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Kaserne in Seeth wird neues Domizil für den Zoll : Der Zoll zieht in eine Geisterstadt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von September an soll die Kontrolleinheit ihr neues Domizil auf dem Gelände der ehemaligen Stapelholm-Kaserne haben – für zunächst fünf Jahre.

„Man höre und staune, dass die Vögel bereits zwitschern, dass der Husumer Zoll nun in das Gebäude 5 der ehemaligen Stapelholm-Kaserne einzieht“, sagte Bürgermeister Peter Dirks in der Seether Gemeindevertretung. Er habe nur zufällig davon erfahren, erklärte Dirks dem Gremium verärgert. Und tatsächlich: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), der das knapp 43 Hektar große Gelände – 24 Hektar werden davon genutzt – am Rande der Gemeinde untersteht, plant, die Behörde dort für fünf Jahre unterzubringen. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung.

„Da das ehemalige Dienstgebäude in der Kleikuhle in Husum zum einen nicht mehr den heutigen Anforderungen eines Zolldienstgebäudes gerecht wurde und zum anderen erhebliche bauliche Mängel aufwies, hatte sich die Zollverwaltung für eine Neuunterbringung entschieden. Das Zollamt ließ sich deshalb vor einiger Zeit interimsweise in der Husumer Süderstraße nieder. Doch das Gebäude ist zu klein für die Mitarbeiter der Kontrolleinheit. Auch Parkplätze sind rar. Eigentlich soll es einen Neubau geben, doch bis zur Fertigstellung dauert es mindestens fünf Jahre.

Das Gebäude 5 auf dem Gelände der ehemaligen Stapelholmer Kaserne hingegen biete sich an, „da es sich mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand für eine Büronutzung kurzfristig herrichten lässt. Mit der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen wurde bereits begonnen“, teilte die BIMA mit. Einzugstermin soll aller Voraussicht nach der 1. September 2017 sein. Diese Zwischenlösung sei schnell und „aus immobilienökonomischer Sicht sehr wirtschaftlich“.

Das Gebäude 5, das sich westlich neben der Wache befindet, steht frei, ist eingezäunt und verfügt über eine direkte Anbindung an die B 202. Nach Überzeugung der BIMA sei das ein guter Schachzug. Sobald der Zoll eingezogen ist, soll das Gebäude bis spätestens Juni 2018 komplett unabhängig versorgt werden können. „Damit steht das ehemalige Kasernenareal in Seeth künftig für andere Nutzungen zur Verfügung.“

Das ist im Grunde eine gute Nachricht für die Gemeinde Seeth, die schon lange darauf hofft, auf dem Gelände, wo noch 2015 zahlreiche Flüchtlinge untergebracht waren, Gewerbe anzusiedeln. Zur Erinnerung: Nachdem im Winter 2015 die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien geschlossen worden war, verebbte der Strom der Verzweifelten. Ende September 2016 wurden dann auch die Tore des ehemaligen Kasernen-Geländes geschlossen.

Trotzdem – Peter Dirks ist alles andere als angetan von der aktuellen Entwicklung. „Unsere Gemeinde wird für alles Mögliche, was hier passiert, herangezogen, aber informiert werden wir so gut wie gar nicht oder nur sehr spät. So kann man mit einer Standort-Gemeinde nicht umgehen“, betonte der Seether Bürgermeister. „Hier muss doch mal langsam etwas passieren.“ So hieß es in der Gemeindevertreter-Sitzung, dass „eine große Firma aus Friedrichstadt“ Interesse bekundet habe, sich auf dem Gelände zwischen Seeth und Norderstapel niederzulassen. Allerdings, so Dirks, habe die Unternehmensleitung unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie, wenn es in diesem Jahr kein grünes Licht mehr gebe, sich einen anderen Standort suchen würde.

„Der östliche Teil der Kasernen-Fläche soll Gewerbegebiet werden“, erklärte der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Nordsee-Treene, Claus Röhe. „Wir stehen in Verhandlung mit Landes- und Kreispolitik sowie potenziellen Bewerbern.“ Doch es gebe noch nichts Konkretes, so Röhe. Man könne sich vorstellen, mehrere Hallen zu nutzen, die sich gut als Lagerfläche eignen würden. Auch er ist der Meinung, dass dort etwas passieren muss, damit die Kaserne „nicht ganz abgeschaltet“ wird.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG), die die zivile Nachnutzung des Kasernen-Geländes koordiniert, hat für Mittwoch (12.) ein Treffen anberaumt, wie Konversions-Manager Steffen Volk mitteilte. Mit von der Partie sollen dann Peter Dirks und Claus Röhe sein. Bei der Zusammenkunft sollen Möglichkeiten für die Nachnutzung ausgelotet werden. Volk stellt sich auf ein „brisantes Gespräch“ ein. „Wir haben viel zu klären“, sagte er. Doch auch die WFG verfolge konkrete Ansiedlungs-Interessen. Details wollte Volk allerdings noch nicht verraten.

Wie eine Geisterstadt wirkt die stillgelegte Fläche. „Trotzdem sind immer Menschen vor Ort“, erklärte Steve Wolfram beim Rundgang über das Gelände. Der Mitarbeiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten ist regelmäßig in Seeth. „Wir nennen das Leerstands-Bewirtschaftung“, so Wolfram. Der Wachdienst ist 24-Stunden im Einsatz und sichert das Gelände. Die Gebäude werden gelüftet, beheizt, die Rohrleitungen gespült und ein Mitarbeiter des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH) mäht den Rasen und kürzt die Bäume, damit die Natur sich nicht alles wieder zurückholt. „Innerhalb kürzester Zeit kann hier aber alles wieder hochgefahren werden“, ist Wolfram überzeugt.

Und das ist wichtig, „denn derzeit ist die Liegenschaft als Reserve-Kapazität eingeplant“, erklärte Normann Voss vom Finanzministerium, das für den offiziellen Nutzer, das Innenministerium, die Verwaltung übernommen hat. Denn das Seether Kasernen-Gelände soll nach wie vor als Erstaufnahme-Einrichtung vorgehalten werden. Wie lange das noch der Fall ist, hängt von den Flüchtlings-Prognosen beziehungsweise Zugangszahlen ab – sprich, von der weltpolitischen Lage. „Und die kann sich ganz schnell wieder ändern“, so Voss.


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erstellt am 11.Jul.2017 | 09:00 Uhr

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