Nach drei Jahren Streit : Die „Husumer Buckelpiste“ wird glattgebügelt

Die Wellen in der Fahrbahn in Husum müssen auf der Hälfte der etwa ein Kilometer langen Straße saniert werden.

Die Wellen in der Fahrbahn in Husum müssen, auf der Hälfte der etwa ein Kilometer langen Straße,saniert werden.

Seit 2015 ist die Straße gesperrt, weil sich die Fahrbahn extrem wellt. Viele haben sich darüber lustig gemacht, nun gibt es eine Lösung.

shz.de von
06. März 2018, 19:00 Uhr

Husum | Mit seiner Buckelpiste wird Husum bald nicht mehr bundesweit ein Medienthema sein. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die Rödemisser Umgehungsstraße, so der offizielle Name, instandgesetzt und Anfang 2019 für den Verkehr freigegeben werden. Insbesondere Lkw-Fahrer sparen sich dann den zeitraubenden Umweg durch diesen Husumer Ortsteil. Denn die Strecke soll vor allem als Abkürzung für Gewerbetreibende aus dem Außenhafen funktionieren, um schneller die neue Bundesstraße 5 zu erreichen. Die Kreisstraße sollte für 40 Tonnen schwere Fahrzeuge ausgelegt sein – ist aber bereits seit 2015 gesperrt. Der Grund: Wegen des moorig-torfigen Untergrunds ist die Fahrbahndecke auf halber Strecke abgesackt und die Fahrbahn wellt sich.

Zuletzt hatte sich die NDR-Satiresendung „Extra 3“ über die Buckelpiste als krasse Fehlplanung lustig gemacht:

Der Kreis und die Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Fachfirmen haben sich nun nach einem dreijährigen Streit außergerichtlich über die Verteilung der Sanierungskosten geeinigt. Den Löwenanteil, der auf etwa 1,7 Millionen Euro geschätzten Reparatur des auf 2000 Betonsäulen ruhenden Buckelabschnitts, der die Hälfte der gut einen Kilometer langen Straße ausmacht, trägt der Versicherer der Bauunternehmer. Der Kreis Nordfriesland steuert 200.000 Euro bei.

Landrat Dieter Harrsen machte am Dienstag bei einem Pressegespräch im Kreishaus in Husum keinen Hehl daraus, dass er nicht zufrieden ist. Der Verwaltungschef hätte die Angelegenheit lieber von einem Gericht klären lassen. Schließlich sind die Wellen nach Angaben des Kreises in der Straße durch einen Gründungsfehler verursacht worden – und dieser ist auf eine fehlerhafte, „technisch sehr anspruchsvolle“ Berechnung zurückzuführen. „Aber mit einem Prozess hätten wir die Straße vielleicht zehn Jahre nicht nutzen können“, kritisierte Harrsen die langsamen Mühlen von Justitia – „um Zeit und Geld zu sparen, kann ich die jetzige Lösung akzeptieren. Doch letztlich war es nicht möglich, Recht durchzusetzen, weil es zu lange gedauert hätte“.

Stahlbetonplatten: „der Mercedes unter allen Lösungen“

Der Leiter des Fachdienstes Gebäudemanagement und Liegenschaften beim Kreis, Bernd Petersen, hatte zuvor die technischen Details erläutert. Danach werden jetzt auf die vorhandenen Säulen – „die sind stabil, nur der Oberbau hatte nicht gehalten“ – Stahlbetonplatten gesetzt – „der Mercedes unter allen Lösungen“. Obenauf folgen Sand und Teer. Ohnehin muss die ganze Strecke eine neue Asphaltdecke erhalten: Denn seit 2017 steht fest, dass die andere Hälfte der Fahrbahn um einige Zentimeter tiefer abgesackt ist als erwartet. Die hierfür erforderlichen etwa 390.000 Euro übernehmen die Firmen, erklärte Bernd Petersen.

Die „Buckelpiste“ schlägt bis heute Wellen.
Volkert Bandixen

Die „Buckelpiste“ schlägt bis heute Wellen.

Zuerst hatte alles so gut angefangen: Bereits nach einem Jahr Bauzeit war die neue Ortsumgehungsstraße im November 2013 freigegeben worden. Die Baukosten lagen bei etwa 4,2 Millionen Euro, die zu 85 Prozent vom Land und zu 15 Prozent von der Stadt Husum getragen wurden. Der Kreis war mit der Bauleitung im Boot und hat dauerhaft die Straßenbaulast übernommen – ebenso für weitere zehn Kilometer, die bisher Landesstraßen waren.

Keine Verkehrssicherheit durch „Wellentäler“

Der bis in vier Meter Tiefe moorig-torfige Untergrund hatte die Unternehmen vor besondere Herausforderungen gestellt. Sie ließen den Untergrund auf der Hälfte der Strecke mit knapp 2000 Betonsäulen in einem Abstand von jeweils zwei Metern stabilisieren. Darauf wurden ein Vlies und ein Geflecht aus Kunststoff-Geozellen und zum Schluss Sand, Kies und Teer aufgebracht.

Im zweiten Abschnitt – ohne Betonpfähle – kamen Saugpumpen zum Einsatz, um dem Untergrund Wasser zu entziehen: Die Oberfläche sackte um rund 1,50 Meter ab und war nun so verdichtet, dass sie sich für den Straßenbau eignete. Doch am 29. April 2015 musste die gesamte Straße gesperrt werden: Die Fahrbahn hatte begonnen auf der Hälfte der Strecke wellenförmig abzusacken. Nach sechs Monaten waren die „Wellentäler“ so tief, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet war.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen