zur Navigation springen

Haus & Grund-Tagung in Husum : Der Wohnungsmarkt im Fokus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Landesverbandstag des Eigentümerverbandes Haus & Grund: Innenminister Breitner hält staatliche Eingriffe für „bisweilen unverzichtbar“, während die Immobilienbesitzer die geplante Mietpreisgrenze als untaugliches Mittel ansehen.

von
erstellt am 10.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Zahlen und Worte präsentierte gestern Michael Siegmund, Vorsitzender von „Haus & Grund“ Husum, den 700 Besuchern im Nordsee-Congress-Centrum (NCC) zum 111. Jahr des Bestehens des Ortsvereins. „Wir haben mehr Mitglieder als jemals zuvor“, verkündete Siegmund stolz. Auf dem 116. Landesverbandstag des Eigentümerverbandes „Haus & Grund“ – dem eigentlichen Anlass der Zusammenkunft im NCC – begründete er den Erfolg der Husumer Gemeinschaft mit mittlerweile 1650 Angehörigen mit verbesserten Leistungen innerhalb des Vereins. Damit sei auf die Rücktrittswelle vor zehn Jahren reagiert worden, um neue und jüngere Mitglieder einzuwerben. „Unsere Homepage mit vielen Hilfestellungen ist nur ein Baustein davon.“ Am 18. Juli 1903 war der Verein mit 115 Herren gegründet worden. Heute habe man allerdings auch sehr viele weibliche Mitglieder, so Siegmund weiter.

Diesen Ball nahm Alexander Blažek – Landesvorsitzender von „Haus & Grund“ und Moderator der Veranstaltung – auf und verwies auf die stolze Zahl von 65 000 Mitgliedern in Schleswig-Holstein – Tendenz steigend. „Wir brauchen keine Mietpreisgrenze“, gab er zudem die Forderung des Verbandes an die Politik vor.

Das sah der Kieler Innenminister Andreas Breitner (SPD) anders. Nach seinen Angaben gebe es derzeit Anträge zur Förderung von rund 1800 Wohnungen. Natürlich würden die Mitglieder von „Haus & Grund“ zum Erfolg der Wohnungsbauoffensive beitragen. Dennoch hält Breitner staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt zur Wiederherstellung einer sozialen Balance für „bisweilen unverzichtbar“. „Die aktuelle Lage erfordert neben Investitionen auch gezielte Maßnahmen gegen einen überzogenen Anstieg von Mieten“, sagte der Minister. Mit der geplanten Mietpreisbremse des Bundes werde man sich aber erst befassen, wenn dazu der genaue Wortlaut aus Berlin vorliege.

Nach Ansicht von Dr. Kai H. Warnecke, dem Hauptgeschäftsführer von „Haus & Grund“ Deutschland, könne diese Bremse gar nicht das leisten, was sie soll. Warnecke zog eine Parallele zu Venezuela, wo eine Plasma-TV-Preisgrenze dazu geführt hätte, dass es dort jetzt keine Fernseher mehr gäbe. „Wir müssen auf unsere Wohnungen aufpassen“, mahnte der Hauptgeschäftsführer. Und es sei ein Skandal, den Vermietern eine Anhebung der Mieten vorzuwerfen, wenn es der freie Markt hergebe. Deshalb warb er darum, jetzt die Mieten zu erhöhen, bevor es zu spät sei.

Prof. Dr. Alkis Henri Otto vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) als Gastredner prognostizierte allerdings, dass das Gesetz vor allem Städte betreffen würde. Otto hat dafür gleichwohl Verständnis, da dort der Strukturwandel zum Problem werde. Aus bestimmten großstädtischen Vierteln wanderten ärmere Bevölkerungsgruppen ab und wohlhabendere zu, was mit einem Anstieg des Wohnpreisniveaus Hand in Hand ginge. Dennoch sei die Lage nach der inflationsbereinigten Statistik nicht so dramatisch wie in den 1990er Jahren – außer in Städten wie Lüneburg und Kiel, wo der Anstieg der Preise tatsächlich beachtlich sei. Auch in Flensburg sei es 2006 zu einem Mietanstieg von zwölf Prozent gekommen. „Wegen der Nähe zu Dänemark wird dort ein weiterer Anstieg von bis zu zweieinhalb Prozent erwartet“, prognostiziert Otto. Denn obwohl die Kopfzahl der deutschen Bevölkerung insgesamt bis 2025 auf unter 80 Millionen sinken werde, bleibe die Zahl mit 2,8 Millionen in Schleswig-Holstein stabil. „Daher wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt“, war sich der Referent sicher und forderte eine zügigere Baulandausweisung, schnellere Genehmigunsverfahren und eine Föderung des Wohnungsbaus.

Abschließend verwies Hauptgeschäftsführer Warnecke noch auf das Denkmalschutzgesetz. Hier gebe es Verhandlungen mit der Kieler Kultusministerin Anke Spoorendonk (SSW). „Die Inventarisierung betroffener Gebäude wird überarbeitet“, sagte er und forderte: „Wir müssen gemeinsam das kulturelle Erbe Husums und Nordfriesland erhalten.“

Diese Worte bewogen Bürgervorsteher Peter Empen zu der Ergänzung: „Das ist tatsächlich ein Thema, das uns Husumern unter den Nägeln brennt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen