Kreis Nordfriesland : Die Gefahr kommt auf leisen Sohlen

Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest in Europa.
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Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest in Europa.

Der Kreis bereitet sich vor: Wenn die durch Wildschweine verbreitete Afrikanische Schweinepest ausbrechen sollte, greift ein Krisenplan.

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31. Januar 2018, 12:00 Uhr

Bei den Schweinehaltern im Kreisgebiet geht die Angst um. Und die Experten des Kreis-Veterinäramtes haben die Krise auf dem Papier schon einmal durchgespielt. Sollte die Afrikanische Schweinepest – kurz ASP – über Wildschweine oder auf anderen Wegen Nordfriesland erreichen und womöglich auch in Hausschwein-Beständen ausbrechen, dann greift ein mehrstufiger Aktionsplan zur Bekämpfung der Tierseuche. Er reicht bis hin zum Katastrophenfall. Während Schweinehalter dann um ihre Existenz bangen müssten, würden wohl oder übel tausende Tiere in infizierten und verdächtigen Beständen getötet.

Welche dramatischen Auswirkungen ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Nordfriesland für die Region hätte, veranschaulichen zwei Krisenszenarien des Fachdienstes Veterinärwesen des Kreises Nordfriesland. Im ersten Fall wird ein positiver ASP-Befund bei zwei toten Wildschweinen in der Südermarsch angenommen. Die Folge wären drei Restriktionszonen – im Kerngebiet mit rund fünf Kilometern Radius wären acht Betriebe mit 700 Schweinen betroffen, im gefährdeten Bezirk bereits 54 mit 24.000 Tieren und in der sogenannten Pufferzone rund 240 Betriebe mit 130.000 Schweinen. Über Monate würde ein Bündel von Maßnahmen und Auflagen greifen – vom Tilgungsplan bis zur Kontrolle aller Schweinehalter im gefährdeten Bezirk bis zum Verbringungsverbot.

Weit schlimmer noch wären die Folgen, falls das Szenario zwei eintrifft: Hierbei wird ein positiver ASP-Befund in einer Schweinehaltung im Sönke-Nissen-Koog unterstellt. Die Folge: Innerhalb einer Zone mit rund einem Kilometer Radius würden Tiere getötet sowie ein Sperrbezirk (mindestens drei Kilometer) und ein Beobachtungsgebiet (zehn Kilometer) eingerichtet. In der „Tötezone“ – in diesem gegriffenen Fall zwei Betriebe mit 5.000 Schweinen – wären eine Bestandssperre und -räumung die Folge, im Sperrbezirk (sieben Höfe/11.000 Tiere) müssten alle Betriebe innerhalb einer Woche untersucht werden, Schweine-Transporte und der Handel mit Klauentieren würden verboten. Ähnliche Maßnahmen gäbe es mit entsprechenden Fristen auch im Beobachtungsgebiet mit 31 Betrieben und rund 31.000 Schweinen. Transporter für Tiere, Futter oder Milch müssten durch entsprechende Desinfektionsschleusen fahren.

Anders als bei der Vogelgrippe sei das für Menschen ungefährliche ASP-Virus in der Umwelt extrem beständig und auch in Lebensmitteln länger haltbar. Ein wirksamer Impfstoff ist nicht verfügbar. „Es ist logistisch eine Riesenherausforderung, das Virus abzutöten und alles zu desinfizieren“, informierte Mattias Knoth vom Veterinär-Fachdienst die Mitglieder des nordfriesischen Umweltausschusses. ASP kann von Tier zu Tier übertragen werden, aber auch durch Menschen, Gegenstände, Fahrzeuge und tierische Produkte – es reicht ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot auf einem Rastplatz.

Um einer weiteren ASP-Ausbreitung von Osteuropa Richtung Westen durch legale und illegale Einfuhren vorzubeugen, sind auf Landesebene Präventions- und Gegenmaßnahmen angekündigt worden (wir berichteten). Aber, so Knoth: „Die Einschleppung durch Wildschweine können wir nicht wirklich eindämmen.“

Die wirtschaftlichen Folgen eines Ausbruchs könnten katastrophal sein, machte der Veterinär deutlich – für betroffene Betriebe und die gesamte Region, die Exporte und die Nachfrage. Experten befürchten demnach sogar, dass die landwirtschaftliche Schweineproduktion und nachgelagerte Lebensmittel-Erzeuger in Deutschland komplett zusammenbrechen könnten.

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