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Mit dem Zeichenstift durch Husum : Die Jagd nach dem besonderen Motiv

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Münchner Zeichner und Aquarellmaler Jürgen Meyer-Andreaus läuft im Urlaub zwei Wochen lang mit dem Skizzenbuch durch Husum. Ohne geht der 79-Jährige gar nicht erst auf Reisen.

Drei Dinge braucht der Mann: einen tragbaren Klapphocker aus Aluminium, Mal-Utensilien und ein kleines Skizzenbuch. Das reicht dem Urlauber aus München zu seinem Glück. Mit seinem Ultraleicht-Sessel unterm Arm und dem Rest in der Jackentasche schlendert Jürgen Meyer-Andreaus an diesem Vormittag zum Schlossgang. Dort, auf Höhe der Hausnummer 8, setzt er sich hin. Zwischen zwei Regengüssen möchte er das neueste Motiv in sein aktuelles Büchlein bannen: das Alte Rathaus von der Rückseite aus – nebst Umgebung.

Das historische, 1601 entstandene Gebäude, in dem heute die Husumer Tourismus-Zentrale residiert, hat es dem 79-Jährigen angetan. Konzentriert scannt er mit seinen wachen Augen die Szenerie, hebt immer wieder für wenige Sekunden den Kopf, um kurz darauf auf der weißen Doppelseite in seiner linken Hand mit flinken Strichen das Gesamtbild entstehen zu lassen. Der Fachmann zaubert eine Skizze aufs Papier – und der Laie staunt. Passanten bleiben stehen, riskieren auch schon mal einen neugierigen Blick über die Schulter des Künstlers. Den ficht das überhaupt nicht an – er steckt im Tunnel, ist voll auf das Objekt seiner Begierde fixiert.

Meyer-Andreaus ist ein malender Weltenbummler. Oder ein reisender Zeichner – ganz wie es einem beliebt. Gestern Genua, heute Husum, morgen Dubai. Er gibt Vier-Tages-Kurse im norditalienischen Mantua und liefert dem Automobilhersteller mit dem berühmten Stern als Auftragsarbeit eine Aquarell-Serie, die Einblick ins Sindelfinger Werk gibt. Der Mann, der seinem „Meyer“ den Geburtsnamen seiner mit italienischen Vorfahren gesegneten Mutter beigefügt hat, um der nominellen Inflationsfalle mit einem Alleinstellungs-Merkmal zu entkommen, ist gefragt.

Kein Wunder, denn seine Bilder von Lanzarote, Korfu oder Quedlinburg sind ebenso beeindruckend wie faszinierend. Die Motive können ihm nicht detailreich genug sein. Ein Blick auf seine Internetseite – unter www.meyer-andreaus.de – sagt mehr als tausend Worte. „Nähme man mir mein Malzeug weg, würde ich krank werden“, erläutert Meyer-Andreaus, der gelernter Architekt ist. „Ich sitze nicht gerne hinter dem Ofen, muss in die Welt hinaus!“ Der Regierungsbaumeister – also Diplom-Ingenieur mit zusätzlicher zweiter Staatsprüfung in Städtebau und Regionalplanung – bezeichnet sich als „Sehmensch“, der immer etwas erleben müsse: „Da die Motive einfach nicht zu mir kommen wollen, muss ich zu ihnen reisen. Das macht mich aber nicht unglücklich – im Gegenteil: Ich sammle neue Eindrücke und beziehe daraus meine Lebensfreude und Intuition.“

Entsprechend voll mit künstlerisch wertvollen Erinnerungsstücken sind die Regale und Rollcontainer in der Münchner Mietwohnung, die er mit seiner besseren Hälfte bewohnt – wenn nicht gerade eine Reise ansteht, alleine oder zu zweit. Außerdem hat Meyer-Andreaus einen Dunkelraum in der Physiotherapie-Praxis seiner Frau Elisabeth („Meine beste Ratgeberin und ehrlichste Kritikerin!“) in Beschlag genommen. „Dort lagern unter anderem Tausende von Aquarell-Karten, mit denen ich auf dem Markt bin“, erklärt der Vater eines 29-jährigen Sohnes, der gerade an der Technischen Universität München sein Diplom als Architekt gemacht hat.

Doch zurück nach Husum: „Hier bin ich im Urlaub, da mache ich mir keinen Druck.“ Für ihn bedeutet das: zwei bis drei Skizzen pro Tag. Rund anderthalb Stunden benötige er vom ersten Strich bis zum fertigen Bild, schätzt der Zeichner, der sich auch intensiv der Aquarell-Malerei widmet. „Ich bin unbewusst ständig auf der Suche nach Standorten, die einen Blick ermöglichen, den nicht jeder Fußgänger hat.“ Abgelutschte Postkarten-Motive interessieren ihn nicht. „Es ist die Physiognomie der Stadt, die mich reizt, selten das einzelne Gebäude, immer das Ensemble.“ Der Motor, der ihn zwei Wochen durch Husum treibt.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 16:30 Uhr

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