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Nordfriesischer Verein : Die Heimatkultur am Leben erhalten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jahresversammlung des Nordfriesischen Vereins in Husum mit Rückblick, Vorschau, zwei Ehrungen und lobenden Worten aus der Politik.

Gerne wird die Jahresversammlung des Nordfriesischen Vereins dazu genutzt, auf die lange Geschichte eines traditionsreichen Verbandes zurückzublicken, dem aktuell 26 Friesenvereine mit rund 5000 Mitgliedern angehören. In diesem Jahr übernahm Wilhelm E. Sanders diesen Rückblick, denn die Tagung fand in Husum statt und er ist Vorsitzender im Ortsteil Rödemis: „Gegründet wurde der Nordfriesische Verein 1902 bei uns in Rödemis als ,Nordfriesischer Verein für Heimatkunde und Heimatliebe‘. Wir sind damit der älteste Ortsverein im Verband“, sagte er stolz und erinnerte an das erste Treffen der drei Frieslande im Jahr 1952, das damals von seinem Verein ausgerichtet wurde. „Wichtig ist doch, dass wir einander näherkommen“, betonte Sanders.

Heute hat der Nordfriesische Verein, der Kontakte zu den Ostfriesen in Niedersachsen und den Westfriesen in den Niederlanden pflegt, seinen Sitz in Bredstedt. Nach wie vor setzt er sich für die Bewahrung und Pflege der nordfriesischen Kultur, Natur und Landschaft ein sowie für die Erhaltung und Entwicklung der friesischen Sprache. Bräuche und Sitten lebendig zu erhalten, Tanz-, Musik-, Theater- und Trachtengruppen zu fördern, historische Denkmäler zu pflegen und Museen zu unterstützen – all das zählt zu den selbst auferlegten Aufgaben. Viel Wert wird auch auf die Jugendarbeit gelegt: Das friesische Kulturerbe soll in die folgenden Generationen weitergegeben werden.

Mit dem Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing sowie den Landtagsmitgliedern Klaus Jensen und Astrid Damerow konnte Vorsitzende Gudrun Fuchs am Sonnabend gleich drei hochkarätige CDU-Politiker als Gäste im Handwerkerhaus begrüßen. In ihrem gemeinsamen Grußwort sprach Liebing den Anwesenden ein Kompliment dafür aus, „wie Sie mit ihrer Arbeit die nordfriesische Heimatkultur am Leben erhalten und auch an die Jugend weitergeben“. Gerade in der jetzigen Situation sei es wichtiger denn je, sich auf Werte wie Heimat, Kultur und Identität zu besinnen und im eigenen Bereich Stabilität zu bewahren, sagte er mit Blick auf die Aufgaben, die es heute in der Flüchtlingsthematik zu bewältigen gelte.

In ihrem Jahresbericht forderte Gudrun Fuchs, immer wieder neu dafür zu sorgen, „dass wir wahrgenommen werden und gemeinsam mit Friesenrat, Friisk Foriining, Nordfriisk Instituut und dem Plattdüütsch Zentrum in Leck unsere Ziele in der Öffentlichkeit verdeutlichen können“. „Netzwerke bilden“ sei das Leitmotiv für 2015 gewesen, das aber noch über Jahre hinaus Gültigkeit haben werde, sagte sie und kündigte für 2016 einen „Plattdeutschen Tag“ in Leck an. Den 2015 vom Vereinsgeschäftsführer Wolf-Rüdiger Konitzki erstmals organisierten Friesentag würdigte sie als herausragendes Erlebnis: Gemeinsam mit dem Nordfriesischen Sängerbund und den Trachtengruppen sei es ihm gelungen, den zahlreichen Besuchern am 30. Mai in der Koogshalle ein ansprechendes Programm zu bieten.

Er war es denn auch, den die Vorsitzende mit der Verleihung der Ehrennadel überraschte: Seit Wolf-Rüdiger Konitzki 2002 den Posten übernahm, habe er viele Seminare und Trachtenfeste akribisch organisiert und unzählige Projekte für Kinder- und Jugendfreizeiten angestoßen. „Damit hast Du viele junge Leute dafür begeistern können, bei uns mitzumachen. Das ist keine leichte Aufgabe“, sagte Gudrun Fuchs. Sie lobte sein Organisationstalent und seine stets sorgfältige und präzise Vorarbeit, was immer auch zu tun sei: „Damit alles rechtzeitig fertig ist, nimmst Du oft Arbeit mit nach Hause. Das geht weit über das hinaus, was wir von einem Geschäftsführer erwarten dürfen.“ „Ich tu’s aus Freude“, antwortete Konitzki und begründete sein Engagement auch damit, dass er nach vielen Jahren der für einen Bundeswehrangehörigen typischen Rastlosigkeit in Nordfriesland endlich eine echte Heimat gefunden habe. „Auf diese Weise kann ich meine Dankbarkeit zeigen und etwas zurückgeben“, sagte er.

