Interview zum Jahresabschluss : „Dicke Bretter, die es zu bohren gilt“

Uwe Schmitz
Uwe Schmitz

Husums Bürgervorsteher Peter Empen und Bürgermeister Uwe Schmitz blicken auf das Jahr 2017 zurück.

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22. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Zum Jahresabschluss kommen Bürgermeister Uwe Schmitz und Bürgervorsteher Peter Empen zu Wort. Im ersten Teil des Interviews werfen sie den Blick zurück auf 2017, im zweiten Teil beschäftigen sie sich mit den Herausforderungen des kommenden Jahres.

Zum Jahresende möchte ich ein, zwei Fragen stellen, die uns in der Redaktion aus den vergangenen Monaten noch auf den Nägeln brennen. Nummer eins: Was ist der Stand der Dinge beim geplanten Hallenbad-Neubau? Wie soll das aussehen, wo soll das hin? Man erfährt darüber ja erstaunlich wenig.
Schmitz: Es steht fest, dass es ein Familienbad werden soll, das vom Standard etwas mehr bietet als unser jetziges Hallenbad. Wir sind derzeit dabei, verschiedene mögliche Standorte für das Bad durchzugehen. Welche das sind, werde ich Ihnen aber heute nicht sagen.
Empen: Das können wir auch nicht sagen, weil das alles noch in der Mache ist.
Auf jeden Fall wird das Hallenbad in der Stadt stehen.

Wann wird man mehr erfahren?
Schmitz: Das wollen wir im ersten Quartal 2018 klar haben. Ausschließen als Standort kann ich aber jetzt schon mal den Dockkoog.

Das ist eine schöne Überleitung. Wir wissen ja um die vertrackten Eigentumsverhältnisse auf dem Dockkoog. Wie soll damit 2018 weiter verfahren werden?
Schmitz: Kontaktdaten von allen Eigentümern haben wir. Im Januar werden wir mit ihnen in Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz Kontakt aufnehmen, um über mögliche Grunderwerbe unsererseits auf dem Dockkoog zu reden.
Empen: Wir fahren in dieser Sache ein bisschen mit angezogener Handbremse. Wir würden Ihnen auch gerne bestimmte Dinge mitteilen, aber vieles ist noch nicht spruchreif.
Schmitz: Mir macht aber der Grunderwerb auf dem Dockkoog relativ wenig Sorgen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das klappt.

Die Politik hat ja eine Zeitschiene vorgegeben, bis wann die Neuentwicklung Dockkoog – inklusive Hotelneubau und Deichverstärkung – abgeschlossen sein soll. Danach ist 2023 alles fertig. Zu wie viel Prozent geht dieser Zeitplan aus Ihrer Sicht auf?
Empen: Ich sag’ mal: zu 70 Prozent. Da bin ich optimistisch.
Schmitz: Ich nenne keine Prozente. Ich bin zuversichtlich, dass es klappen wird. Wie bei allem im Leben: Wenn irgendetwas krumm läuft, ist Schicht im Schacht.
Empen: Von Seiten der Politik wird eine gewisse Notwendigkeit gesehen, dass das jetzt etwas wird. Deshalb bleibe ich bei den 70 Prozent.

Was ist für Sie im Jahr 2017 ein Top und was ein Flop gewesen?
Schmitz (schmunzelnd): Die Bürgermeister-Wahl ist eigentlich ganz gut gelaufen . . .
Empen: Top ist es, dass wir mit der Bauleitplanung für den Dockkoog weiter sind. Da sind wir aus den Puschen gekommen. Ein Flop? Das ist für mich immer noch die Situation in der Innenstadt, dass wir beispielsweise mit dem Shared Space nicht weiter kommen.
Schmitz: Das würde ich etwas relativieren. Es sind natürlich schon dicke Bretter, die es da zu bohren gilt. Richtige Flops fallen mir auch gar nicht ein. Teilweise sind es Diskussionen. Es wird oft unheimlich viel geredet, ohne dass die Beteiligten auf die Gesamtzusammenhänge gucken. Was ich beispielsweise ein bisschen schade fand, war die Art und Weise, mit der über den Finanzamtsneubau diskutiert worden ist. Aus meiner Sicht ist es grundsätzlich top, dass es uns gelungen ist, das Finanzamt in Husum zu halten und dass jetzt auch gemeinsam mit dem Land die Bauleitplanung läuft – und ich fand es auch gut, dass das Land diesen Wettbewerb ausgeschrieben hat. Ich bin auch nach wie vor glücklich über die Entwicklung mit dem Neubau des Shopping-Centers, auch wenn das einen gewissen Park-Druck ausgelöst hat. Doch deswegen wollen wir ja jetzt Harmsens Koppel erwerben.
  Ebenfalls gut ist aus meiner Sicht die Entscheidung, mit welchen Vorgaben wir den Busverkehr neu ausschreiben.
  Das sind natürlich alles Dinge, bei denen wir viel Geld in die Hand nehmen und es sind alles Dinge, die man nicht in einem Jahr schafft. Manchmal ziehen sich Dinge auch, weil wir andere Behörden beteiligen müssen. Solche komplexen Zusammenhänge sind schwer zu vermitteln. Menschen sehen erst, was gemacht wird, wenn Steine aufeinander gelegt werden. Doch wenn man anfängt, Steine aufeinander zu legen, ist die eigentliche Arbeit schon getan.
  Aber noch mehr Tops: Die Iven-Agßen-Schule wird für den Wohnungsbau erschlossen, genau wie das Lidl-Grundstück. Im kommenden Jahr geht es in der Theodor-Storm-Straße los. Und auch beim Neubaugebiet Hockensbüll tut sich endlich etwas. Und über einen Flop haben Sie in der letzten Zeit ausführlich berichtet: Stichwort Stadtjugendpfleger.
  Und die Schließung von Senvion war natürlich ein Flop.

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