Verkehrskontrolle bei Wester-Ohrstedt : „Die Fahrzeugpapiere, bitte“

Dieses getunte Auto wurde von der Polizei genauer unter die Lupe genommen.
Dieses getunte Auto wurde von der Polizei genauer unter die Lupe genommen.

Große Verkehrskontrolle auf der B 201: Der Polizei geht unter anderem ein per Haftbefehl gesuchter Mann ins Netz.

shz.de von
07. Juni 2018, 11:00 Uhr

Wohin mit den Bienen, wenn für den Fahrer ein Haftbefehl vorliegt? Ist ein DDR-Führerschein noch gültig? Und gelten eigentlich die Abnahmebescheinigungen für technische Veränderungen, wenn sie jemand anderes als der TÜV ausgestellt hat? Diese und etliche andere Fragen hatten die Polizeibeamten am Mittwoch (6. Juni) bei der Großkontrolle auf der B 201 zwischen Wester- und Oster-Ohrstedt zu klären. Die Lösungen seien hier gleich verraten: Die Bienen wurden an einen schattigen Platz im Wald gefahren, der DDR-Führerschein wurde anerkannt, aber die Bescheinigungen, die ein Schleswiger Fahrer für seinen BMW vorlegte, konnten nicht anerkannt werden, da müssen TÜV-Bescheinigungen her.

Schweißtreibend war die Arbeit, die um 7 Uhr begonnen hatte, allemal – denn bis zum Mittag um 12 Uhr waren die Temperaturen auf 28 Grad angestiegen. Als „strategisch günstig“ erwies sich die Kreuzung zwischen Wester- und Oster-Ohrstedt: Ununterbrochen rollte der Verkehr zwischen Husum und Schleswig. Neben zehn Streifenwagen war auch der Zoll unter Leitung von Gerd Rennen mit im Einsatz. Was viele Autofahrer nicht wissen: Bei der Fahrzeugkontrolle hat der Zoll größere Befugnisse als die Polizei. So wurden auch bei dieser Großkontrolle schon mal Kofferräume und Taschen ausgepackt und die Sitzbänke angehoben.

Die Kontrollen stießen dabei durchweg auf eine sehr große Akzeptanz – allerdings schienen etliche Autofahrer die mit beidseitigen Schildern gut erkennbare Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 70 über 50 auf 30 lediglich für einen unverbindlichen Hinweis zu halten. Teilweise lebten die Beamten in der Kreuzungsmitte recht gefährlich. Das zivile Verfolgungsfahrzeug brauchte nicht eingesetzt zu werden.

Vermehrt gab es Beanstandungen hinsichtlich der Ladung der Fahrzeuge. „Viele Handwerker“, so bilanzierte Einsatzleiter Marco Brodersen, „haben es morgens wohl eilig und packen Werkzeuge und Material einfach ungesichert auf die Ladefläche im Fahrzeug und bedenken nicht, dass dies bei einem Verkehrsunfall schwerwiegende Folgen haben kann.“ Gravierend dabei ein Lkw, bei dem mehrere lose aufeinanderliegende Sofas und weitere Möbelstücke völlig ungesichert auf der Ladefläche lagen. „Bei einem Zusammenprall fliegen die schweren Möbel durch die dünnen Seitenwände nach draußen – mit verheerenden Folgen“, sagte Polizeikommissar Michael Wäthje.

Und immer wieder die große Suche: Wo liegen eigentlich Verbandskasten, Rettungsweste und Warndreieck? Ein Hauptaugenmerk lag auf Alkohol, Drogen und Medikamenten – und wiederholt wurden Fahrer „zum diskreten Pinkeln“ hinter einen großen Trafokasten gebeten. Als in einem Falle aus dem Fahrzeugschein auch gleich ein Geldschein herausflatterte, musste Dirk Jacobsen lachen: „Ein Bestechungsgeld?“ Ein dänischer Fahrer benötigte „dringend einen Hinweis auf den nächsten Lebensmittelladen, sonst verdurste ich“ – auch hier konnte Polizeikommissar Dirk Jacobsen helfen. Besorgt zeigte sich eine vorbeikommende Joggerin: „Darf ich da an den vielen Streifenwagen vorbeilaufen – das sieht ja unheimlich aus.“

Abschlussbilanz von Einsatzleiter Marco Brodersen: „Insgesamt haben wir 72 Ordnungswidrigkeiten festgestellt und 49 Kontrollberichte gefertigt. Erstaunlicherweise war das Hauptproblem die Ladungssicherheit bei Firmenfahrzeugen. Die häufigste Ausrede hierbei war: ‚Zu wenig Zeit‘. Und viele hatten keinen Führerschein dabei.“

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