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Sicherheit ist Trumpf : Devise: Unauffällig, aber effizient

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie sich Ordnungsamt, Polizei und Veranstalter auf veränderte Sicherheitsbedingungen bei großen Festen wie den Husumer Hafentagen vorbereiten. So unauffällig wie möglich, aber so effektiv wie nötig, lautet die Devise.

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erstellt am 01.Aug.2017 | 11:00 Uhr

Der stellvertretende Bezirksleiter der Polizeistation Husum bringt es auf den Punkt: „Vor zwei Jahren war gar nichts. Vor einem Jahr gingen dann die ersten Rucksäcke in die Luft, und im Dezember schockierte das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin die Öffentlichkeit.“ Grund genug für die zuständigen Stellen, sich die Sicherheitsvorkehrungen für Husums größtes Volksfest genau anzuschauen. „Aber“ – und auf diese Feststellung legt Thomas Jacobsen ebenso großen Wert wie der stellvertretende Leiter des städtischen Ordnungsamtes, Karl-Friedrich Bumb, und Messe-Chef Peter Becker, dessen Team die Husumer Hafentage organisiert, „auch kein Grund zur Besorgnis“.

Seit Monaten schon beraten diese drei Instanzen mit Feuerwehr, Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst, Deutschem Roten Kreuz und anderen Organisationen, wie die Hafentage, die morgen beginnen, „so unauffällig wie möglich und so wirkungsvoll wie nötig“ vor Gefahren geschützt werden können. Zwar gebe es keinerlei Hinweise auf konkrete Gefährdungen, aber Vorsicht sei bekanntlich die Mutter der Porzellankiste, sagt Jacobsen. „Seit 2013 haben wir ein Sicherheitskonzept, das regelmäßig aktualisiert und den Gegebenheiten angepasst wird“, erläutert Bumb. Natürlich genieße die Sicherheit höchste Priorität, „aber die Leute sollen auf der Bunten Meile auch ihren Spaß haben können“, fügt Jacobsen hinzu. Deshalb wolle man dafür sorgen, dass die notwendigen Maßnahmen nicht sofort ins Auge fallen oder den bunten Reigen zumindest nicht besonders stören.

Eine dieser Vorkehrungen ist die Abriegelung der Meile aus Richtung Süden und Osten, also vor der Einmündung des Zingels in die Straße Am Binnenhafen und von der Ludwig-Nissen-Straße. An diesen Stellen würden Container aufgestellt und mit Bauschutt oder Sand befüllt, berichtet Becker. Die hielten im Zweifelsfall selbst großen Fahrzeugen stand, fügt er anlässlich der Ereignisse von Berlin hinzu. Andererseits müsse aber auch sichergestellt werden, dass Feuerwehr und Rettungsdienst im Bedarfsfall schnellstmöglich zu ihrem Einsatzort gelangten. Deshalb sollen die genannten Straßenzüge nur auf einer Seite gesperrt werden. „Auf der anderen arbeiten wir mit einer mobilen Lösung, einem Schlepper oder Trecker, der nicht minder wirkungsvoll ist als die Container, den Weg aber jederzeit frei machen kann“, sagt Becker. Diese Fahrzeuge müssen dann aber auch die ganze Zeit besetzt sein.

Spätestens nach der Geisterfahrt eines offenbar psychisch kranken Mannes aus Nordrhein-Westfalen, der im Mai damit gedroht hatte, in der Innenstadt eine Bombe hochgehen zu lassen (was sich glücklicherweise als falscher Alarm herausstellte), haben die Ordnungshüter natürlich auch den Marktplatz und die Krämerstraße – als Verbindungsstück zur Meile – verschärft im Blick. Der Mann hatte einen Pkw auf den Markt und dann weiter in die Krämerstraße gesteuert und war dort erst nach einem massiven Polizeieinsatz zum Stehen gebracht worden (wir berichteten). So weit würde er während der Hafentagen gar nicht kommen, versichern Becker, Bumb und Jacobsen.

An anderen neuralgischen Stellen rund um den Hafen und beim traditionellen Tauziehen am Außenhafen sollen sogenannte Bigpacks aufgestellt werden. Das sind riesige Nylonbeutel, die mit schwerem Material gefüllt und dann von einem Kran an ihre jeweilige Position gebracht werden, erläutert Bumb. Zuletzt kamen diese Bigpacks am Wochenende beim Lampionfest in Friedrichstadt zum Einsatz, „haben sich aber auch schon bei der Kieler Woche bewährt“, sagt Jacobsen. Überhaupt tauschten sich Polizei und Behörden regelmäßig auch mit Kollegen aus anderen Landesteilen aus, so Bumb.

Das A und O eines so großen Festes wie die Hafentage sei jedoch die Präsenz des messeeigenen Sicherheitsdienstes und der Polizei. Beide gingen zu Fuß über die Meile und stünden in ständigem Kontakt mit dem Meilenmeister oder dem Organisationsbüro. „Wir haben dafür eine Firma engagiert, mit der die Messe schon seit zehn Jahren zusammenarbeiten und mit der wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben“, berichtet Becker. „Das sind absolute Vollprofis.“ Und das lassen sich die Veranstalter zusätzliches Geld kosten. Der Messe-Chef spricht von einer fünfstelligen Summe und hofft auf Sponsoren, die ihren Teil dazugeben. So eine kostenlose Großveranstaltung wie die Hafentage sei ja nicht selbstverständlich.“

Sicherheitsdienst und Polizei sind die gesamte Zeit über präsent. Im Tages- und Nachtdienst seien sowieso mehr Sicherheitskräfte im Einsatz als sonst, so Becker und Jacobsen. „Und am Wochenende schicken wir zusätzliche Kräfte zu Fuß auf die Meile.“ Die haben dann auch ein Auge auf die Neustadt. Dorthin zögen sich viele Besucher zurück, wenn die Meile zumache. „Und manchmal werden da auch noch offene Rechnungen beglichen“, weiß Jacobsen zu berichten. Abends ist die Polizei übrigens in gelben Westen unterwegs. So könnten sich die Beamten gegenseitig erkennen und im Bedarfsfall unterstützen. Überhaupt: Je mehr los ist, desto mehr Ordnungskräfte werden unterwegs sein, bekräftigen Bumb, Becker und Jacobsen unisono. Und gänzlich unbeobachtet sei die Meile zu keinem Zeitpunkt. Unterdessen wünscht sich Becker, dass auch die Besucher die Vorschriften beherzigten und keine Rucksäcke mit auf die Meile nähmen. „Das schützt auch vor lästigen Kontrollen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Zum abschließenden Feuerwerk würden die Fußgängerbrücke und die Autobrücke über den Hafen aus Sicherheitsgründen hochgeklappt.

Absolute Sicherheit könne niemand garantieren, sind sich die drei Männer. einig „Dass eine Umzäunung nicht erwünscht ist, macht die Sache für uns nicht einfacher, aber für die Besucher schöner. Dennoch haben wir alles dafür getan, um Flächen im Ernstfall auch relativ schnell von innen räumen und planvoll handeln zu können.“

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