Persischer Abend : Die alte Heimat der neuen vorstellen

Hat sich gut eingelebt in Nordfriesland. In den Iran darf Parissa Abbassi nicht zurück.
Hat sich gut eingelebt in Nordfriesland. In den Iran darf Parissa Abbassi nicht zurück.

Parissa Abbassi lädt für Sonntag (28. Juni) zu einem Persischen Abend mit Bilderreise, Musik und Kostproben in den Husumer Speicher ein.

shz.de von
26. Juni 2015, 12:00 Uhr

Mit einem „Persischen Abend“ am Sonntag, 28. Juni, möchte Parissa Abbassi im Speicher für mehr Verständnis unter den Menschen werben: „Wenn man sich kennenlernt, kann man sich auch verstehen.“ Die gebürtige Iranerin wird von 17 bis 19 Uhr über das Leben in ihrem Heimatland berichten. Seit 2013 lebt sie in Nordfriesland. Zurzeit arbeitet die
31-Jährige als Zeichenlehrerin beim Kinderschutzbund und gibt Pilates-Kurse in der Volkshochschule. Außerdem ist sie Familienlotsin für Persisch sprechende Flüchtlinge.

Am Sonntagabend lädt die junge Frau zu einer Bilderreise ein mit eigenen Fotos aus dem Iran und erzählt von ihrem Leben dort. Parissa Abbassi liest neue persische Gedichte und bietet Kostproben aus der Küche des Landes an. Vom grünen Norden des Iran werden ihre Gäste durch Berge und Wüsten bis in den Süden und ans Meer geführt. Neben der abwechslungsreichen Landschaft stellt sie das Alltagsleben der Menschen vor. Und Musik bringt Parissa Abbassi mit: iranischen Pop, Klassik und persische Volksmusik. Auch auf traditionelle Feste wird die junge Frau eingehen.

Geboren 1984 in Isfahan hat Parissa Abbassi Grafikdesign in Teheran studiert. Sie organisierte und leitete dann Reisen durch das Land und hat zahlreiche Fotodokumentationen  erstellt. Auslandsreisen sind für Iraner  schwierig, da sie nur für wenige Länder ein Visum bekommen.

Vor zweieinhalb  Jahren flüchtete Parissa Abbassi. Von Bremen aus wurde sie nach Neumünster in die Zentrale Flüchtlingsaufnahme für Schleswig-Holstein geschickt. Dort stellte sie einen Asylantrag; seit wenigen Tagen ist sie als Flüchtling anerkannt.

In Neumünster hatte die Iranerin sich nicht getraut, ihr Zimmer zu verlassen: aus Angst vor den vielen anderen Menschen aus verschiedenen Kulturen. Ein Mitarbeiter der Flüchtlingseinrichtung stellte ihr Deutschbücher zur Verfügung, und so verbrachte Parissa Abbassi die Zeit damit, sich selbst in die fremde Sprache einzufinden. Der Mann und seine Familie haben sie auch später, als sie schon in Nordfriesland lebte, unterstützt. „Ohne diese Hilfe hätte ich es nicht geschafft.“

Noch schwieriger war für sie die Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Niebüll. Zwei Monate lang musste Parissa Abbassi als einzige Frau mit den männlichen Flüchtlingen  Toilette, Bad und Küche teilen. „Das war für mich sehr schlimm.“ Auch in der Zeit, als sie auf Nordstrand untergebracht war, hatte sie sich nicht getraut, Kontakte zu knüpfen. Mit ein Grund waren ihre mangelhaften Deutschkenntnisse. Doch einen Anspruch auf Sprachkurse haben Flüchtlinge erst, wenn sie anerkannt sind – und so lernte Parissa Abbassi allein mit ihren Büchern weiter. Erst durch einen Berufsorientierungskursus ergaben sich Kontakte – und durch zwei Praktika gelang es ihr endgültig, ihre Isolation zu überwinden. Inzwischen kann die Iranerin über ihre erste Heimat reden und pflegt neben einem deutschen Freundeskreis auch Begegnungen mit Landsleuten. Eine Wunde wird aber nie verheilen. „Als Geflüchtete darf ich den Iran nie wieder betreten.“ Dass sie dennoch frei über ihr Land erzählen kann, hat einen guten Grund: „Ich merke, dass ich im Leben angekommen bin.“


Um Anmeldung wird unter Telefon 04841/65000 oder per Mail an info@speicher-husum.de gebeten.

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