Der zweite Geehrte an diesem Nachmittag war Carsten Bernhard Carstensen vom Niebüller Friesenverein „Frasche Feriin for Naibel-Desbel än trinambai“, wie sich der Friesenverein Niebüll-Deezbüll nach Mooringer Mundart nennt. In seiner Laudatio lobte Vorsitzender Albert Panten „CB“ als einen Mann, „der sich um alles kümmert, was die friesische Kultur angeht. Du bist ein großes Kapital für den Verein. Mach weiter so“, bat er seinen Vorgänger im Amt. Der nunmehr zweite Vorsitzende nutzte die Gelegenheit, für eine Einrichtung zu werben, die ihm immer schon sehr am Herzen liegt: „Wir haben in Niebüll ein ganz tolles friesisches Museum!“ Das Heimatmuseum mit einer Sammlung von Altertümern, die im 19. Jahrhundert vom Niebüller Pastor Friedrich August Feddersen begonnen und 1929 dem Verein vermacht wurde. „Sie sollten sich das einmal ansehen, es ist fast alles noch so wie früher“, lud er ein.

Den Festvortrag, der mit dem Titel „Nordfriesland im Kriminalroman“ angekündigt worden war, hielt Dr. Wendy Vanselow von der Wörterbuchstelle der Christian Albrecht-Universität in Kiel. Unter dem Schlagwort „Morden im Norden“ zitierte sie aus einigen Einzelwerken und bekannten Serienromanen von Autoren wie Hannes Nygaard, Kari Köster-Lösche oder Sandra Dünschede. „Fast immer wird dem Leser ein idyllisches Bild von Nordfriesland vermittelt, in dem ‘sture, wortkarge Menschen‘ wohnen, die dann etwas Schreckliches erleben müssen. Selten sind die Täter unter den Einheimischen zu finden, vorzugsweise kommen die Bösewichte aus der Großstadt“, so ihre Erkenntnis. Wichtig sei aber, dass am Ende die gewohnte Ordnung wieder hergestellt wird – besagte nordfriesische Idylle eben. Mit geografischen, historischen, kulturellen und sprachlichen Besonderheiten liefere die Region den Autoren einen wertvollen „Lokalkolorit“, der sich ebenso gut verkaufen lasse wie typisch maritime Buchcover. Selbst wenn die Geschichte in Husum spiele, würden Amrumer Strandkörbe, der Westerhever Leuchtturm oder die Pfahlbauten in St. Peter-Ording das Cover zieren. Gleichzeitig sei jeder Roman eine „Mini-Reise durch Nordfriesland“: der Leser werde stets ausgiebig mit touristischen Informationen versorgt. Für diesen Vortrag über die typischen Merkmale und Bausteine der Nordfriesland-Krimis erhielt die Rednerin viel Applaus.

Bei den abschließenden Wahlen, in denen erste Vorsitzende Gudrun Fuchs (Tating), ihr Stellvertreter Heinrich Bahnsen (Breklum) sowie Ella Christiansen (Föhr) einstimmig wiedergewählt wurden, ergaben sich einige personelle Veränderungen: Für Erk Hassold (Bredstedt) und Kurt Hinrichsen (Dagebüll), die sich nicht der Wiederwahl stellten, wurde mit Malene Gottburgsen eine pensionierte Lehrerin aus Niebüll in den Vorstand gewählt. Ihren bisherigen Posten im Beirat übernimmt Truels Hansen (Husum), der ebenso einstimmig gewählt wurde wie die zur Wiederwahl angetretenen Beiratsmitglieder Telse Nommensen (Leck) und Margret Ketelsen (Föhr). Die Kasse wird erneut von Heinz Hansen geprüft sowie von Peter Lemor, der sich freiwillig für dieses Amt meldete.

 

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