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Hightech aus dem Kuhstall : Der Zaunkönig von Sönnebüll

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In einem ehemaligen Kuhstall in Sönnebüll entstehen spezielle Hightech-Gatter, die es bei keinem anderen Hersteller in Norddeutschland gibt.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 15:30 Uhr

Jan Christiansen und seine beiden Mitarbeiter haben heute mal wieder nicht alle Latten am Zaun. Was sich auf den ersten Blick liest wie eine tendenzielle Beleidigung, ist für den 33-Jährigen und sein Team ganz normaler Arbeitsalltag. Christiansen, gebürtiger Husumer, ist Geschäftsführer der Zaunmanufaktur ebbe + flut. An sich noch nichts Besonderes. Was diese Tatsache so speziell macht, sind der neue Produktionsstandort und die innovative Geschäftsidee.

Die sogenannten Friesenzäune aus Kunstoff-Vollmaterial sind der ganze Stolz des jungen Familienunternehmens zwischen Husum und Niebüll. Nachdem sie bislang in einer angemieteten Tischler-Werkstatt in Bredstedt angefertigt wurden, läuft die Produktion seit April am Stammsitz in Sönnebüll – dort, wo die am 15. Januar 2013 gegründete Firma seit jeher ihr Büro hat.

Bis vor wenigen Wochen wurden auf dem elterlichen Bauernhof im Osterende noch Kühe gemolken, nun dient der alte Stall als Werkstatt. Wo einst das Nutzvieh muhte, kreischt heute unter anderem die Säge. Auf rund 150 Quadratmetern arbeiten Dmitri Lerch und Juri Bauer unter den kritischen Augen ihres Chefs, der auch mal mit anpackt, an einem ganz besonderen Produkt. „Wir sind die einzigen in ganz Norddeutschland, die das machen“, sagt Christiansen nicht ohne Stolz. Der nächste vergleichbare Hersteller sitze in Hannover – und besetze diese Nische als Spezialist für Stahlzäune auch eher sporadisch.

Die Zaun- und Torsysteme made in Sönnebüll bestechen durch ihre einzigartigen Eigenschaften: Sie sind äußerst pflegeleicht – müssen nicht gestrichen werden – und langlebig. Aufgrund ihrer Maserung sehen die Latten aus als seien sie aus Holz. Tatsächlich bestehen sie aber aus High-Tech-Kunststoff, einem Vollmaterial ohne Abdeckkappen, das mit einer glatten Acrylglas-Allwetterhaut ummantelt ist. Das macht sie dauerhaft beständig gegen Ultraviolettstrahlung und sorgt für Farbechtheit. Das massive Vollprofil wird auf farbig pulverbeschichtetes Aluminium montiert. Die weiteren Komponenten bestehen aus Edelstahl und hochwertigen Pfosten-Abdeckungen aus Gießharz. Damit kann an der Zaunanlage nichts rosten, vergilben, reißen, rotten oder auffrieren. Und, so Christiansen: „Mit einem Kern aus hochwertigen Recycling-Materialien sind die Friesenzäune auch aus ökologischer Sicht eine sinnvolle Sache.“

Mit der Verwendung von Syntal-Kunststoff, der nachweislich aggressiver Witterung standhält und daher auch seit einigen Jahren erfolgreich im Schiffsbau eingesetzt wird, füllt Christiansen im Norden der Republik eine Marktlücke aus. Das Alleinstellungsmerkmal seiner kleinen, aber feinen Firma schlägt sich denn auch positiv in den Büchern nieder. Zwei bis drei Kundenaufträge kämen pro Woche rein, rechnet der Geschäftsmann mit dem Motto „einmal ordentlich + für immer“ vor. Bestellt werde der Friesenzaun Marke „küstenstyle“ überwiegend von Grundstücksbesitzern nördlich des Nord-Ostsee-Kanals. Hin und wieder fänden sich aber auch Abnehmer aus Hamburg und Niedersachsen.

Und dann kommt unweigerlich der Tag, an dem der Zaunkönig von Sönnebüll und seine zwei Angestellten doch mal alle Latten am Zaun haben. Spätestens nach rund einem Monat – denn so lange dauert es laut Christiansen im Schnitt, bis ein Auftrag abgearbeitet ist.

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