeitig angereist und hatte „etwas Zeit mitgebracht“. Im Anschluss an die in deutscher und dänischer Sprache gehaltene Begrüßung sagte sie: „Auf dem Weg hierher fiel mir ein, dass ich ja heute das erste Mal als Ministerin in Friedrichstadt bin. Ich finde es schön, dass die Kulturwoche hier in einem würdigen Rahmen eröffnet wird.“ Sämtliche Plätze in der Synagoge waren besetzt, in Vertretung von Bürgermeister Eggert Vogt und seines Stellvertreters Björn Jensen überbrachte Christiane Thomsen die Grußworte der Stadt: „Wer hätte vor 17 Jahren gedacht, dass wir heute solch eine schöne Kulturnacht begehen würden.“ Mit langem Beifall wurden Bente Stenger und Rebecca Beland belohnt, die das Programm mit erstklassigen musikalischer Darbietungen abrundeten.

Im Anschluss zogen draußen in der Fußgängerzone andere Musikanten zahlreiche Zuschauer in ihren Bann. Zunächst marschierte der Friedrichstädter Spielmannszug durch die Stadt, danach rissen die „Caledonian Pipes and Drums“ aus Hamburg die Zuhörer in ihren Bann. Sie traten im Laufe der Kulturnacht gleich mehrmals auf. Da hatte Friedrichstadts stellvertretende Bürgermeisterin Elke Kempkes der Ministerin bereits längst ein „Rundgangs-Armband“ am Handgelenk befestigt und sich mit ihr auf den Weg gemacht.

Die Auswahl war so groß wie nie: 21 Stationen boten den abendlichen Besuchern ein rundum gelungenes Programm, das gut angenommen wurde. Friedrichstadts Bürgermeister-Vorgängerin Regine Balzer hüpfte nicht nur angesichts der mitreißenden Caledonian-Auftritte vergnügt von einem Bein auf das andere. Von Anfang an als Besucherin dabei ist auch Ingrid Michaelsen – vielen Einheimischen als Leiterin der Postpartnerfiliale bekannt. Aus Schwabstedt war Manfred Paschke gekommen: „Es wird hier viel geboten.Gern habe ich mir die Theateraufführung des Landestheaters in der Synagoge angeschaut. Nun möchte ich noch einige andere Stationen besuchen.“ Irma und Paul Seidler aus Hamburg-Winterhude sind ebenfalls langjährige Gäste der Kulturnächte und schätzten „das wunderbare Ambiente, das es in dieser Art in den Großstädten nicht gibt“.

Erstmals wurde dieses Mal sogar das historische Rathaus in das Programm einbezogen. Hier stellte Illustratorin Eva Muggenthaler ihrer Hasenbilder aus – im passenden Verbund damit präsentierte Bildhauerin Sigrid Stegemann ihre Hasenfiguren. Im Rathaussaal staunten die Besucher immer wieder über die großformatigen Bilder der Grazer Bildhauerin Raymonde Marcher Greinix. Die bekannte Österreicherin ist erstmalig dabei und wurde von der Kunstpädagogin Hanna von Kunhardt angesprochen. „In meinen Werken geht es um Menschen und Gefühle“, betonte die Grazerin, die mit Tochter Vanessa angereist war. Freudig wurde der ausdrückliche schriftliche Hinweis „Berühren erwünscht“ von den Besuchern umgesetzt. Raymonde Marcher Greinix, die an internationalen Ausstellungen bereits mehrfach im eigenen Land sowie in Deutschland, Frankreich und Ungarn teilgenommen hatte, verwendet für ihre Bilder und Skulpturen unterschiedliche Materialien und freute sich: „Es gab von Beginn an viele interessierte Gespräche mit den Besuchern.“

Im Stadtmuseum „Alte Münze“ waren neben der Ausstellung zur Stadtgeschichte Skulpturen von Nikolaus Cramer zu sehen – und wer das Kirchturm-Uhrwerk einmal genauer kennenlernen wollte, hatte dazu um 19 und 20 Uhr unter fach- und sachkundiger Leitung von Erhard Brauer Gelegenheit. Dagmar Kiesewetter präsentierte in ihrem Privathaus Schmuck und Objekte aus Glas, im Fünfgiebelhaus (Keramikwerkstatt Doreen und Jan Stümpel sowie Buchhandlung Jan Stümpel) las Jan Stümpel unter dem Titel „Wer hat den schlechtesten Sex?“ sehr eindrucksvoll aus dem Buch von Rainer Moritz.Auch Schauspielerin Gabriela Ortega Sanchez las – und zwar innerhalb eines sogenannten „Walking Acts“ – an verschiedenen Stellen in der Friedrichstädter Innenstadt aus „Sonette“ von William Shakespeare.

In der Atelier-Galerie „Provence“von Jocelyne Nadolny-Papillon präsentierte Gastkünstler Johan Strandt Werke unter dem Titel „Kosmos und Mensch“. In der Galerie von Thomas Freund demonstrierte Gesche Krause unter der Bezeichnung „Orimoto“ „die etwas andere Buchkunst“. Ein paar Häuser entfernt, in der Goldschmiede Wickord, gab es Vorträge sowie die Aktion „Schürfen von Rohdiamanten – solange der Vorrat reicht“.

In der „tonalto“-Keramikwerkstatt von Maria Ziaja wurden nicht nur „Töne in Ton“ präsentiert, sondern Maria Ziaja und Markus Jung boten als das Duo „two-ways“ musikalische Ausschnitte aus ihrem aktuellen musikalischen Programm. Bis Mitternacht hatten die Besucher die große Auswahl aus einem einmaligen Angebot. Ob es dabei der eine oder andere tatsächlich geschafft hat, von 18 bis 24 Uhr sämtliche 21 Stationen anzusteuern, ist nicht bekannt. Dafür aber so viel: Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Friedrichstädter Kulturnacht geben.

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