Wolf auf Eiderstedt : Der Wolf fühlt sich in Eiderstedt wohl

Ein Wolf beunruhigt auch weiterhin auf Eiderstedt Tierhalter und ihre Schafherden.
Ein Wolf beunruhigt auch weiterhin auf Eiderstedt Tierhalter und ihre Schafherden.

Fast täglich werden auf der Halbinsel gerissene Schaflämmer gefunden. Für Juli wurden bislang sechs Wolfsrisse bestätigt.

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08. August 2018, 12:00 Uhr

Oldenswort | Die Tierhalter auf Eiderstedt sind höchst beunruhigt: Nach wie vor ist ein Wolf auf der Halbinsel unterwegs. Bei sechs Schafrissen in Tetenbüll und Oldenswort wurde der Wolf als Verursacher jetzt offiziell bestätigt. Die Vorfälle waren zwischen dem 2. und 19. Juli gemeldet worden. In weiteren zwei Fällen in Oldenswort (16. Juli) und Westerhever (5. Juli) soll es laut genetischer Untersuchung ein Hund gewesen sein, wie das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) mitteilt. Doch damit ist die Serie noch lange nicht beendet: Zwischen dem 19. Juli und dem 6. August wurden noch weitere zehn gerissene Schaflämmer in Uelvesbüll, Oldenswort, Tetenbüll und Osterhever entdeckt. Hier stehen die Untersuchungsergebnisse noch aus.

Seit Anfang Juni treibt mindestens ein Wolf auf Eiderstedt sein Unwesen (wir berichteten). Für jenen Monat wurden 13 Wolfsrisse offiziell bestätigt. Auch damals bewegte sich das Raubtier im Bereich Osterhever und Tetenbüll.

Zum Schutz der betroffenen Herden hat das LLUR, wie es den Schafhaltern auch zusteht, Elektro-Schutzzäune errichtet. Bislang wurden acht Eiderstedter Betriebe damit ausgerüstet, es sollen vier bis sechs folgen, so die Behörde auf Anfrage.

Die Hoffnung, dass der Wolf, wie von Experten angenommen, weiterzieht, haben Eiderstedts Viehhalter schon lange nicht mehr. „Er findet hier doch einen reich gedeckten Tisch“, sagt Johannes Haack, Schafhalter aus Oldenswort. Er selbst habe erst kürzlich einen Wolf gesehen, der vor ihm aus einem Graben kam. Das Tier habe sich erschrocken und sei dann weggelaufen. Ob es sich dabei auch um das Tier handelt, dass am 20. Juli gegen 21.30 Uhr mitten in Oldenswort gesichtet wurde, glaubt er dagegen nicht. Wie Bürgermeister Frank-Michael Tranzer auf Anfrage erklärt, soll das Tier über die Kreuzung und dann weiter über den Friedhof gelaufen sein. Der Augenzeuge habe den Vorfall dem Wolfsmanagement gemeldet. Ein Foto gebe es aber nicht.

Mit Blick auf seine Feriengäste, vor allen Dingen wegen der Kinder, macht sich Johannes Haack schon Sorgen. „Ich sage den Eltern, dass die Kinder nicht in der Dämmerung allein ins Land laufen sollen. Es heißt zwar, dass der Mensch nicht zum Beuteschema des Wolfs gehört, aber weiß der das auch?“ Auch seine Gäste machen sich Gedanken, was sie tun sollen, wenn sie einem Wolf begegnen.

Für diesen Fall hat das Umweltministerium in Kiel eine lange Liste mit Regeln herausgegeben, sie ist unter anderem auf der Internet-Seite des Amtes Eiderstedt zu finden (www.amt-eiderstedt). Beim Lesen wird mancher ein Unbehagen verspüren. Denn es ist davon die Rede, dass neugierige Jungwölfe einzeln oder in der Gruppe schon mal einem Menschen hinterherlaufen oder einen unangeleinten Hund angreifen können. Und was ist, wird sich der Leser fragen, wenn er keinen Knüppel oder Stein zur Hand hat, um den Wolf zu vertreiben?

Olaf Dircks, Bürgermeister von Westerhever und Schafhalter, findet, dass das Ministerium sich nun langsam mal Gedanken machen müsste, was mit dem Wolf auf Eiderstedt werden soll. „Schließlich hat es ja auch Verantwortung für die Bürger.“ Der Wolf gehört nun mal nicht in die Landschaft, da ist er sich mit Johannes Haack und vielen anderen auf Eiderstedt einig. Auf seinen Antrag vom 13. Juli, dass das Tier entnommen wird, weil es sich auf Nutztiere als Beute spezialisiert habe und keinerlei Scheu vor menschlichen Besiedelungen zeige, habe er bis heute keine Antwort erhalten.

Denn die Sorge geht um, dass aus dem einen Wolf ein Rudel werden könnte. „Der wird hier nicht weggehen“, meint auch Wilfried Massow, Landwirt aus Oldenswort, in dessen Nachbarschaft in den vergangenen Tagen mehrere Lämmer gerissen wurden. „Meine Feriengäste finden es bislang noch interessant, dass hier ein Wolf unterwegs ist. Sie sind ihm aber auch noch begegnet und haben auch noch kein Lamm gesehen, dem ein Wolf an die Kehle gegangen ist.“

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