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Ringelgans-Tage : Die Hallig-Leute und ihr liebes Federvieh

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zur Eröffnung der 18. Ringelgans-Tage auf Hallig Hooge wurde die „Goldene Ringelgansfeder“ an das Hooger Ehepaar Jessel verliehen. Dazu war Umwelt-Staatssekretärin Dr. Silke Schneider angereist.

Die 18. Ringelgans-Tage sind eröffnet. Zahlreiche Gäste trafen auf Hallig Hooge ein, um die Veranstaltungsreihe im nordfriesischen Wattenmeer einzuläuten. Nach aktuellen Zählungen befinden sich zurzeit mehr als 14.000 Ringelgänse allein auf Hooge. Sie scherten sich allerdings nicht weiter um die Menschen, die vom Schiffsanleger zur Hanswarft liefen oder sich per Pferdekutsche hinfahren ließen. Die Ringelgänse hatten anderes zu tun: das energiereiche Halliggras fressen, um gut gerüstet für den langen Flug in die sibirischen Brutgebiete zu sein.

Für die meisten Gäste der Eröffnungsfeier fing der Tag mit einer Schiffstour von Schlüttsiel an – und die war schon etwas Besonderes. Nationalpark-Partner und Kapitän Heinrich von Holdt hielt mit seinem MS „Seeadler“ Kurs Richtung Hooge durch die faszinierende Halligwelt bei bestem Wetter mit Sonne pur, blauem Himmel und nur wenig Wind. Mit an Bord war auch Umwelt-Staatssekretärin Dr. Silke Schneider, die sich, beeindruckt von der schönen Natur, sichtlich freute, diesen Termin wahrnehmen zu dürfen: Sie sollte die Goldene Ringelgansfeder verleihen. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung für Menschen, die sich für den Schutz der Ringelgänse und deren Lebensraum einsetzen.

In diesem Jahr gab es die „Goldene Feder“ erstmalig im Doppelpack und zwar für die Eheleute Renée Oetting-Jessel und Uwe Jessel von Hooge. 1983 war das Ehepaar, dass drei Töchter hat, auf die Hallig gezogen. Die Geologin ist Nationalpark-Partnerin und als zertifizierte Gästeführerin bekannt für geschichtlich fundierte Hallig- und Inselführungen. Renée Oetting-Jessel ist maßgeblich beteiligt gewesen an der touristischen Erschließung von Hooge für Blinde und Sehbehinderte im Rahmen des Projektes „Ich höre und fühle, was Du siehst“. Sie schreibt für Hallig- und Inselmagazine sowie andere Publikationen. Auch einen Krimi mit dem Titel „Die goldene Feder“ hat sie verfasst, in dem die Ringelgans-Tage „zu einem Stück Literatur“ werden, so Schneider.

Uwe Jessel ist seit 32 Jahren Lehrer auf Hooge und unterrichtete alle 60 Halligkinder, die es in dieser Zeit gab. Immer im Fokus standen bei ihm naturkundliche Aktivitäten. Die Schule beteiligte sich unter seiner Federführung an den Projekten „Halligkinder informieren über ihre Biosphäre“ und „Prima Klima in der Biosphäre“. Im Sommer fand der Unterricht bei Lehrer Jessel oft draußen statt.

Für Renée Oetting-Jessel ist die „Goldene Ringelgansfeder“ die „Krönung unserer Halligjahre“. Im August werden die Eheleute Hooge verlassen und nach Eckernförde ziehen. „Ihre Spuren werden bleiben. Sie haben das Halligleben sehr bereichert“, lobte die Staatssekretärin, die auch die Preisverleihung des diesjährigen Malwettbewerbs zu den Ringelgans-Tagen vornahm. 548 Schüler aus 20 Schulen hatten sich daran beteiligt – ein Rekord.

Lasse Johannsen (7. Klasse, Eugen-Träger-Schule, Hallig Langeneß) erhielt den ersten Preis, gefolgt von Kevin Heeckt (5. Klasse, Gemeinschaftsschule Meldorf) und Liv Ingwersen (3. Klasse, Grundschule Klixbüll). Das Siegerbild wird 2016 das Ankündigungsplakat für die 19. Ringelgans-Tage schmücken, und die ersten neun Bilder werden auf Werbe-Postkarten für das Ereignis abgedruckt sein. Das Geschenk für die drei Gewinner: ein Ausflug mit ihrer Schulklasse auf die Halligen.

Musikalisch und tänzerisch begleitet wurde die Eröffnung von der Akkordeongruppe Langeneß, der Trachtengruppe Hooge und Dudelsackklängen. Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung, moderierte die Veranstaltung und dankte der Arbeitsgemeinschaft „Ringelgans-Tage“ für die Organisation. Matthias Piepgras, Bürgermeister von Hooge und Vorsteher des Amtes Pellworm, freute sich, dass sich das „Miteinander in der Biosphäre Halligen“ entwickelt. Vor 18 Jahren ist es nach seinen Worten nicht einfach gewesen, die Ringelgans-Tage zu initiieren. Piepgras: „Nun freuen sich alle, wenn die Ringelgänse da sind, denn sie signalisieren, dass der Winter überstanden ist und der Frühling kommt. Die Ringelgans-Tage sind eine Erfolgsgeschichte.“ Dass im Kreis Nordfriesland eine „außerordentlich gute Zusammenarbeit“ zwischen Naturschutz und Tourismus gelebt wird, hob Kreispräsident Heinz Maurus hervor – und weiter: „Natur und Mensch gehören zusammen.“

Im Biggerhus der Schutzstation Wattenmeer gab es einen Imbiss, danach luden die Ranger zur Beobachtung der Ringelgänse ein. Silke Schneider fuhr beseelt von ihren Erlebnissen „in der großen Familie“ zurück aufs Festland – eine „Ringelgansditte“ als Geschenk von Uwe Jessel mit im Gepäck. Bis in die 1960er-Jahre hatten die Halligleute Ditten aus Kuhdung als Heizmaterial genutzt. „Die gesamte Landluft der Hallig ist in der Ringelgansditte vorhanden“, findet Jessel. Das Geschenk konnte die Staatssekretärin sicherlich abends gut zum Heizen ihres Ofen gebrauchen, um ihre Füße zu wärmen: Denn Silke Schneider war barfuß in Sommerschuhen nach Nordfriesland gereist.

 

Die Ringelgans-Tage finden bis zum 3. Mai statt. Das komplette Programm ist im Internet auf den Seiten www.ringelganstage.de zu finden.

 

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