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Angebote für Kinder und Jugendliche : Die Brille der Erwachsenen absetzen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Segeltörn, Klettertour und Zirkus-Workshop: Das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland hat sein neues umfangreiches Freizeitprogramm vorgelegt.

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erstellt am 06.Apr.2016 | 09:00 Uhr

Der große Tisch ist übersät mit kleinen grün-orangefarbenen Mini-Heftchen. Susanne Kunsmann zieht eines heraus und hält es hoch. „Die passen in jede Hosentasche. Praktisch, oder?“, sagt die Leiterin des Evangelischen Kinder- und Jugendbüros (EKJB) Nordfriesland und lächelt. 1500 Exemplare wurden von den kompakten Broschüren gedruckt, die das Jahresprogramm für Kinder und junge Erwachsene von sieben bis Anfang zwanzig enthalten. Ob Segeltörn, Klettertour, Zirkus-Workshop oder Line-Dance-Kurs – hier ist für jeden etwas dabei. Wer will, kann Abenteuer auf der Treene erleben, sich in die Geheimnisse der Zauberei einführen lassen, Experte für Erste Hilfe oder Jugendhelfer werden und Jugendliche aus Lettland treffen. „Hier kann und darf jeder genau so sein, wie er ist“, erklärt die Diakonin, die den Freizeitkatalog gemeinsam mit Sozialpädagogin Anne Ihme und der pädagogischen Mitarbeiterin Toby Möller zusammengestellt hat.

Das Angebot des EKJB richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen von „Sylt bis St. Peter-Ording, von Amrum bis Joldelund“, erklärt Ihme. Sprachliche und finanzielle Hürden werden genauso überwunden wie andere Handicaps. „Ihr müsst nichts Besonderes tun, können oder mitbringen, außer Euch selbst“, so die Mitarbeiterinnen unisono. Die Büros – neben Husum gibt es einen zweiten Standort in Niebüll – sind zuständig für insgesamt 66 Kirchengemeinden in Nordfriesland.

Neu im Programm ist der Kurs „We respect for kids“, den Susanne Kunsmann anbietet. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit Konflikten und sozialen Medien. „Wird das gut angenommen, weiten wir das Angebot in dem Bereich 2017 aus“, so Kunsmann. Auch ein Naturseminar ist dabei. In „Outdoor for kids“ dreht sich alles um das Thema Klima. So wird ein Wochenende draußen verbracht – ohne Strom und Mobiltelefon. Ein weiterer Höhepunkt im Programm ist die zehntägige Zirkus-Freizeit „Watt’n Zirkus“ – davon ist Toby Möller überzeugt, die das Projekt leitet. Sie kann sich gut vorstellen, dass die Freizeit auch für Flüchtlingskinder eine Gelegenheit wäre, mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen. Die Teilnehmer können alles ausprobieren – von Einradfahren über Akrobatik bis hin zum Jonglieren. „Sprachbarrieren spielen kaum eine Rolle – hier kommt es im wahrsten Sinne des Wortes auf Hände und Füße an“, erklärt Möller. Die 33-Jährige ist der Neuzugang im fünfköpfigen Jugendbüro-Team, dem neben Kunsmann und Ihme auch Carola Nickels und Nele Magnussen angehören. Die studierte Theologin ist seit Anfang des Jahres für Freizeit- und Bildungsarbeit zuständig und kümmert sich um die Ehrenamtlichen-Fortbildung vor Ort und in den Gemeinden. Sie ist außerdem leidenschaftliche Musikerin, singt, spielt Gitarre, Trompete, Flöte und Posaune. Die Eckernförderin hofft, dass sie die Jugendlichen ebenso über und für die Musik begeistern kann.

Die Organisatorinnen legen großen Wert darauf, dass Kinder und Jugendliche mit Handicap ihre Angebote ebenfalls wahrnehmen können. „Wir haben uns vorgenommen, bei der Gestaltung der Freizeiten verstärkt auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung einzugehen“, so Kunsmann. In der Broschüre sind deshalb auch alle Veranstaltungen, bei denen es mehr Betreuer als üblich gibt, mit dem Stempel „Wir denken inklusiv“ gekennzeichnet. Gibt es Bedenken, dass es dadurch Probleme zwischen den Kindern geben könnte? „Nein“, antwortet Kunsmann. „Geschwindigkeiten sind ein Thema der Erwachsenen, nicht der Kinder. Die Kunst dabei ist, die jeweiligen Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern offen zu behandeln und niemanden aus dem Blick zu verlieren.“

Die Brille der Erwachsenen muss abgesetzt werden, ist die EKJB-Leiterin überzeugt. „Wir legen den Fokus auf die Stärken, nicht auf die Schwächen. Im Gegensatz zur Schule haben wir hier einen entscheidenden Vorteil“, ergänzt Ihme und schaut dabei ihre Kolleginnen an. „Wir können die Leute einfach mitnehmen – sie müssen keine Leistung erbringen und wir nichts bewerten.“ Die anderen beiden nicken. Kunsmann, die seit 13 Jahren dabei ist, überlegt einen Augenblick. „Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir so wahnsinnig viele Erfolgsgeschichten haben. Die Kinder und Jugendlichen haben die Chance, bei uns zu wachsen“, erklärt sie dann. So haben sich zum Beispiel schon Schulverweigerer zu Gruppenleitern hochgearbeitet. Damit die Veranstaltungen auch für Eltern, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben, finanziert werden können, wurde der Fonds „Ich für Dich“ ins Leben gerufen, aus dem Mittel beantragt werden können.

Bleibt noch eine Frage. Was ist mit dem Jahresmotto „Da ist noch mehr“ gemeint? Vor allem gehe es darum, Vorurteile abzubauen. „Beim Nachwuchs ist alles bis ins kleinste Detail durchgetaktet: Schule, Musikunterricht, Sport. Wir wollen deutlich machen, dass es im Leben nicht nur darum geht, der oder die Beste zu sein. Da gibt es noch mehr“, macht Möller deutlich.


Der Katalog wird auf Anfrage zugeschickt (Telefon 04661/1462) oder kann unter www.ev-kinderundjugend-nf.de heruntergeladen werden. Hier gibt es auch Informationen zum Thema finanzielle Hilfen.

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