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Internationaler Museumstag : Die kleinen Tricks in der großen Kunst

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kunstprofessor Erhard Göttlicher plaudert beim Internationalen Museumstag im Tetenbüller Haus Peters aus dem Nähkästchen und beantwortet Fragen der Besucher.

„Ich finde es wichtig, dass man an das Werk eines Künstlers herangeführt wird“, stellt Hans-Günter Kiesel aus Norderstedt fest. Vor allem die praktischen Ausführungen von Erhard Göttlicher faszinieren ihn. Der Kunstprofessor, dessen „Bilder aus dem prallen Leben“ noch bis zum 5. Juni im Haus Peters zu sehen sind, ist gestern eigens zum Internationalen Museumstag nach Tetenbüll gereist, um durch seine Ausstellung zu führen, Fragen der Besucher zu beantworten und Geheimnisse seiner ausgefeilten Technik preiszugeben.

„Ich finde es toll, dass er uns seine Tricks zeigt“, begeistert sich eine Zuschauerin. Sie hatte lange vor einem Aktbild gestanden und den feinen Faltenwurf des Tuches bewundert. Dass dieser nicht mit winzigen Pinseln Strich für Strich gemalt worden ist, führt Göttlicher seinem staunenden Publikum vor: Leuchtend rote Farbe wird mit dunklerem Rot übermalt und mit grob gefaltetem Stoff vorsichtig bearbeitet. Das Muster entsteht. Perfekt.

„Das hat schon Rafael so gemacht“, schmunzelt Göttlicher. Die Zuschauer sind begeistert, spenden spontan Applaus. „Das ist hochinteressant. Man lernt so viel dabei“, bekennt Walli Sprenkmann aus St. Peter-Ording, die sich Künstler-Gespräche im Tetenbüller Haus Peters selten entgehen lässt.

Göttlicher nimmt sich an diesem Nachmittag viel Zeit, erzählt aus seinem bewegten Künstlerleben und stellt sich geduldig den Fragen der Zuschauer. Warum die Frau auf dem Bild „Frühstück im Grünen“ (frei nach Édouard Manet) nackt ist? „Das müssen Sie Manet fragen“, scherzt Göttlicher, erklärt dann aber: „Manet wollte eine Provokation.“ Das sei ihm damals in Paris mühelos gelungen.

Nacktheit spielt auch bei Göttlicher eine Rolle, hat sich der Kunstprofessor doch mit großartigen Aktbildern einen Namen gemacht und viele Jahre Aktmalerei unterrichtet. Was ein gesuchtes Modell auszeichnet? „Natürlichkeit“, sagt der Künstler, „und Ausstrahlung.“ Ausführlich schildert er, wie der lebensechte sitzende Akt entstand, der immer wieder die Blicke der Ausstellungsbesucher auf sich zieht. Mit realistischer Kunst, führt Göttlicher aus, mache man sich vergleichbar: „Im Gegensatz zu den Norddeutschen Realisten scheuen viele diesen Vergleich.“ Beim Malen desselben Motives zeige sich, wie unterschiedlich die einzelnen Arbeiten ausfallen. Aber man lerne auch immer wieder voneinander.

Was ihn an Venedig fasziniert hat, warum er gleich zweimal die „Gorch Fock“ künstlerisch begleitet hat, und wieso er als „schwarzes Schaf“ einer Mathematiker-Familie so pingelig bei der Perspektive seiner Bilder ist – all das und noch viel mehr erfährt das Publikum bei dieser kurzweiligen Führung. „Der Besuch im Haus Peters hat sich gelohnt“, freut sich eine Zuschauerin.

Lohnen wird sich auch das lange Wochenende vom 17. bis 19. Juni im Haus Peters, das im Jubiläumsjahr wieder mit seiner beliebten Veranstaltung „Schaf, Rosen und Meer“ lockt. Dann können Interessierte nicht nur Ableger historischer Rosen aus dem hauseigenen Bauerngarten erwerben, Schönes und Köstliches rund um die „Königin der Blumen“ bestaunen und Kunsthandwerk in vielen Facetten erleben, sondern auch mit der nordfriesischen Lammkönigin „schnacken“, Musik und Texten lauschen und Bilder der Nachwuchskünstlerin Julia Pasinski bestaunen, die sich dem „Meermalen“ verschrieben hat.


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