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Husumer Nachrichten

17. Oktober 2017 | 21:23 Uhr

St. Peter-Ording : Diabetes ist kein Hindernis

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der ehemalige Hürdenläufer Rainer Wilde lässt sich von seiner Zuckererkrankung nicht aufhalten und widmet sein Leben dem Sport.

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 15:00 Uhr

Er war Hürdenläufer über 400 Meter. Nach dem Abitur wollte er Sport studieren und Lehrer werden. „Ich war nie ein Kind, sondern ein Hund, der die ganze Zeit läuft“, sagt Rainer Wilde über sich selbst. Dann kam der Schock: Bei dem jungen Leichtathleten wurde Diabetes diagnostiziert. „Typ-1-Diabetiker. Mein Arzt sagte mir, den Sport könne ich jetzt knicken“, so der heutige Ausdauersportler und Tennisspieler.

Eigentlich hatte sich der damals 17-Jährige nur ein wenig müde und schlapp gefühlt. „Ich hatte starken Durst und bin zum Arzt gegangen, weil ich eine Erkältung vermutete“, erzählt der heutige Rentner. Damals waren Diabetes und Sport noch nicht miteinander vereinbar. „Die große Revolution kam mit den eigenen mobilen Messgeräten. Das war für Sportler sehr wichtig“, erklärt der 64-Jährige. Zuvor sei man alle paar Wochen zum Arzt gegangen. Wenn die Werte gut waren, stand der nächste Termin erst vier bis fünf Wochen später an. „Dabei hätte nach drei Stunden der Blutzuckerspiegel schon im Keller sein können“, gibt der Rentner zu bedenken.

Wilde lernte trotzdem, mit seiner Krankheit umzugehen, diese über die Ernährung zu steuern. „Beim Laufen kann man sich gut einstellen. Ich weiß, wie viel ich essen muss, um zehn Kilometer laufen zu können oder einen Halbmarathon“, erklärt Wilde. „Beim Tennisspielen ist es schwieriger. Da sinkt der Blutzuckerspiegel abhängig vom Gegner und der Dauer der Sätze.“ An eine wirklich brenzlige Situation wie ein Diabetisches Koma kann er sich nicht erinnern. Dabei kann eine Unterzuckerung ganz schön gefährlich werden – gerade abends, wenn man alleine ist.

„Ich werde dann ganz wirr im Kopf. Ich bin nicht mehr ich selbst, merke es aber nicht“, beschreibt Wilde. „Meine Frau ist dann die Leidtragende.“ Diese kennt ihren Mann jetzt seit 30 Jahren. „Ich sehe es sofort an seinen Augen und sage ihm dann, dass er etwas essen muss“, so Karin Wilde. Für den Fall, dass ihr Ehemann sich weigert, hat sie eine Notfallspritze mit Insulin im Kühlschrank liegen.

„Egal, was man macht, wichtig ist, dass man sich bewegt. Auch Haus- und Gartenarbeit sind hilfreich“, so Rainer Wilde. Damals wussten viele Leute gar nicht, was Diabetes ist. „Sie waren überfordert“, erinnert er sich.

Für ihn ist klar: „Sport ist die schönste Nebensache der Welt.“ Er war jahrelang Sportlehrer, hat dann für das Deutsche Rote Kreuz gearbeitet, zahlreiche Angebote wie Nordic Walking in St. Peter-Ording etabliert sowie Herz- und Diabetes-Sportgruppen aufgebaut.

Wichtig ist, dass er beim Sport auf seinen Blutzuckerspiegel achtet. Ein Wert von 120 ml sei optimal. Bei 50 bis 70 werde es langsam kritisch. „Aber auch das ist Tagesform abhängig. Bevor ich loslaufe, sollte ich einen Wert von etwa 260 haben“, erklärt Wilde. Während des Laufs hat er eine kleine Flasche mit Apfelsaft dabei. „Damit kann ich den Spiegel wieder erhöhen.“

Das Problem bei Diabetikern ist, dass sie kein Insulin haben. Also muss sich Rainer Wilde als Typ 1 Insulin spritzen. Einmal täglich Langzeitinsulin, das etwa 24 Stunden anhält. Zu den Mahlzeiten und zum Sporttreiben spritzt er sich dann kleine Einheiten eines Kurzzeitinsulins. „Diabetes ist eine Krankheit mit Köpfchen. Man muss immer mitdenken“, sagt der Rentner.

Eine Insulinpumpe wie der deutsche Olympia-Sieger im Gewichtheben Matthias Steiner trägt, kommt für Wilde nicht in Frage. Diese Möglichkeit sei zu unpraktisch beim Schwimmen gehen und anderem Sport. Der 64-Jährige will sich allerdings einen Sensor besorgen, der mit einer Setzhilfe unter die Haut gestochen wird. Damit könnte Wilde seine Blutzuckerwerte mit einem Lesegerät jederzeit scannen – auch beim Laufen. „Das würde vieles erleichtern“, ist Wilde begeistert.

Am kommenden Wochenende findet in St. Peter-Ording der „Gegen den Wind“- Triathlon (Sonnabend) und der Halbmarathon (Sonntag) statt. Auch Rainer Wilde wird an beiden Tagen im Einsatz sein. „Beim Triathlon helfe ich in der Wechselzone. Am Sonntag gehe ich selbst an den Start, aber nur über sieben Kilometer“, so der 64-Jährige. Insgesamt werden zu den beiden Sportevents etwa 1.400 Teilnehmer erwartet.

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