Die Gefahr der großen Pötte

Hans-Ulrich Rösner (54)
Hans-Ulrich Rösner (54)

20 Jahre nach der Pallas-Havarie sehen die Naturschutz-Organisationen neue Problemlagen

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30. Oktober 2018, 10:47 Uhr

Genau 20 Jahre nach der folgenschweren Havarie des Holzfrachters Pallas vor den nordfriesischen Inseln besteht die Gefahr einer Umweltkatastrophe im Wattenmeer weiter. „Rund 120 Ölunfallmeldungen zählen wir durchschnittlich jedes Jahr“, berichtet Peter Mause, zuständiger Fachbereichsleiter Gefahrenabwehr im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Auch am 20. Jahrestag der Havarie von 1998 sei ein klarer Trend – Anstieg oder Rückgang – langfristig aber nicht erkennbar. Immerhin hoffen Mause und seine Kollegen angesichts 75 Ölunfallmeldungen bis Ende Oktober, dass dieses Jahr günstiger enden könnte, als alle Vorgängerjahre seit Beginn dieser Statistik.

Das wäre in der Tat schon ein Erfolg: Denn einige Risiken sind der Naturschutzorganisation WWF zufolge gewachsen. „Wir haben mit der Ölpest in Folge der Pallas-Havarie einen hohen ökologischen Preis gezahlt“, sagt er und nennt die Kadaver von mindestens 16000 getötete Seevögeln. Während seinerzeit 400 Tonnen Öl vom Pallas-Wrack abgepumpt und 300 Tonnen vom Schiffsskelett gekratzt werden konnten, gelangten mehr als 200 Tonnen vor die Strände.

Es seien aber wichtige Lehren gezogen und die Katastrophenabwehr verbessert worden, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros. „Den Fortschritten bei der Katastrophenabwehr stehen aber höhere Risiken durch die zunehmende Größe der Schiffe gegenüber. Die Schiffsriesen haben oft viel Treibstoff an Bord und ihre rechtzeitige Bergung ist schwieriger.“ Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums gelangen pro Jahr 670 000 Tonnen Öl in die Weltmeere.

Auch die Bauwerke in der Nordsee erhöhten das Risiko, dass ein manövrierunfähiges Schiff mit einer Offshore-Windanlage kollidieren könnte, so Rösner. Die südliche Nordsee gehört zu den weltweit am stärksten befahrenen Meeresgebieten. Die Mehrzahl der in Schleswig-Holstein registrierten Ölunfallmeldungen kommen aus dem Nord-Ostsee-Kanal sowie den Häfen an Nord- und Ostsee.

Gestern genau vor 20 Jahren strandete die Pallas nach einer Irrfahrt fünf Seemeilen südwestlich der Insel Amrum. Bei der Katastrophenabwehr wurden gravierende Mängel in Koordination und Ausrüstung deutlich. „Damals verursachte eine geringe Menge Öl große Schäden. Bei einem größeren Unglück könnten sich Teile des Wattenmeeres in eine schwarze Wüste verwandeln“, warnt Ulrich Rösner. Der WWF sieht zwar wichtige Fortschritte seit dem Pallas-Unglück, hat aber auch Kritik:
>das Havariekommando engagiere sich zu wenig für bessere Regelungen bei der Vorbeugung vor Havarien und Anweisungen gegenüber kritischen Schiffen
> verschärfte Lotsen- und Meldepflichten im Wattenmeer wurden nicht eingeführt
> es müsse geprüft werden, ob neben der „Nordic“ ein weiterer Notschlepper für sehr große Schiffe erforderlich ist.

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