Neuer Kreistag Nordfriesland : „Die Auftragsbücher sind voll“

Blumen, Föhrer Wein und die besten Wünsche für den wiedergewählten Kreispräsidenten Heinz Maurus (l.). Alterspräsident Manfred Thomas (Die Linke) verpflichtete den Sylter Christdemokraten in das Amt.
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Blumen, Föhrer Wein und die besten Wünsche für den wiedergewählten Kreispräsidenten Heinz Maurus (l.). Alterspräsident Manfred Thomas (Die Linke) verpflichtete den Sylter Christdemokraten in das Amt.

Der nordfriesische Kreistag hat seine Arbeit aufgenommen. Alter und neuer Kreispräsident ist der Sylter Heinz Maurus (CDU).

shz.de von
30. Juni 2018, 13:00 Uhr

Es hat wirklich nicht viel gefehlt. Fast wäre die konstituierende Sitzung des neuen Kreistages Nordfriesland gestern angesichts vieler Freundlichkeiten und ausnahmslos einstimmiger Entscheidungen zu einem Festival der Harmonie mutiert. Bei 56 Abgeordneten aus neun Parteien, die sich – teilweise unter Geburtswehen – zu sieben Fraktionen zusammengefunden haben, wäre das jedoch wohl auch ein bisschen zu viel des Guten gewesen. Der Stachel sitzt hier und da noch tief. Und vielleicht war es den besonnenen Eingangsworten des einstimmig im Amt bestätigten Kreispräsidenten Heinz Maurus (CDU) zu verdanken, dass ein verbales Scharmützel von SSW und SPD nicht zur Schlammschlacht ausartete.

Heinz Maurus gemahnte die Abgeordneten zu klaren Positionen und Worten, insbesondere aber vollem Engagement zum Wohle des Kreises Nordfriesland und seiner Menschen. Dabei führte er allen noch einmal vor Augen, dass der Kreistag kein Parlament mit Regierung und Opposition ist, sondern ein Selbstverwaltungs- und Kollegial-Organ. Sein dringlicher Appell: „Die Auftragsbücher sind voll – lassen Sie uns jetzt anpacken, denn fünf Jahre vergehen wie im Flug.“ Neben seinem Hinweis auf die zentralen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Herausforderungen Nordfrieslands betonte Maurus: „Wir können beim friedlichen Miteinander von Mehrheit und Minderheiten mit unserer guten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Vorbild für viele Regionen Europas und der Welt sein.“

Der neue und alte Kreispräsident war vom Alterspräsidenten Manfred Thomas (Jahrgang 1943), der für die Linke im Kreistag sitzt und sich der SSW-Fraktion angeschlossen hat, mit vielen guten Worten ins Amt verpflichtet worden: „Bleiben Sie, wie Sie sind, mit Witz und manchmal auch ein bisschen scharfzüngig.“ Thomas schlug aber mit Blick auf die geringe Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl nachdenkliche Töne an: „Das macht die Politikverdrossenheit deutlich.“ Und die habe mit dafür gesorgt, dass eine Gruppierung in den Kreistag eingezogen ist, deren Namen der Alterspräsident tunlichst vermied. Die beiden AfD-Abgeordneten ließen es unkommentiert stehen, dass Manfred Thomas dazu aufforderte: „Als Demokraten ist es unsere Pflicht, diese Gruppierung mit Argumenten zu stellen.“

Da die Jamaika-Kooperation von CDU, Grünen und FDP wie angekündigt darauf verzichtete, mit ihrer Mehrheit von 32 Abgeordneten auf so viele Sitze und Posten wie möglich zuzugreifen, kam bei deren Verteilung die Verhältniswahl zum Zuge. Die Entscheidungen darüber – allesamt ohne geheime Wahlen – fielen bis auf wenige Enthaltungen im Einzelfall ebenso einstimmig aus wie die Voten für eine modifizierte Hauptsatzung und Neufassung der Kreistags-Geschäftsordnung.

Erster stellvertretender Kreispräsident bleibt Siegfried Puschmann (SPD), der zweite ist nun Danny Greulich (Grüne). Als stellvertretende Landräte gewählt und als Ehrenbeamte vereidigt wurden in dieser Reihenfolge: Florian Lorenzen (CDU), Carsten F. Sörensen (SPD) und Uwe Schwalm (Grüne). Anschließend wurden reibungslos und konfliktfrei die Ausschüsse und Positionen in diversen Gremien besetzt, in denen der Kreis Sitz und Stimme hat.

Zuvor hatte SSW-Fraktions-Chef Ulrich Stellfeld-Petersen allerdings noch seine Ex-Mitstreiterin Susanne Rignanese aufgefordert, ihr über den SSW gewonnenes Kreistags-Mandat zurückzugeben. Die inzwischen parteilose Rignanese hatte sich offenbar nach internen Querelen aus eigenem Antrieb der SPD-Fraktion angeschlossen (wir berichteten) – unter Umständen, die für Ulrich Stellfeld-Petersen „mehr als ein Geschmäckle hinterlassen“. „Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, wenn der SSW zum Rosenkrieg übergeht“, konterte SPD-Fraktions-Chef Thomas Nissen. Er verwahrte sich aber gegen „böse Unterstellungen“ zu zeitlichen Abläufen. Im Übrigen habe die SPD keine Vorteile durch den Fraktionswechsel: „Uns war bewusst, dass Susanne Rignanese keine Mitgift mitbringt in Form von Posten.“ Und einen Seitenhieb setzte Nissen noch: Gemessen am Wahlergebnis habe die Personalie auch für den SSW keine Nachteile gebracht. Dadurch sei lediglich der Deal mit Manfred Thomas geplatzt, der es nun innerhalb weniger Jahre geschafft habe, vier Fraktionen im Kreistag anzugehören.

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