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Bildungskonferenz Nordfriesland : Die Keimzelle der Demokratie

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die fünfte nordfriesische Bildungskonferenz in Breklum beschäftigte sich mit Beteiligungsrechten von Kindern und Jugendlichen. Gefordert wurde, diese bei wichtigen Planungen und Vorhaben auch tatsächlich einzubeziehen.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 11:00 Uhr

„Mitmischen – Beteiligungskultur in Nordfriesland“: Zu diesem Thema diskutierten bei der fünften kreisweiten Bildungskonferenz in Breklum mehr als 80 Teilnehmende aus Kindertagesstätten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Gemeindevertretungen, Kirchengemeinden sowie interessierte Bürger. Eingeladen hatten das Netzwerk Bildung-Nord, die Aktiv-Region Nordfriesland-Nord sowie das Christian-Jensen-Kolleg (CJK).

Mitmischen, Mitwirken, Mitmachen, Mitschnacken, Mitgestalten – unter diesen Schlagworten machten die Teilnehmer und Organisatoren die „Beteiligung als eines der wichtigsten Gestaltungselemente in unserer Gesellschaft“ aus. Verantwortung zu übernehmen, gemeinsam zu handeln, auch gegensätzliche Meinungen zu vertreten oder beispielsweise Kompromisse einzugehen seien Fähigkeiten, die Kinder wie Erwachsene Zeit ihres Lebens begleiteten, so der Tenor.

Bereits in der Vorbereitung hatten sich 21 Einrichtungen beteiligt und über ihren jeweiligen Partizipations-Ansatz berichtet. Die einzelnen Modelle wurden während der Konferenz an einer „Bildungsleine“ veröffentlicht und von den Teilnehmern aufmerksam gelesen.

In ihrem Impulsreferat „Partizipation von Kindern und Jugendlichen und Demokratiebildung in den verschiedenen Handlungsfeldern“ lenkte Prof. Dr. Raingard Knauer vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel den Fokus auf Kinder und Jugendli-che. Am fiktiven Beispiel der kleinen Anna schilderte Professorin Knauer, wie das Mädchen bereits in der Kita und später in der Schule erfährt, wie eine Gemeinschaft jenseits der Familie funktioniert. Anna erlebt Hierarchien, also beispielsweise wer „das Sagen“ hat. Sie erfährt, was sie tun darf und was nicht, aber auch, was sie tun will und wie sie ihren eigenen Weg beschreiten kann.

Laut Knauer liegt in diesen jungen Jahren „die Keimzelle der Demokratie“. Insbesondere dann, wenn es den Fachkräften der jeweiligen Einrichtung gelänge, Demokratie direkt erlebbar zu machen. „Etwa, indem sie die Kinder bei vielen Fragen des Alltags mit entscheiden lassen“, so die Expertin. Es gehe darum, Demokratie nicht nur über Gesetze, theoretische Modelle und Unterricht zu vermitteln, sondern Erfahrungen zu ermöglichen, die Erlernen mit Erleben verknüpfen. „Die UN-Kinderrechtskonvention aus dem Jahr 1989 verankert Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechte für Kinder. Ohne diese Beteiligungsrechte werden Kinder zum Objekt gemacht. Darum ist es besonders wichtig, die Beteiligung in Kitas, Schulen und im Gemeindeleben auch tatsächlich umzusetzen“, so Knauer.

Laut Gemeindeordnung müssten Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, beteiligt werden, erläuterte die Referentin weiter. Dies müsse jedoch angemessen begleitet werden, damit es auch funktioniere. Als Beispiel nannte die Referentin einige Kindertagesstätten, die Beteiligung bereits mit „Kita-Verfassungen“ auskleiden: „In einer solchen Verfassung ist geregelt, worüber die Kinder mit entscheiden und welche Entscheidungen die Erwachsenen alleine tragen.“ Bei dem manchmal anstrengenden und auch langwierigen Umsetzungsprozess sei die Haltung der verantwortlichen Erwachsenen besonders bedeutsam. Konferenzteilnehmern, die in ihrer Einrichtung oder Institution mehr Beteiligung ermöglichen wollen, gab Knauer den Hinweis auf das Kieler Institut für Partizipation und Bildung (www.partizipation-und-bildung.de), dem sie vorsteht. Dort gebe es methodische Unterstützung.

Im Anschluss stellten sich zwei Projekte aus Nordfriesland vor: Aus dem Kurt-Pohle-Kindergarten in Husum wurde über langjährige Erfahrungen mit der Beteiligung von Kindern berichtet. Das Evangelische Kinder- und Jugendbüro stellte sein Projekt „Aktion 500 €“ vor. „Durch die Übergabe von inhaltlicher und finanzieller Verantwortung ist es uns gelungen, Jugendliche mit dem Thema Partizipation nachhaltig vertraut zu machen“, so Anna-Lena Ihme vom Jugendbüro.

Interessierte sind eingeladen, beim Netzwerk Bildung-Nord mitzuarbeiten. Das nächste Treffen findet am Dienstag (9. Juni), 18 Uhr, statt im Breklumer Jugendzentrum, Husumerstraße 10. Anmeldung bis zum 8. Juni via E-Mail an c.kresel@ aktivregion-nf-nord.de oder unter Telefon 04671/919232. Die nächste Bildungskonferenz ist am 26. Mai 2016.

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