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Interview zur Bundestagswahl 2017 : „Die Digitalisierung wird uns vor immense Aufgaben stellen“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie ticken die Direkt-Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis 2? Heute in unserem Kandidaten-Check: Michael Schilke (Die Linke).

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Noch 13 Tage bis zur Bundestagswahl. Im Wahlkreis Nordfriesland  / Dithmarschen-Nord buhlen am 24. September sieben Direktkandidaten um die Gunst der Wähler. Unsere Zeitung lässt sie zu Wort kommen. Heute: Michael Schilke (Die Linke). Der 52-Jährige, von Beruf IT-Fachangestellter, wohnt in Hochdonn ( Dithmarschen). Er ist ledig und hat einen Sohn.

Warum, glauben Sie, bekommen Sie hinter den zwei größten Parteien die meisten Stimmen?

Umfragen geben uns Recht, sehen uns bei neun Prozent. Die AfD ist leider zurzeit recht stark, aber ich glaube, dass wir von Platz drei als realistischem Ziel ausgehen können.


Welche drei Kreis-Themen stehen bei Ihnen ganz oben auf der Agenda?

Erstes Thema ist die chronische Unterfinanzierung unserer Städte, Gemeinden und des Kreises. Die Einnahmen im Bund sprudeln – und auf kommunaler Ebene fehlt es an allen Ecken und Enden. Ich glaube, da bedarf es einer grundlegenden Reform, damit – wie es im Gesetz verankert ist – die Gemeinden mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet sein sollen. Gerade vor Ort weiß man am besten, wo man investieren muss. Wenn man sich die Infrastruktur anschaut, ist die vielerorts in sehr beklagenswertem Zustand. Da bräuchte man nur Schulen und Straßen nennen.

Zweites Thema ist die Windenergie. Grundsätzlich sind wir für den Atomausstieg, daran möchte ich nicht rütteln. Das ist eine zentrale Aussage von uns, dass wir den forcieren müssen. Aber wir haben das Problem, dass wir den zuviel produzierten Strom nicht abtransportieren können. Die Netze dafür sind nicht vorhanden. Außerdem geht die EEG-Umlage zu Lasten unserer Bürger, was so nicht akzeptabel ist. Ich glaube, die Politik hat versäumt, die Bürger mitzunehmen. Es wäre viel besser gewesen, wenn auch Kommunen direkt hätten investieren können. Dann wäre die Akzeptanz vielleicht höher. Dann hätte man auch die Wind-Euros der Allgemeinheit zugute kommen lassen. Geld für das neue Feuerwehrauto oder was auch immer. Aktuell kommen wir um den Netzausbau nicht herum.

Problematisch sind die neuen Abstandsregeln, die zur Disposition stehen. So gesehen kann man gar keine neuen Windparks bauen. Das müsste massiv korrigiert werden. Ausgerechnet die Landräte Dr. Jörn Klimant in Dithmarschen und Dieter Harrsen in Nordfriesland haben viele Gebiete herausnehmen lassen, womit die Leute auf der Geest wirtschaftlich abgehängt worden sind. Wogegen wir vehement eintreten, dass ausländische Investoren übers Land ziehen, sich geeignete Windstandorte anschauen und dem Besitzer 70.000 Euro Jahrespacht für 20 Jahre im Vorlauf geben – das macht 1,4 Millionen Euro – wie Bürgerinitiativen im Dithmarscher Kreistag berichtet haben. Das ist der falsche Weg. Das können wir nicht gutheißen. Davon müssen alle profitieren.

Punkt drei ist – exemplarisch – die Gieselau-Schleuse. Die darf aus touristischer Sicht nicht vernachlässigt werden. Der Bund lässt Wasserstraßen und Schleusen verkommen und versucht, Kreise und Land zu gewinnen, einzuspringen. Ein völlig falscher Weg. Dann ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen. Es gab Gespräche mit Verkehrsminister Dobrindt, aber nun holt unser Verkehrsminister im Land erst einmal ein Rechtsgutachten ein. Das wird unsere Haltung bestätigen. Dann müsste man rechtliche Schritte einleiten.


Was ist Ihr Rezept, um die Wähler wieder mehr mitzunehmen?
Wir kooperieren stark mit Bürgerinitiativen, die unsere Ziele unterstützen. Ich nenne die Atomkraftgegner und die Friedensbewegung. Zudem haben wir nach der Landtagswahl reihenweise Eintritte verzeichnen können. Das hat uns enorm Rückenwind gegeben. Wir freuen uns auch, dass junge Leute zu uns finden. So lassen sich Aufgaben gut auf mehrere Schultern verteilen. Auch das stetige Gespräch auf der Straße ist uns wichtig. So sind wir jede Woche auf dem Markt in Heide zu finden.

Kommen wir auf die B5 zu sprechen: Welche konkreten Möglichkeiten haben Sie im Bundestag, um den Ausbau voranzubringen?

Von der Eiderbrücke bis zur dänischen Grenze ist die Lage prekär. Ich stehe für den dreistreifigen Ausbau der B5 gerade. Hätten Sie mich nach der A20 gefragt, dann hätte ich eine andere Position bezogen. Ich möchte auch, dass ganz massiv in die Elektrifizierung der Marschbahn investiert wird – bis hinüber nach Sylt. Der Ausbau der B5, das ist eine Sache, für die wir parteiübergreifend Allianzen schmieden müssen.

Blenden Sie bitte mal alles aus, was wir bis hierher gesprochen haben: Eine Fee kommt und Sie dürfen sich für NF etwas ganz Neues wünschen – die Standardthemen ausgenommen?

Die Arbeit der Fee verbinde ich durchaus mit dem Thema der Erneuerbaren Energie. Wo es so viel grünen Strom gibt, sollten sich produzierende Firmen ansiedeln. Ich nenne ein Thema: Rechenzentren verbrauchen irrsinnig viel Strom. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier in Nordfriesland Rechenzentren größeren Stils angesiedelt werden – auch von Apple oder Google. Die Auslagerung von Daten in Clouds ist nur einer der Gründe, warum mehr Rechenzentren benötigt werden. In Dänemark gibt es so etwas schon, regelrechte Farmen. Ohnehin wird uns die Digitalisierung 4.0 vor immense Aufgaben stellen, da bleibt womöglich kein Stein auf dem anderen.

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