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24 Stunden Husum: 6 bis 7 Uhr : Der Wochenmarkt ist wie eine Sucht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Claus Zetl verkauft jeden Donnerstag auf dem Wochenmarkt sein Gemüse. Vor 20 Jahren, als der heute 62-Jährige erstmals am Tine-Brunnen stand, wurde der Pellwormer noch als Bio-Verrückter belächelt. Der Husumer Markt hat für ihn Suchtcharakter.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 2: Einem Marktbeschicker über die Schultern geschaut.

 

„Aa-naa-nass ein Euro“ – wer sich Donnerstagvormittag im Umkreis der Tine aufhält, kann sich dieses ebenso nasalen wie durchdringenden Reklamerufs in der Endlosschleife kaum erwehren. Schließlich ist Wochenmarkt. Dann regieren Gemüse- und Blumenhändler sowie andere Aussteller das Geschehen rund um den Brunnen mit der Fischersfrau und an der Roten Pforte. Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Menschen in die Storm-Stadt, um frische Ware möglichst direkt vom Erzeuger einzukaufen. Gleichzeitig dient der Markt auch als Treffpunkt, an dem Nachrichten ausgetauscht werden oder auch heftige Diskussionen entbrennen.

Doch bevor das große Kaufen und Verkaufen einsetzt, haben die Marktbeschicker bereits einige Stunden Vorbereitungszeit hinter sich. Zu ihnen gehört auch Claus Zetl von der Insel Pellworm. Mit seinen Waren aus biologischem Anbau steht der 62-Jährige mit dem Rücken direkt zur Tine. Er feiert ein Jubiläum: Zetl gehört seit 20 Jahren quasi zum Inventar. „1993 habe ich mich für einen Standplatz beworben“, berichtet er. In den ersten Jahren ist er morgens in aller Frühe mit der Fähre aufs Festland und dann weiter nach Husum gefahren. „Das war immer mit sehr viel Hektik und Stress verbunden.“ Schließlich musste der Lastwagen vorher mit der frischen Ware beladen werden. Bei alledem hatte er immer die Uhr im Blick, schließlich wartete die Fähre nicht auf ihn – er musste rechtzeitig am Hafen stehen.

Seinerzeit breitete Zetl sein Gemüse von der grünen Insel auf einem Tapeziertisch aus. Wenn alles gut ging, stand er gegen 7 Uhr an der Tine. „Wir wurden damals als Bio-Verrückte belächelt, so richtig ernst hat uns mit unserer Ware keiner genommen.“ Es hat sich einiges verändert – in vielerlei Hinsicht. Da seine Frau in Husum arbeitet, haben sich die beiden vor Jahren eine Wohnung in der Kreisstadt angeschafft. „Wir beginnen unsere Arbeit schon am Vortag mit dem Beladen unseres Lastwagens.“ Spätnachmittags nimmt Zetl mittwochs die Fähre und übernachtet dann in Husum. „Wir müssen nicht mehr allzu früh aufstehen und können in aller Ruhe und ohne Hektik mit dem Aufbau beginnen.“ Wenn morgens die Kirchturmuhr sechs Mal schlägt, ist er bereits dabei, die Ware zu platzieren. Wieviele Kisten Gemüse er geladen hat, kann er gar nicht sagen. „Ich habe sie nie gezählt, aber es ist eine Menge Holz.“ Über 100 sind es auf jeden Fall . . .

Die Gemüsesorten haben auf dem mehr als zehn Meter langen Tisch ihren festen Platz. Das hat seinen Vorteil. „Die Kunden wissen, wo ihre gewünschte Ware liegt, und müssen nicht lange suchen.“ Und wenn gegen 7.30 Uhr die ersten Abnehmer kommen, finden sie einen farbenprächtigen Gemüsestand vor, der zudem noch überdacht ist.

Apropos: Fragt man ihn nach dem Wetter, so winkt er schmunzelnd ab. „Ich habe in den 20 Jahren vielleicht ein oder zwei Mal gefehlt“, sagt Zetl. Selbst eine Erkältung mit 39 Fieber hält ihn nicht ab, auf dem Wochenmarkt in Husum zu stehen. Seine erstaunliche Erklärung: „Es ist wie eine Sucht – und es macht unglaublich viel Spaß.“ Besonders das Gespräch und der Umgang mit den Menschen seien ihm sehr wichtig. Und dabei hat Zetl in den vergangenen Jahren eines festgestellt: „Mein Bio-Sortiment wird immer besser angenommen.“ Ist der Markt zu Ende, muss die verbliebene Ware wieder ordentlich verstaut werden. Dann geht es zurück nach Pellworm, wo Zetl freitags sein Gemüse verkauft – und sonnabends in Heide.

Herbert Müllerchen

Teil 3 morgen: Auf dem Kutter eines Krabbenfischers.

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