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Großer Garten vor Abriss : Die Bagger können jetzt anrollen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Friedrichstädter Traditionslokal Großer Garten wird abgerissen, nachdem am Wochenende die letzte Frist für einen örtlichen Investor verstrichen ist. Das Areal soll nun eingeebnet werden. Erste Voranfragen für eine spätere Bebauung liegen vor.

Ein wenig Wehmut schwingt in der Stimme von Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt mit. „Jetzt ist es sicher, der Große Garten wird abgerissen“, sagt er und ergänzt: „An das Lokal habe ich persönlich viele schöne Erinnerungen. Auch viele Friedrichstädter und Menschen aus dem Umland werden sich bestimmt gern an die vielen Feste im Großen Garten erinnern, doch die Entscheidung steht.“ Noch bis zum vergangenen Sonntag hatte es Hoffnung gegeben, das ehemalige weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Ausflugslokal, vielleicht in Teilen erhalten zu können. Doch der Interessent aus Friedrichstadt, der dort ein Apartment-Hotel errichten wollte, ist abgesprungen. Immerhin war in der April-Sitzung des Finanzausschusses von einem Investitionsvolumen von rund sechs Millionen Euro die Rede. 50 bis 55 Apartments sollte das Haus erhalten.

„Nun“, sagt Vogt, „können die Bagger anrollen. Preise bei drei Abbruchunternehmen seien bereits eingeholt, jetzt müsse nur der günstigste Anbieter ausgewählt und der Auftrag erteilt werden. Dann, so meint der Bürgermeister, könnten schon in den nächsten Tagen die Arbeiten beginnen. Das Areal solle möglichst schnell eingeebnet werden.

Für das als Traumgrundstück bezeichnete Gelände gibt es aber bereits drei Voranfragen. Allerdings, so unterstreicht Vogt, lägen noch keinerlei Planungen vor. Interesse an dem dann schieren Areal in unmittelbarer Nachbarschaft von Tennis- Segel- und Fußballclub und Badestrand, hätten Investoren, die sich dort ein Seniorendomizil, eine Wohnanlage oder ein Hotel vorstellen könnten.

Der Große Garten ist in seinem Bestand nicht mehr zu retten, da große Teile bereits sehr stark vom Hausschwamm befallen seien, unterstreicht Vogt. Hinzu kommt, wie der Planer Im Frühjahr erläuterte, dass auch die Bausubstanz des Theatersaals durch eindringende Feuchtigkeit derart in Mitleidenschaft gezogen worden ist, dass eine Instandsetzung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.

In den vergangenen Jahren für heftigen Ärger in der Stadt gesorgt. Dies ging soweit, dass selbst jahrelange Bekannte nur noch mühsam ein Moin herausbringen, wenn sie sich begegnen.

Der Große Garten befindet sich im Besitz der Stadt und bereitet ihr schon seit Jahren große Probleme. Sie muss das marode Gebäude vor dem Verfall bewahren. Das kostet die hoch verschuldete Stadt jährlich rund 20000 Euro. Endlich schien 2011 das Ende der Misere in Sicht, ein Dithmarscher Hotelier wollte dort, unmittelbar neben dem Stapelholmer Platz, ein hochmodernes Familienhotel errichten. Gegen die Pläne liefen die Anlieger Sturm. Die Kommunalpolitiker waren dagegen froh, den Klotz los zu sein. Also wurde der B-Plan gezielt für das Vorhaben Familienhotel aufgestellt. Doch der Investor verabschiedete sich wieder von seinen Plänen, es fehlte das Kapital. Bis Ende August 2012 sollte gewartet werden, ob es neue Interessenten für die Übernahme des einstigen Lokals geben würde, doch nach Auskunft der Stadt war der Große Garten unverkäuflich. In der Januar-Sitzung des Kommunal- und Finanzausschusses wurde dann mehrheitlich beschlossen, der Stadtvertretung zu empfehlen, den Komplex abzureißen. Dies würde die Stadtkasse einmalig rund 50 000 Euro kosten. Nach diesem Beschluss meldete sich Julia Schröder von der gleichnamigen Reederei im Ort zu Wort. Sie teilte mit, dass sie bereits seit langem auf eine Antwort der Stadt auf ihre Kaufanfrage warte, schließlich wolle sie den Gebäude-Komplex gerne übernehmen. Doch daraus ist nichts geworden, der Bürgermeister verkündete gestern den Abriss.

Die wohl letzte Veranstaltung im Großen Garten dürfte heute stattfinden. Erstmals wird im Rahmen der Pole Poppenspäler Tage auch Figurentheater in Friedrichstadt präsentiert. Um 19 Uhr zeigt das Fliegende Theater Berlin das Stück: Anne Frank – verstecktes Leben. Anne Frank und ihre Familie lebten zwischen 1942 und 1944 versteckt vor den Nazis in einem Hinterhaus in Amsterdam. Über diese Zeit schrieb sie alles in ihr Tagebuch. Was für ein Leben! Immer in Angst, entdeckt zu werden. Ausgesperrt vom wirklichen Leben. In einer außergewöhnlichen Theaterperformance wird die Geschichte dieses lebensbedrohlichen, extrem eingeschränkten Daseins erzählt. Eigentlich sollte das Stück in der Kultur-und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge aufgeführt werden, doch diese lässt sich nicht total verdunkeln, dies ist nur im alten Theatersaal des Großen Gartens möglich.

Wer Interesse am Restinventar, Tischen und Stühle, hat, kann sich bei der Stadt melden.

 

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erstellt am 18.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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