zur Navigation springen

Enttäuschung bei Schülern : Die Absage kam per SMS

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Tönninger Schüler organisieren eine Ausstellung zum Thema Flucht. Zur Eröffnung hatte sich der Asylbeauftragte des Landes angesagt. Doch wenige Minuten vor der Eröffnung sagt er seine Teilnahme ab – per SMS.

Menschen auf der Flucht ist der Titel einer Ausstellung, die von den Schülern der Klasse 11 der Grund- und Gemeinschaftsschule Tönning mit Klassenlehrerin Lina Michalzik erarbeitet wurden. In den vergangenen Monaten hatten sie das Thema ausgearbeitet und beeindruckende Zahlen und Fakten zusammen getragen. Dazu wurde der Flüchtlingsbeauftragte des Landes, Stefan Schmidt, eingeladen, der sein Kommen auch zugesagt hatte. Zur Eröffnung der Ausstellung im Eingangsbereich der Sporthalle wurden die Schüler jedoch enttäuscht. „Per SMS bekam ich von Schmidt die Nachricht, dass er keine Zeit hätte“, so die Klassenlehrerin.

Dies löste auch bei den Besuchern und Eltern viel Ärger aus. „Die Schüler haben sich in dieses Thema reingekniet und dann werden sie von dem ehemaligen Kapitän des Hilfsschiffes Cap Anamur quasi vor die Tür gesetzt“, hieß es in der runde. Man könne doch froh sein, wenn sich junge Menschen mit diesem sensiblen Thema befassen. „Da wirkt die Absage von Schmidt wie eine schallende Ohrfeige“, wetterte ein Elternpaar. Ein vorbildliches Verhalten sei dies auf keinen Fall. Auch Schulleiterin Telse Schreiber zeigte sich zutiefst enttäuscht, auch über die Art und Weise der Absage. „Dieses Thema muss uns aufrütteln und darf uns nicht kalt lassen“, so Schreiber.

Plakate hängen im Eingangsbereich der Sporthalle, wo sie bis zu Beginn der kommenden Schulferien auf das Leid der Menschen hinweisen sollen. „Warum flüchten die Menschen aus ihrer Heimat – wie können wir helfen.“ Mit diesen und anderen Fragen hatten sich die Schüler beschäftigt. Dabei zeigten sie die Hauptwege der derzeit 60 Millionen Flüchtlinge auf. Krieg, Verfolgung, Terror und Folter seien die Gründe, die die Menschen zur Flucht bewegten. Doch die meisten würden in die Nachbarländer ausweichen.

Laut Genfer Konvention ist ein Flüchtling eine Person, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen politischer Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, stellten die Schüler klar. Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit sowie Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte seien Werte, auf die die Flüchtliche ein Recht hätten. „Das oberste Ziel muss eine Asylpolitk mit einer gemeinsamen und fairen Lösung für alle sein“, so die Forderung der Schüler. Doch anhand von Mare Nostrum und Triton machten sie deutlich, dass die EU davon noch weit entfernt sei. Mit Triton habe die EU das Ziel, nicht die Menschen zu retten, sondern die Genzen vor illegaler Einwanderung zu schützen. Da habe es nach dem Krieg ganz anders ausgesehen. Vor 70 Jahren habe ein zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge aufgenommen. „Warum kann heute eines der wirtschaftlich stärksten Länder eine Großzahl von Flüchtlingen nicht aufnehmen?“ so die Frage der Schüler. Hier müsse Europa zu einer Lösung kommen, um der Menschen willen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen