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EU-gefördertes Langzeit-Projekt : Die Bäume der Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Husum und drei anderen Städten Schleswig-Holsteins wird Bepflanzung getestet, die dem Klimawandel trotzen soll. Mindestens zehn Jahre sollen sie beobachtet und Daten erhoben werden.

„Wenn es um die Zukunft der Welt geht, ist Husum natürlich dabei“, sagt Bürgermeister Uwe Schmitz. Und tatsächlich ist das Projekt „ Baumgrün 2025“ darauf ausgelegt, die Natur auch für künftige Generationen zu sichern. „Damit wollen wir herausfinden, welche Bäume unter dem Einfluss des Klimawandels zukunftstauglich sind“, erläutert Dr. Andreas Wrede von der Kieler Landwirtschaftskammer, während er zusieht, wie Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs Husum (KSH) eine Reihe Zürgelbäume in der Charlotte-von-Krogh-Straße einpflanzen. Wrede ist zuständig für den auf zweieinhalb Jahre angelegten Versuch, der von der EU im Rahmen des Agrarbereichs der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) gefördert wird und an dem in Schleswig-Holstein vier Städte beteiligt sind: Kiel, Lübeck, Heide und eben die Storm-Stadt.

Wrede und seine Mitarbeiter in der Kammer werden einmal pro Monat beobachten, wie sich die Bäume entwickeln: „Wir wollen wissen, wann sie austreiben, wann sie blühen und wann sie das Laub abwerfen, ob es Krankheitsbefall, Winter- oder Sturmschäden gibt – alle Fakten sind für uns wichtig.“ Um die Bäume in der recht extremen Witterung an der Nordsee mit ihrer salzhaltigen Luft zu testen, sei Husum als Standort ausgewählt worden. „50 Bäume werden dazu in den Baugebieten Kronenburg und Buschkamp gepflanzt.“ Die hätten zusammen 7000 Euro gekostet. „Aber nur in der Anschaffung, für die Pflanzung muss man diese Summe noch mit fünf multiplizieren.“ Insgesamt hat das Land 300 Bäume für zusammen 45.000 Euro gekauft, und zwar 20 verschiedene Arten. Von denen werden jeweils fünf Exemplare einer Sorte in jeweils drei Städten eingesetzt und fortlaufend kontrolliert, um repräsentative Ergebnisse für Norddeutschland zu erhalten. In Zusammenarbeit mit dem bayerischen Projekt „Stadtgrün 2021“ sollen dadurch belastbare Ergebnisse für ganz Deutschland und das angrenzende europäische Ausland bereitgestellt werden können.

Für die Baumschulen ist der Zukunftsbaum ein existenzielles Thema: „Dieser Versuch liefert uns auch Erfahrungen für die Wirtschaftlichkeit“, sagt Jens Sander von der Baumschule Sander in Tornesch, die einen Teil der Bäume geliefert hat. Da die Kulturzeit von der Jungpflanze bis zum fertigen Baum zwölf bis 15 Jahre beträgt, stehen die Baumschulen unter Zeitdruck, Arten zu identifizieren, die dem Klimawandel widerstehen. Denn: „Viele unserer heimischen Sorten werden das nicht können“, so Sander.

Von Seiten der Stadt aus kümmert sich Mario Kröger vom Bauamt in Zusammenarbeit mit KSH-Teamleiter Dirk Dibbern um das EIP-Vorhaben. Und das ist nur ein Anschub-Projekt: „Aufgrund der Langlebigkeit von Gehölzen und der eher schleichend erfolgenden Änderung des Klimas müssen wir für eine abschließende Beurteilung mindestens zehn Jahre lang Daten erheben“, so Wrede.

 

Die zehn Sorten in Husum

In Husum werden zehn von  20 verschiedenen Baumarten angepflanzt, die auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden sollen:

 Dreispitz-Ahorn (Acer buergerianum), aus Japan und Ost-China

 Purpur-Erle (Alnus x spaethii), eine Kreuzung aus zwei Arten

 Zürgelbaum ( Celtis Australis), aus Südosteuropa und Westasien

 Säulen-Fächerblattbaum (Ginkgo biloba „Fastigiata“), aus China

 Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), aus Südosteuropa und Westasien

 Morgenländische Platane (Platanus orientalis), aus Südosteuropa und Westasien

 Zerr-Eiche (Quercus cerris), aus Südosteuropa und Westasien

 Silber-Linde (Tilia tomentosa „Brabant“), aus Südosteuropa und Westasien

 Resista-Ulme (Ulmus „Rebona“), Züchtung aus den USA

 Zelkove (Zelkova serrata „Green Vase“), aus China, Japan und Korea

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erstellt am 08.Apr.2016 | 09:00 Uhr

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