Provisorium bis zum Jahr 2017 : Die Flüchtlinge kommen am Sonnabend

Direkt neben der modernen Küche liegt der große Speisesaal.
Direkt neben der modernen Küche liegt der große Speisesaal.

Die Stapelholm-Kaserne in Seeth wird zur provisorischen Erstaufnahme-Einrichtung. Kurzfristig hat das Land so entschieden. Bereits am Wochenende rechnet die Innenstaatssekretärin mit bis zu 500 Flüchtlingen.

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15. Juli 2015, 11:00 Uhr

Kurzfristig wurde es am Montag im Kieler Innenministerium entschieden, gestern dann in vielen Telefonaten und nachmittags auch in persönlichen Gesprächen festgeklopft: Die Stapelholm-Kaserne in Seeth, die erst am 30. Juni dieses Jahres von der Bundeswehr verlassen worden ist, wird eine vorläufige Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge. Bereits zum Wochenende, so Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler, rechne sie mit bis zu 500 Asyl-Bewerbern, die dort Quartier nehmen werden. Damit, so sagte sie gestern im Mildstedter Amtshaus, werde die Situation in Neumünster entschärft, wo Flüchtlinge bereits in einer Turnhalle untergebracht werden mussten.

Wer allerdings die vielen Menschen in der 600-Seelen-Gemeinde betreuen und verpflegen soll, steht noch nicht fest. Vermutlich soll dies zu Beginn die Feuerwehr gemeinsam mit anderen Hilfseinrichtungen übernehmen. Die Sicherheit wird durch die Polizei gewährleistet. Später, wenn es eine Ausschreibung gegeben hat, soll dies ein Wachdienst übernehmen.

Ganz kurzfristig habe man entscheiden müssen, unterstrich die Staatssekretärin, denn der Zustrom von Flüchtlingen übersteige alle Prognosen. So habe Schleswig-Holstein noch Anfang des Jahre Kritik anderer Länder einstecken müssen, weil es mit 20.000 Flüchtlingen in 2015 gerechnet habe. Nun sehe es so aus, dass diese Zahl sogar noch deutlich überschritten werde, sagte Manuela Söller-Winkler. Sie bedauerte, dass es so kurzfristig nicht möglich gewesen sei, die Bevölkerung zu informieren. Das soll nun am morgigen Donnerstag ab 19 Uhr in der Kaserne im Rahmen einer Einwohnerinformation nachgeholt werden. Auch die Kieler Politikerin wird kommen, um Informationen zu geben. Der Gast aus Kiel versicherte, dass Seeth nur ein Provisorium sei. Voraussichtlich im Jahr 2017, wenn die Erstaufnahme-Einrichtung in Heide fertig gestellt sein werde, solle Seeth, so zumindest die gegenwärtigen Planungen, wieder geschlossen werden.

Vorgesehen sind im Land drei solcher Einrichtungen, in Flensburg, Kiel und Lübeck, wobei sich gerade in jüngster Zeit Lübeck dagegen ausgesprochen hat. Doch aus der Verantwortung werde Lübeck nicht entlassen werden können, unterstrich Söller-Winkler.

Die Kaserne in Seeth sei für eine Flüchtlings-Unterkunft hervorragend geeignet, sagte Amtsvorsteher Ralf Heßmann, denn die Betten seien ja quasi noch warm. Natürlich werde es einige kleinere Umbauten geben, aber im Großen und Ganzen sei der Aufwand gering. Maximal sechs Wochen bleiben Asyl-Suchende in einer Erstaufnahme-Einrichtung, ehe sie an Kreise und Gemeinden verteilt werden. In der Praxis aber verweilen die Flüchtlinge dort nur zehn Tage. Die große Zahl der Bewerber lasse einen längeren Check nicht zu, sagte der Projektleiter Erstaufnahme-Einrichtungen, Thiemo Lüeße.

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