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GEdenken an Unfallopfer : Die B 5 wird zum Ort der Trauer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Hunderte Menschen sind bislang zur Unfallstelle beim Bahnübergang Platenhörn gekommen, wo am Dienstag ein 24-jähriger Mann starb. Keiner, der die Unglücksstelle nicht mit Tränen und tiefer Betroffenheit verlässt.

Der schwere Verkehrsunfall am Dienstagmorgen hat in der Region eine große Welle der Anteilnahme ausgelöst. Hunderte Menschen sind bislang zur Unfallstelle an der Bundesstraße 5 gleich hinter dem Bahnübergang Platenhörn gekommen. Es brennen Kerzen, Blumen sind niedergelegt worden.

Dort war am Dienstag ein 24-jähriger Husumer gestorben, nachdem ein BMW mit überhöhter Geschwindigkeit in sein Golf-Cabrio geprallt war. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Unfallverursacher, ein ebenfalls 24-jähriger Mann, aus Richtung Tönning kommend zwei Laster und ein Auto überholt. Kurz hinter dem Bahnübergang mündet die Kreisstraße 55 in die B 5. Das Unfallopfer bog von dort nach links in die Bundesstraße ein, dabei konnte er allerdings den BMW nicht sehen, wie die Polizei mitteilt. Es kam zur Kollision. An dieser Stelle ist Tempo 70 vorgeschrieben und Überholen verboten. Beide Männer waren auf dem Weg zur Arbeit. Die Autos sind von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Der Dekra-Sachverständige Ole Piening hat die technische Auswertung übernommen.

Bereits am Dienstagabend finden sich viele trauernde Menschen am Unfallort ein. Die Fahrzeuge stehen entlang der B 5 und in den angrenzenden Nebenstraßen. Verkehrsbehinderungen gibt es durch die beleuchteten Autos jedoch nicht. Trauer, tiefe Trauer bewegt die Menschen dort in der Dunkelheit. Sie stehen schweigend an der Kreuzung der B 5 mit der Kreisstraße 55. Fast alle sind noch jung, sie sind fassungslos, sprachlos. Sie halten sich bei den Händen. Eine blonde junge Frau weint. Ein junger Mann schüttelt den Kopf: Nein, sagen möchte er in diesem Moment nichts. Viele halten Kerzen in den Händen.

Am Tag danach zeigt sich blauer Himmel über der Unfallstelle. Glassplitter liegen verstreut. Eine junge Frau legt einen Blumenstrauß neben die vielen noch brennenden Grablichter. Kurz darauf hält auch ein Arbeitskollege des Verstorbenen an. Sie stehen stumm am Unglücksort, versuchen sich vorzustellen, was passiert ist. Eine Frau mittleren Alters lenkt ihren Wagen in den Nebenweg, sie betrachtet den Unfallort aus der Entfernung, geht ein paar Schritte auf und ab. Vier Streifenwagen habe er am Vortag im Vorbeifahren gesehen, sagt ein anderer, „und eine Decke, unter der jemand lag“.

Viele Autofahrer, die vorbeifahren, bremsen. Neben Blumensträußen und Kerzen wacht auch ein Engel an der Unfallstelle. Daneben auf einem in Folie versiegelten Blatt Papier die in bunten Farben gehaltene Inschrift: „Du liebtest Sonnenauf- und untergang. Jetzt werden wir bei jedem an Dich denken.“ Keiner, der die Unglücksstelle nicht mit Tränen und tiefer Betroffenheit verlässt.

Wenige Meter entfernt rollt unterdessen weiter Fahrzeug an Fahrzeug auf der Schnellstraße vorbei. „Wie viele Menschen müssen noch auf dieser verfluchten Straße ihr Leben lassen?“ hatte am Vorabend eine ältere Trauerteilnehmerin gefragt – und weinend gesagt: „Oder berührt das nur uns, die wir denjenigen kannten? Gibt es nichts, dass die Verantwortlichen aufrüttelt?“ Seit Jahren wird um den Ausbau dieser „Lebensader“ gerungen. In der Hoffnung, dass sie dann sicherer wird.

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